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Wirtschaft

Mit PC-Virenjägern auf der Pirsch

Angriffe aus dem Cyberspace werden immer bedrohlicher. Eine kleine Software-Schmiede aus Bochum verspricht Sicherheit. Mittlerweile nutzen Kunden in aller Welt Produkte der Firma "G Data".

Leiter des Security Labs Ralf Benzmüller (links) und Unternehmenssprecher Thorsten Urbanski vor dem Firmen-Logo (Foto: G Data)

Leiter des Security Labs Ralf Benzmüller (l.) und Unternehmenssprecher Thorsten Urbanski

G Data Entwicklungsabteilung, in der an der Erstellung neuer Sicherheitsprogramme gearbeitet wird (Foto: G Data)

Blick in die Entwicklungsabteilung

Die Flut von Viren im Internet ist kaum zu überblicken. Alle zwei Sekunden, bilanziert Ralf Benzmüller, tauche ein neuer Schädling im Netz auf. Benzmüller ist Leiter des Security Labs des deutschen Softwareherstellers G Data in Bochum. G Data hat sich früh auf IT-Sicherheitslösungen und Virenschutz spezialisiert. Auf der Rangliste der größten Anti-Virensoftware-Anbieter rangiert das Unternehmen aus dem Ruhrgebiet bundesweit unter den Top drei und in Europa inzwischen unter den Top fünf.

Daten-Diebstahl

Die Sicherheitslösungen aus dieser deutschen Softwareschmiede sind weltweit in über 90 Ländern gefragt. Von Australien über China, Japan und Russland bis in die USA. Die Jagd auf Viren ist ein ausgesprochen komplexes Geschäft. Laut Unternehmenssprecher Thorsten Urbanksi bemerken die meisten Besitzer eines Computers überhaupt nicht, dass ihr PC infiziert ist. Den Virenerzeugern gehe es längst nicht mehr darum, Festplatten zu löschen oder einzelne Programme zu beschädigen.

Die Täter haben es gezielt auf Daten-Diebstahl abgesehen. Etwa auf Kreditkarteninformationen, Konstruktionspläne oder Kundendatenbanken. Natürlich möglichst unbemerkt. "Die tun alles dafür, dass auf dem Computer ihr Programm weiter wunderbar funktioniert. Alle Dateien werden gestohlen, abgegriffen, was sie gebrauchen können und werden sozusagen in Untergrundforen verkauft."

Virus wird in Internet-Ambulanz seziert

Das Gebäude von G Data in Bochum (Foto: G Data)

Das Hauptquartier der Virenjäger in Bochum

Mit Online-Kriminalität wird nach einer Einschätzung des FBI längst mehr Geld umgesetzt als im gesamten Drogenhandel. G Data bietet neben Sicherheitspaketen für private Endkunden auch Schutzprogramme für Unternehmen. Rund die Hälfte des Jahresumsatzes von 25 Millionen Euro entfällt mittlerweile auf das Geschäft mit Unternehmen. Und wenn bei diesen Kunden der Verdacht auf einen Virus besteht, wird dieser in der Internet-Ambulanz in Bochum analysiert. Laut Ralf Benzmüller bleibt den Rechnern in dieser Ambulanz der etwas anderen Art nicht lange verborgen, "was dieses Ding im System tut."

Nach der Analyse folgt die Entschärfung. In der Regel erfolgt die Lieferung neuer Sicherheitspakete an die Kunden, versichert Unternehmenssprecher Thorsten Urbanski, innerhalb weniger Minuten. "Wir sind dabei, dass wir immer unterstündlich liefern, gehören also zu den schnellsten Anbietern auch in diesem Bereich."

Jäger wachen global rund um die Uhr

Im Online-Bereich gilt das Motto: Das Verbrechern schläft zu keiner Zeit. Und da G Data weltweit Kunden durch alle Zeitzonen betreut, steht eine Service-Abteilung rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr für Rückfragen bereit. Darüber hinaus geht die Forschungsabteilung eigeninitiativ auf Jagd nach Schädlingen im Netz, um stets neue Sicherheitspakete zu schnüren. Zum Beispiel für so genannte Rückeintrittskontrollen bei Firmen. Bei diesen Programmen, erläutert Thorsten Urbanski, geht es darum, "dass nicht jeder Mitarbeiter hingehen kann und einen USB-Stick nutzt und Daten mit nach Hause nimmt oder zu einem neuen Arbeitgeber."

75 Prozent dieser Aktiengesellschaft, die aber nicht an der Börse notiert ist, gehören den Gründerfamilien und den Mitarbeitern. Die Gründungsgeschichte von G Data liest sich übrigens wie die deutsche Variante einer studentischen Garagenfirma aus dem Silicon Valley. 1985 gab es zwar noch keine Cebit in Hannover, sondern nur eine Industriemesse. Dort schauten sich auch zwei Informatikstudenten aus Bochum um. Ihr Hauptinteresse galt dabei dem dort präsentierten legendären Atari-Rechner, für den sie ein Computerschutzprogramm entwickelten. In einer eigens dafür gegründeten Firma. Damals, so Thorsten Urbanski, überwog auf dem Markt allerdings noch Skepsis. "Viele Leute haben sich dann gefragt, das braucht doch kein Mensch. Da sind doch keine Bedrohungen."

Geschäftsprinzip Diskretion

Doch nur wenige Jahre später benötigten Millionen quer über den Globus Virenschutzprogramme. Aus der studentischen Firma entwickelte sich bis heute ein prosperierendes Unternehmen, das weltweit inzwischen 300 Mitarbeiter beschäftigt. Mit Stützpunkten in den USA, Japan, China und Russland und mit Expansionsabsichten in der Golfregion, die G Data in der Marktentwicklung als einen ganz heißen IT-Hot-Spot einstuft. Die globale Nachfrage beschert dem Unternehmen jährliche Steigerungsraten von 20 bis 30 Prozent. G Data betreut übrigens auch Bundesbehörden und UNO-Einrichtungen. Nur: wer auf verschwiegenen Pfaden im Internet Viren jagt, verliert über diese Kunden und deren Schutzprogramme keine Silbe.

Autor: Klaus Deuse

Redaktion: Klaus Ulrich