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Globale Zusammenarbeit

Mit Promi-Bonus auf Spendenjagd

Weltstars wetteifern in der Vorweihnachtszeit mit traditionellen Hilfswerken um die Spendengelder der TV-Zuschauer und Zeitungsleser. Kleine Hilfswerke bleiben dabei oft auf der Strecke.

Sängerin Shakira zu Besuch bei einem ihrer Hilfsprojekte in Kolumbien (Foto: DW/T.Käufer)

Sängerin Shakira bei Kindern aus ihrem Hilfsprojekt in Kolumbien

Weltstars wie Grammy-Gewinnerin Shakira oder Hollywood-Schauspieler Sean Penn gelten als eifrige Spendensammler. Mit ihrem Engagement werden sie aber nicht nur zur Konkurrenz von traditionellen Hilfswerken, sondern manchmal auch zu politischen Akteuren. Shakiras Stiftung "pies descalzos" (Nackte Füße) in Kolumbien unterhält bereits eine Handvoll hochmoderner Schulen in den Armenvierteln Barranquilla oder Quibdo in Bogota, die von Tausenden bislang chancenlosen Kindern besucht werden. Das Engagement der globalen Stars lenkt das Medieninteresse und damit auch die Spendenmillionen auf die betroffenen Schauplätze. Christian Frevel vom kirchlichen Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat begrüßt grundsätzlich das Engagement der Stars: "Viele Prominente unterstützen große Non-Profit-Organisationen, werden zu Botschaftern der guten Sache. Sie erreichen weitaus größere Kreise, als das die Non-Profit-Organisationen tun könnten." Und sie stiften andere Menschen an, sich ebenfalls für eine gute Sache einzusetzen - oftmals gerade in vermögenden Kreisen.

Spendenbereitschaft lässt nach

Christian Frevel vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat (Foto: Adveniat)

Christian Frevel vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat

Doch die Stiftungen der Stars werden auch zur Konkurrenz von traditionellen Hilfswerken ohne Prominenten-Faktor. Diese werden nämlich nicht in TV-Shows eingeladen, können nicht in mehreren Ländern für ihre Stiftungen werben. Ihnen bleiben die internationalen Bühnen verwehrt.

Dadurch erfahren viele Menschen gar nicht erst von der Existenz dieser Organisationen. In der Vorweihnachtszeit beginnt dann sowohl für die Stiftungen der Stars als auch für Hilfswerke der Wettlauf um die Spenden. Es geht um Aufmerksamkeit und Medienpräsenz, nur wer mit den eigenen Botschaften bis zum potentiellen Spender durchdringt, hat die besten Chancen, Spenden zu sammeln. Doch leider habe sich insgesamt das Spendenverhalten der Menschen verändert, sagt Frevel. In Deutschland sei die Spendenbereitschaft in den vergangenen zwei Jahren gesunken. "Es spenden vorwiegend ältere Menschen, und sie spenden durchschnittlich höhere Summen als früher. Die meisten Menschen lassen sich von der Not der Opfer von Naturkatastrophen anrühren", sagt Christian Frevel. In diesem so genannten "Emergency"-Sektor steige die Zahl der Spenden, während die Zahl der regelmäßigen Spenden an eine bestimmte Organisation nachließe. Frevel sieht aber auch unmittelbare Zusammenhänge zwischen der Spendenbereitschaft und der Berichterstattung: "Gerade in der Zeit unmittelbar nach den Katastrophen berichten die Medien viel, rufen in Gala-Shows zu Spenden auf. Die eigentliche Katastrophe beginnt allerdings oft erst dann, wenn die Kameras nicht mehr in den Katastrophengebieten präsent sind." Dann sei eigentlich nachhaltige Hilfe für den Wiederaufbau notwendig.

Stars werden zu politischen Akteuren

Der Schauspieler Sean Penn bei der Oscar-Verleihung 2004 (Foto: AP Photo)

Oscar-Preisträger Sean Penn engagiert sich für Haiti

Genau dort setzt auch die Kritik von Hollywood-Schauspieler Sean Penn an: Bei der internationalen Geberkonferenz nach dem verheerenden Erdbeben von 2010 hätte die internationale Staatengemeinschaft Haiti rund zehn Milliarden Dollar zugesagt. "Von diesem Geld ist bisher kaum etwas im Land angekommen", kritisierte Penn in einem Zeitungs-Interview auf dem Höhepunkt der Cholera-Epidemie.

Der US-Amerikaner wird mit seiner Stiftung "J/P Haitian Relief Organization (J/P HRO)" zu einem politischen Akteur in Haiti. Er kritisiert die staatliche Wiederaufbauhilfe und die schleppende Arbeit von internationalen Hilfsorganisationen. Wie zum Beweis lässt er derzeit öffentlichkeitswirksam mit seiner Stiftung den vom Erdbeben völlig zerstörten Präsidentenpalast abreißen und mit dem Material einfache Häuser im Armenviertel von Port-au-Prince bauen. "Wenn diese Staaten ihr Geld wie versprochen gegeben und dafür gesorgt hätten, dass jeder Haitianer sauberes Wasser erhält, wenn die hierher gekommen wären, Leitungen verlegt und Filtersysteme installiert hätten, dann hätten wir heute keine Cholera-Epidemie".

Stiftungen der Stars ebenso kontrollieren

Die Kritik von Sean Penn nehme man ihm nur ab, weil er sich persönlich besonders intensiv um sein Hilfsprojekt kümmere und sehr oft bei den Notleidenden in Haiti sei, sagt Adveniat-Sprecher Frevel. "Sean Penn hat seine Popularität dazu genutzt, um die Hilflosigkeit staatlicher Hilfe wie auch mancher Non-Profit-Organisationen beim Wiederaufbau in Haiti an den Pranger zu stellen." Doch zugleich fordert Frevel auch eine ähnlich harte Kontrolle von Prominenten-Stiftungen: "Die gleichen Ansprüche, die Spendende an Hilfsorganisationen stellen, müssen auch für Prominenten-Stiftungen gelten."

Dass ein Prominenten-Bonus eine Stiftung auch in den Abgrund reißen kann, zeigt derzeit das Beispiel des US-Amerikaners Lance Armstrong. Der Krebs-Stiftung "Livestrong" des vom Weltradsportverband überführten Doping-Sünders droht nach dem abrupten Ende des einstigen Superstars ein Versiegen der bisherigen Geldströme und eine ungewisse Zukunft.