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Europa

Mit Stil, Charme und Maske

Der venezianische Karneval hat Stil und Tradition. Edle Kostüme und kunstvolle Masken, wohin man auch blickt. In dieser Zeit sind statt knapp 100.000 Einwohnern anderthalb Millionen Menschen in der Stadt.

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Hinter jeder Maske versteckt sich eine ganze Welt

Eine Taube aus Pappmaché fliegt über den Markusplatz. Sie wird von einem Drahtseil gehalten. Dann öffnet sich die selbstgebastelte Taube - und aus ihrem Bauch regnet es Konfetti. Das ist das Zeichen: Der Karneval von Venedig ist eröffnet.

Das Spiel mit den Masken

Venetianer auf dem Markusplatz; (AP Photo/Luigi Costantini)

Auf dem berühmten Markusplatz spielt sich ein Jahrhunderte altes Schauspiel ab

„Kommt nach Venedig, der Karneval ist toll und die sind Venezianer wunderbar“, ruft Luisa Pampanon und reißt die Arme in die Höhe, als wollte sie jeden Besucher persönlich willkommen heißen. Gehen die Touristenhorden den Venezianern sonst auf die Nerven, an Karneval freuen sie sich über die importierte gute Laune. Ausländische Besucher sind ein fester Bestandteil der venezianischen Karnevalstradition. Im 18. Jahrhundert kamen die lebenslustigen jungen Männer aus den vornehmen Kreisen Europas nach Venedig, um sich im Karneval zu amüsieren.

„Es gibt Feste in den Häusern, aber uns gefällt es, einfach durch die Straßen zu ziehen und ein hübsches Mädchen oder einen jungen Mann zu bemerken, mit dem man anbandeln könnte“, erzählt eine junge Venezianerin. Ein viel sagendes Lächeln blitzt unter der traditionellen weißen Gesichtsmaske hervor. Es ist eine klassische, venezianische Maske, die „Baútà“. „Der Vorteil der Maske ist, dass man sich alles erlauben kann. Man kann das Geschlecht wechseln und mit der Zweideutigkeit zu spielen“, sagt die junge Frau unter der Maske, die eigentlich für Männer gedacht ist.

Atmosphäre aus den Zeiten Casanovas statt Alaaf und Helau

Karneval in Venedig Masken

Alles ist erlaubt - Hauptsache Farbe ist im Spiel

Das Spiel mit der Anonymität, der Reiz des Geheimnisvollen - das ist der Geist des Karnevals von Venedig. Die Maske ist dabei unverzichtbar. Die Originalmasken stammen aus der italienischen „Commedia dell`arte“, einer Form der Volkskomödie, die im 16. Jahrhundert entstand. Ihre Hauptfiguren tragen allesamt Masken und sind immer die gleichen: Harlekin, der bauernschlaue Diener, seine Freundin Colombina, sein geiziger Herr Pantalone und viele andere. Dieses Jahr gingen die Pantalone-Masken weg wie warme Semmeln, verrät die Maskenmalerin Riccarda Aprile.

Handgemalte Masken kosten zwischen 100 und 350 Euro. Es geht aber auch billiger: Mit flinken Pinselstrichen malen Straßenkünstler die perfekte Ein-Tages-Maske direkt auf die Gesichter. Das dauert 10 Minuten und kostet fünf Euro.

Ohne Kostüm geht es nicht

Venedig habe diesen Charme vergangener Zeiten, schwärmt der Künstler und Skandalfotograf Oliviero Toscani. Über den Markusplatz schlendern Herren mit Silberlockenperücke und Damen in Rokokokleidern. Viel Samt und Seide, Spitzenbordüren und Taftröcke - die Venezianerinnen lassen sich nicht lumpen. Das Kostüm wird jedes Jahr gewechselt. Ein maßgeschneidertes venezianisches Karnevalskleid gibt es ab 2000 Euro, viele Familien nähen deshalb selbst. Allein der Stoff sei teuer genug, sagt Gilda Fabbrizi, die sich und ihre zehnjährige Tochter Natalia dieses Jahr im Partnerlook ausstaffiert hat. Aber eine Venezianerin ohne anständiges Kostüm, das gibt es nicht.

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