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Deutschlandtour

Mit Ranger Ralf auf dem Rothaarsteig

Obwohl Ralf Schmidt eine tarngrüne Uniform trägt, ist er von Weitem zu erkennen. Der markante Hut mit der breiten Krempe weist ihn als Natur-Fachmann aus. Schmidt führt Besucher durch das "Land der 1000 Berge".

Ralf Schmidt und zwei Wanderinnen am Kyrillpfad auf dem Rothaarsteig bei Grafschaft-Schanze (Foto: Rothaarsteigverein e.V.)

Exkursion mit Ranger Ralf

Immer dabei: Hündin Cora, ein bayerischer Gebirgsschweißhund. "Wenn ich mit Kindern wandere und eines unkonzentriert ist und die anderen stört, dann darf es das Tier führen. Es übernimmt Verantwortung, ist beschäftigt und alle können die Wanderung in Ruhe genießen", verrät Ralf Schmidt zu Beginn der Wanderung einen seiner psychologischen Tricks. "Nennt mich einfach Ranger Ralf", bittet er noch und dann stapft der Wanderführer los, denn unterwegs wird es genügend Gelegenheit geben für Erklärungen und Fragen.

Im Dickicht die Geschichte der Region Südwestfalen erklären

Schmidt schlägt einen Pfad ein, direkt vor dem Örtchen Schanze. 52 Einwohner leben hier auf 700 Meter über dem Meeresspiegel von den Rothaarsteig-Touristen, erklärt der Ranger. Das seien Nachfahren der Köhler, die im 18. Jahrhundert Holzkohle brannten. Ralf Schmidt kennt sich aus, mit Tieren und Pflanzen, mit der Geschichte der Region Südwestfalen, mit den Bewohnern, ihrer Mentalität, ihren Traditionen. Und dann zeigt er auf die mit Moos, Gras und Bäumchen bewachsenen Gräben, die sich vom Berg bis ins Tal hinunter durch die Waldlandschaft ziehen. "Hier haben sich Leute verschanzt, um zu verhindern, dass andere was schmuggeln oder illegal von einer Region in die andere gelangen."

Entwurzelte und umgeknickte Bäume am Kyrillpfad. Spuren, die der Wirbelsturm Kyrill hinterlassen hat am 18. Januar 2007 (Foto: DW)

Die Natur bleibt sich überlassen

Als Hindernis für Feinde hätten die Grenzwächter die Kuppen mit Weißdorn und anderem stacheligen Gestrüpp bepflanzt. Durch diese Hecke sei niemand unverletzt hindurch gekommen. Andererseits seien diese Grenzwälle eine Wahnsinnsarbeit gewesen. Schließlich mussten sie vor Jahrhunderten von Hand ausgehoben werden.

Ranger ist ein noch junger Beruf in Deutschland

Naturwart oder geprüfter Natur- und Landschaftspfleger ist der deutsche Begriff für Ranger. Doch mit der englischen Umschreibung könnten alle Besucher des Rothaarsteigs etwas anfangen, beantwortet Ralf Schmidt die Frage eines Wanderers. Er und seine fünf Kollegen in diesem südwestfälischen Mittelgebirge sind Angestellte der Landesbehörde Wald und Holz Nordrhein-Westfalen. Ranger findet man in nationalen Naturlandschaften zwischen Ostsee und Berchtesgadener Land. Als Vorbild für den noch jungen Beruf in Deutschland gelten die Ranger in Nordamerika.

In der Natur Flora und Fauna verstehen lernen

Jetzt aber will Ralf Schmidt seine Exkursion fortsetzen. Doch ein Teilnehmer würde gerne noch eine Zigarette rauchen. "In Deutschlands Wäldern ist Rauchen verboten von März bis Oktober", klärt Ranger Ralf auf, "doch wenn jetzt einer mit einer Zigarette hier herumläuft, dann sage ich freundlich, dass er sie nicht einfach wegwerfen soll."

Wandergruppe mit Ranger Ralf Schmidt auf dem Kyrillpfad am Rothaarsteig bei Grafschaft-Schanze im Sauerland(Foto: DW)

Wanderung für alle Sinne - mit Ranger

Und dann regt Ranger Ralf zum Nachdenken an mit der Frage, wann die Waldbrandgefahr am größten sei? Die Antwort gibt er schließlich selbst: "Im März und April, besteht besonders in Kieferwäldern eine große Gefahr. Auch wenn der Schnee längst geschmolzen ist, so ist das Gras darunter doch extrem trocken".

Ein Stück weiter holt Ranger Ralf zwei Geweihe aus dem Dickicht hervor, die er dort versteckt hat, um nun den Unterschied zwischen Reh und Hirsch zu beschreiben. Und wieder ein paar hundert Meter weiter deutet er auf mehrere Pilze am Boden und erklärt, dass Baum und Pilz in einer Symbiose leben, Pilze Bäume aber auch zum Absterben bringen können.

Wanderführer und Naturexperte, Pädagoge und Psychologe

Skulptur Krummstab am Rothaarsteig bei Grafschaft-Schanze (Foto: Rothaarsteigverein e.V.)

Kunst am Weg

Das Wandern unter seiner Leitung ist auch eine Erziehungsstunde für Umweltbildung und ab und zu eine Animation zur Entspannung. Ranger Ralf erzählt von einer Gruppe sehr aufgekratzter Jugendlicher aus der Stadt Dortmund. "Es war sehr laut, keiner konnte sich konzentrieren. Dann habe ich mitten im Wald gesagt: jetzt sagt mal keiner ein Wort." 30 Sekunden etwa sei es totenstill gewesen, dann hätten sich alle wieder bewegen und artikulieren müssen. "Der Hintergrundlärm in der Stadt ist so hoch, die Ruhe hier ist ungewohnt, ja sogar unangenehm, aber da die Städter hier nichts vorfinden, was sie aggressiv stimmt, werden sie allmählich ruhiger", hat Ralf Schmidt beobachtet.

Erlebnisparcours, Kunstobjekte, Ruhezonen

Natur gibt es reichlich im "Land der 1000 Berge", dem Mittelgebirgszug zwischen Dortmund und Dillenburg. Doch mit der Natur wuchern, das reichte den Erfindern des Rothaarsteigs nicht. Sie ließen Hängebrücken errichten, die zu Mutproben herausfordern. Sie engagierten internationale Künstler, die bis zu 7,50 Meter hohe Skulpturen meißelten, die nun über manch Baumwipfel in die Landschaft ragen und stellten ergonomisch geschwungene Waldsofas auf, die zum Entspannen einladen. Und auf Kyrillpfaden können die Wanderer über entwurzelte Bäume klettern und die Auswirkungen des verheerenden Sturms bestaunen, die der Wirbelsturm "Kyrill" im Januar 2007 hinterließ. Auf dem 154 Kilometer langen Höhenwanderweg findet jeder etwas, was ihn glücklich macht.

Traumberuf Ranger

Ranger Ralf Schmidt auf dem Rothaarsteig (Foto: DW)

Glücklich im Wald: Ranger Ralf Schmidt

Und nicht zuletzt sind es die Ranger, die die Sinne anregen. Er habe immer den Wunsch gehabt, Förster zu werden, im Wald zu arbeiten, lacht Ralf Schmidt. Dafür hätte er studieren müssen. Förster verantworten Abholzung und Aufforstung, sorgen für den Erhalt des Waldbestandes, kümmern sich um wirtschaftliche Belange. Als gelernter Fortwirt kann Ralf Schmidt den Menschen beim Wandern das Wissen um die Natur vermitteln. Er ist immer auch Ansprechpartner, Mahner und sammmelt Müll ein, den Umweltfrevler hinterlassen haben. Theoretisch kann er Knöllchen verteilen, also bei Vergehen Strafzettel verteilen. Aber das habe er noch nie gemacht, gesteht Ralf Schmidt: "Den Wald vor dem Menschen zu schützen, ist manchmal nötig. Ich denke, Aufklärung ist das wichtigste für den Menschen, nicht die Bestrafung."

Autorin: Karin Jäger
Redaktion: Nils Naumann

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