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Ostmitteleuropa

"Mit seinen Versprechungen großzügiger"

- Warum Paksas und nicht Adamkus das Rennen um das höchste Amt in Litauen machte

Vilnius, 6.1.2003, LIETUVOS RYTAS, litauisch

Die beeindruckenden Noten, die Valdas Adamkus nach seinem ersten Jahr im Amt erhielt, schienen allmählich selbstverständlich zu werden. Auch der überzeugende Sieg in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen (am 22. Dezember 2002) ließ darauf schließen, dass Valdas Adamkus zweifellos der Herr im Amt auf dem Simonas Daukantas-Platz (Sitz des Präsidenten) bleiben wird.

All dies hat den Wahlkampfstab des Präsidenten eingelullt. Etwas aktiver wurde er nur in den letzten Tagen des Wahlkampfs, als nicht nur die politische Elite, sondern auch Künstler, Schriftsteller und Sänger aufgefordert wurden, für den Präsidenten zu stimmen.

Valdas Adamkus, der seine Wahlkampagne zurückhaltend begann, stellte die großen politischen Ereignisse von 2002 in deren Mittelpunkt: den NATO-Gipfel in Prag, auf dem Litauen zum Beitritt in die Allianz eingeladen wurde, den Gipfel von Kopenhagen, der Litauen die Einladung brachte, EU-Mitglied zu werden, und den Besuch von US-Präsident George W. Bush in Litauen.

In der ersten Wahlrunde stimmten die Wähler großzügig für Valdas Adamkus, der mit ausländischen Staatschefs auf Litauens Erfolge das Champagner-Glas erhoben und der sich zusammen mit George W. Bush in Vilnius an sein Volk gerichtet hatte.

Es stellte sich jedoch heraus, dass in den zwei Wochen vor der zweiten Wahlrunde am 5. Januar die Euphorie eines großen Teils der Bevölkerung geschwunden ist und die einstigen Meriten von Valdas Adamkus nicht mehr ausreichten, um für ihn zu stimmen.

Valdas Adamkus, der im Ausland einige bemerkenswerte Erfolge erzielt hat, hat selbst zugegeben, dass einige interne Fragen ungelöst geblieben sind. "Es ist uns nicht gelungen, den allgemeinen Wohlstand im Lande zu erhöhen und einen höheren Lebensstandard der Bevölkerung zu sichern. Das betrübt mich. Es ist uns auch nicht gelungen, das bürokratische System aufzubrechen. Dieser Baum hat immer noch viele trockene Äste.

Und drittens, die Korruption. Unser Versäumnis, uns mit diesem kriminellen Aspekt zu befassen, ist das Unglück des staatlichen Lebens. Es zerstört nicht nur die Wurzeln des Wirtschaftslebens, sondern untergräbt die Fundamente unseres Staates. Wenn es uns nicht gelingt, die Korruption und den Bürokratismus auszumerzen, dann wird es schwer sein, weiterzukommen. Das ist meine größte Enttäuschung", sagte Valdas Adamkus, als er für eine zweite Amtszeit kandidierte.

Es zeigte sich, dass diese Probleme, die Valdas Adamkus nannte, auch für einen großen Teil der Bevölkerung des Landes schmerzlich sind.

Der Ausgang der gestrigen Abstimmung lässt den Schluss zu, dass ein Großteil der Bevölkerung immer noch die Ansicht vertritt, dass sich ihr Leben ändern könnte und dass die Geldbörsen praller werden, wenn sie einen neuen Präsidenten wählen, der mit seinen Versprechungen großzügiger ist...

Die politischen Gegner des 76-jährigen Adamkus machten sich unter anderem dessen Alter zunutze. Der Präsident dementierte nicht, dass es manchmal recht schwierig für ihn war, nach dem Protokoll zu leben und sich an die allgegenwärtigen Bodyguards zu gewöhnen. Er gab zu, dass er seinen verantwortungsvollen Posten mit emotionalem Stress und gar mit seiner Gesundheit bezahle. (TS)

  • Datum 08.01.2003
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