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Wirtschaft

Mit niedrigen Zinsen gegen die Krise

EZB-Chef Jean-Claude Trichet hat ein historisches Tief des Leitzinses von 1,0 Prozent angekündigt. Noch nie war die europäische Währung so billig - das soll die Wirtschaft ankurbeln.

EZB-Chef Jean-Claude Trichet (Foto: AP)

Trichet im Kampf gegen die Wirtschaftskrise

Mit aller Macht stemmt sich die Europäische Zentralbank gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise: Die EZB senkte den Leitzins im Euro-Raum am Donnerstag (07.05.2009) auf ein Rekordtief von nur noch 1,0 Prozent. Dies war schon die siebte Senkung seit dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers im vergangenen Herbst.

Und auch einen noch weiteren Zinsschritt nach unten schloss Trichet nicht aus: Die aktuelle Leitzinssenkung bedeute nicht zwangsläufig, dass der tiefste Stand schon erreicht sei, sagte er in Frankfurt, das hänge von der weiteren Wirtschaftsentwicklung an. Er sehe allerdings "erste zaghafte Anzeichen einer Stabilisierung" - allerdings auf sehr niedrigem Niveau. "Das zweite Quartal wird eindeutig nicht so schlecht wie das erste", sagte Trichet. Er rechne dennoch erneut mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung.

"Unkonventionelle Maßnahmen"

Im Vorfeld hatte Trichet zusätzliche "unkonventionelle Maßnahmen" angekündigt - jetzt lieferte er Details: Geschäftsbanken sollen Zentralbankgeld künftig für zwölf statt wie bisher für höchstens sechs Monate ausleihen können - auch damit will die EZB die Kreditvergabe anschieben.

Zudem kündigte der EZB-Chef den Aufkauf von gedeckten Anleihen (Covered Bonds) in einem Volumen von etwa 60 Milliarden Euro an: Dies sei ein Bereich, der von den Finanzmarktturbulenzen besonders betroffen gewesen sei. Deshalb lege die EZB ein Schwergewicht auf diese Papiere. Einzelheiten zu dem Aufkauf will der EZB-Rat bei der nächsten Sitzung am 4. Juni beschließen.

Geld wird billiger

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main (Foto: ap)

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main

Die letzte Senkung des Leitzinses um ebenfalls 0,25 Prozentpunkte hatte die EZB am 2. April vorgenommen. Seit der Verschärfung der Finanz- und Konjunkturkrise im September 2008 durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers haben die Währungshüter ihre Zinszügel inzwischen bereits sieben Mal gelockert.

Durch niedrige Zinsen will die EZB der kriselnden Wirtschaft neuen Schub geben. Niedrige Zinsen verbilligen Kredite für Unternehmen und Verbraucher und können so die Wirtschaft ankurbeln. Ziel der Zinssenkung ist, dass sich Banken bei der Zentralbank günstiger mit Geld versorgen können und in Folge auch billigere Kredite an Unternehmen und Verbraucher vergeben. Geldanlageexperten zufolge sind die Kreditzinsen in den vergangenen Monaten aber kaum gesunken.

Nachteil für Sparer

Sparer hingegen erleben seit Oktober eine regelrechte Talfahrt der Zinsen etwa für Tages- oder Festgeld. Nach dem neuen Zinsschritt wird sich dieser Abwärtstrend auch weiter fortsetzen, so der Chef der Frankfurter Finanzberatung FMH, Max Herbst. Nach seinen Angaben haben sich seit Oktober die Zinsen für Tagesgeld von damals durchschnittlich knapp 3,6 Prozent bis heute fast halbiert. Noch drastischer verschlechterten sich demnach die Anleger-Konditionen beim Festgeld, wo die Zinsen von durchschnittlich knapp fünf Prozent auf etwa zwei Prozent fielen. Im Oktober hatte der Leitzins in der Euro-Zone noch bei 4,25 Prozent gelegen.

Der Präsident der Bundesbank, Axel Weber (Foto: ap)

Der Präsident der Bundesbank, Axel Weber

Bundesbank-Präsident Axel Weber befürwortete die historische Senkung des Leitzinses, Überlegungen, dass die Zinsen bei einer Fortdauer der Krise noch weiter sinken könnten, bezeichnete er als reine "Spekulation". "Wir haben heute ganz klar gesagt, wir sind auf ein Prozent gegangen, und für die heutige Situation halten wir dieses Niveau für angemessen." Allerdings wollte Weber tiefere Leitzinsen nicht völlig ausschließen. Zuletzt hatte er aber mehrfach ein Niveau von einem Prozent als für ihn höchstens akzeptable Untergrenze bezeichnet.

Bank of England wirft Notenpresse an

In den USA und in Japan liegen die Leitzinsen derzeit praktisch bei null. In Großbritannien beließ die Bank von England den Leitzins am Donnerstag auf dem Tiefststand von 0,5 Prozent. Ein Programm zur Erhöhung der Geldmenge werde aber deutlich ausgebaut: Das Programm der sogenannten "quantitativen Lockerung" wird von 50 Milliarden Pfund (57 Milliarden Euro) auf 125 Milliarden Pfund (141 Milliarden Euro) mehr als verdoppelt, wie die Bank of England in London mitteilte. Die Weltwirtschaft befinde noch immer in einer "schweren Rezession", es gebe aber erste Zeichen für eine Verlangsamung des Abschwungs, erklärte die Notenbank. (ina/ako/ap/afp)

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