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Afrika

Mit Reformen zu alter Stärke

Die Elfenbeinküste geht in die Offensive: Der größte Kakaoproduzent der Welt hat nach zehn Jahren politischer Krise Marktanteile verloren - und will nun mit Reformen zurück auf die Erfolgsspur.

Die gesamte internationale Kakao-Szene war vergangene Woche in die ivorische Wirtschaftsmetropole Abidjan gekommen: Regierungsvertreter, Schokoladenhersteller von "Mars" bis "Ferrero", Kakaoproduzenten und Kakaohändler. Der Gastgeber Elfenbeinküste hatte zur ersten globalen Kakaokonferenz eingeladen. Damit kehrt das westafrikanische Land nach zehn Jahren Krise und den gewaltsamen Unruhen mit mehr als 3000 Toten im vergangenen Jahr auf das internationale Parkett zurück - in der Hoffnung, dass sein wichtigstes Exportgut wieder den Markt erobert.

Bauern neben Säcken mit Kakao-Früchten

Kleinbauern wollen stabile Kakao-Preise

Seit Jahren steigt der weltweite Konsum wie auch die Produktion von Kakao. Noch leben die Verbraucher vor allem in Europa und Nordamerika - aber auch die aufstrebenden Länder wie Indien, Brasilien und China entdecken Schokolade für sich. An diesem Geschäft will die Elfenbeinküste wieder mitverdienen.

Strukturelle Probleme nach zehn Jahren Krise

Doch das vergangene Jahrzehnt politischer Instabilität hat seine Spuren hinterlassen: Der ivorische Kakao-Sektor hat große strukturelle Probleme - in den vergangenen Jahren ging sein Weltmarkt-Anteil am Kakaohandel von 40 auf 35 Prozent zurück.

So bedauert Georges Tanoh, Chef einer Kakao-Kooperative westlich von Abidjan, etwa, dass in der Krisenzeit viel Wissen über die Anbaumethoden verloren gegangen ist. "Viele Bauern sind während der Unruhen geflohen und mussten ihre Felder verlassen. Jetzt bauen dort Amateure an, die keine Ahnung vom Kakao haben“, sagt er gegenüber der DW.

Produktivitätssteigerungen möglich

Auch Andreas Christiansen vom Hamburger Kakaoverein, dem Verband der deutschen Kakao-Industrie, sieht bei den vielen Kleinbauern Steigerungspotenzial. Ein ivorischer Bauer erzeuge etwa 500 Kilogramm Kakao pro Hektar. "Wenn sie Kakao intensiv bewirtschaften, dann erzeugen sie das Fünffache.“ Hinzu kommt, dass viele Kleinbauern inzwischen umgesattelt haben und lieber Ölpalmen und Kautschuk anbauen. Die bieten ihnen und ihren Familien ein besseres Auskommen, denn der Kakao-Weltmarktpreis schwankt - und ein Netz an Zwischenhändlern in der Elfenbeinküste diktiert mit ihrer Monopolstellung die Preise.

Hand hält Kakao-Frucht(Foto: jf Lefèvre - Fotolia.com)

Eine Kunst für sich: Mit der Machete schälen die Bauern die Kakao-Bohnen aus der Frucht.

Damit will der ivorische Präsident  Alassane Ouattara Schluss jetzt machen und hat Anfang 2012 eine Reform des Kakao-Marktes beschlossen. So will er die Bauern langfristig an den Kakao-Anbau binden. Anfang Oktober hat die Elfenbeinküste daher einen Mindestpreis für Kakao festgesetzt: 725 Franc CFA, umgerechnet etwa ein Euro und 11 Cent pro Kilogramm, bekommen die Bauern seit Beginn der Ernte im Oktober. Erwartet wird, dass die Elfenbeinküste in dieser Saison 1,4 Millionen Tonnen Kakao produziert, weltweit sind es etwa vier Millionen Tonnen.

Schwankender Kakaopreis

Theodore Bitty, ein Kakaobauer aus dem Westen der Elfenbeinküste, sagt, dass er mit den garantierten Preisen die gesamte Kakao-Saison besser planen könne. "Sonst war es immer so, dass man auf einen Preis gehofft hat, und kurz nach der Ernte ging der dann plötzlich in den Keller. Der Kakaopreis wird hier auch als Aufzug bezeichnet: Er geht mal hoch und mal runter", sagt er im Gespräch mit der DW. Und die Regierung Ouattara macht ernst mit dem Mindestpreis: Vielerorts schickt sie Kakao-Polizisten auf Mopeds durch die Dörfer und lässt Händler, die für die Ware weniger als den Mindestpreis bieten, medienwirksam festnehmen. Trotzdem: Flächendeckend bleibe die Kontrolle in den ländlichen Bereichen schwierig, sagt Mariam Kamagaté vom ivorischen Kaffee- und Kakao-Rat.

Zartbitter-Schokolade (Foto: PhotoSG)

Weltweit wächst der Appetit auf Schokolade

Zusätzlich setzt die ivorische Regierung auf eine direkte Vermarktung. Statt wie bislang auf Zwischenhändler angewiesen zu sein, könnten ausländische Unternehmen jetzt auch direkt mit Kakao-Kooperativen in Kontakt treten, Fortbildungen und Infrastruktur mitfinanzieren und sie langfristig an sich binden, sagt Andreas Christiansen vom Kakaoverein. "Der Bauer verfällt also nicht in das früher dagewesene Schema, dass der höchste Preis gilt, der gezahlt wird und alles andere ist egal." Ziel sei eine Win-Win-Situation für alle, die zu einer stabileren Produktion führe.

In der Elfenbeinküste habe sich das Investitionsklima durch die Reformen wieder sehr positiv entwickelt, erzählt Christiansen. Mit der neuen Regierung sei die Trendwende geschafft. Diese Aussage passt zur internationalen Offensive der Elfenbeinküste. Am Ende der Kakao-Konferenz in Abidjan einigten sich die Teilnehmer auf eine "Globale Agenda" für Nachhaltigkeit. Ob die ehrgeizigen Ziele auch umgesetzt werden, bleibt allerdings abzuwarten - konkrete Verpflichtungen sind in dem Abschlusspapier nicht zu finden.

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