1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Welt

Mit nackten Füßen ins Weiße Haus?

Früher hatten die USA der Welt einiges zu bieten: eine Währung, nach der sich alle richteten. Oder, wenn die Märkte unsicher waren, eine Ersatzwährung - in Form von Zigaretten oder Nylonstrümpfen. Aber heute?

default

Mit dem Greenback geht es seit Jahren bergab. Immer mehr Taler muss der Amerikaner hinlegen, um sich mal ‘nen Euro leisten zu können. Und der Ersatzwährung geht es auch nicht besser. Amerika, das Land mit dem Super-Nichtraucher-Schutz hat da ganze Arbeit geleistet. Für eine Stange “Lucky Strikes” braucht man demnächst wahrscheinlich einen Waffenschein. Am ärgsten aber hat es offenbar, und von der Weltöffentlichkeit kaum bemerkt, die andere Valuta getroffen: Den Nylonstrumpf.

Kürzlich, als ich über das Personal der amerikanischen Politelite recherchierte und mein Augenmerk auf die Gouverneurin von Alaska richtete, gingen mir die Augen auf und über. Da saß Frau Palin bei einer öffentlichen Veranstaltung vor aller Augen da und trug unten rum: Nichts! Keine Strümpfe, und in diesem Falle nicht mal Schuhe. Nur Schlappen.

Frieren am Polarkreis?

Bei weiteren, natürlich rein journalistischen Recherchen stellte sich heraus, dass Frau Palin eigentlich meistens keine Strümpfe trägt. Gut sieht das nicht unbedingt aus, aber über Geschmack streiten? Muss zwar nicht sein, aber ich forschte trotzdem weiter. Im Zuge meiner Ermittlungen sprach ich darüber auch mit unserer Korrespondentin in Washington. Christina Bergmann war aufrichtig entsetzt: “Die laufen hier alle ohne rum. Mit nackten Füßen in Pumps. Die ruinieren sich ja die Füße!”

Sarah Palin

Ein Blickfang: Sarah Palin

Aber warum bloß? Bei Sarah Palin, die am Polarkreis zu Hause ist, könnte man ja noch vermuten: So eine Frau friert nie. Die denkt vielleicht, Nylons seien nur was für Weicheier. Sie braucht so was nicht, auch wenn sie daheim im Eise stehend Wache hält, den Blick unverwandt nach Russland, ins Reich des Bösen, gerichtet.

Herzlich gleichgültig

Es scheint, als sei dem Yankee die frivole Freizügigkeit an den unteren Extremitäten der indigenen Weiblichkeit herzlich gleichgültig. Nicht ihre unvollständige Toilette kann einer Politikerin dort den Hals brechen, höchstens ihre Sorge um die Familie. Und an der Heimatfront ist Sarah Palin wirklich herausgefordert. Da ist sie geschlagen mit einer Tochter, die sich partout nicht an die moralischen Grundsätze ihrer Mutter halten will und sich auch unverheiratet schon mal fortpflanzt.

Und dann der Schwager! Wenn frau einen Polizisten in der Familie hat, ist das ja eine feine Sache. Doch der besagte Ordnungshüter, verheiratet mit einer Schwester unserer Heldin, wollte sich scheiden lassen. Das ging Sarah “Soprano” Palin zu weit. Der Mann musste weg, aus Dienst und Familie! Aber wer weiß, vielleicht war sein Fehler gar nicht, sich scheiden lassen zu wollen. Vielleicht hatte er zu seiner künftigen Ex-Schwägerin nur gesagt: “Sarah-Darling, willst du nicht mal wieder diese scharfen schwarzen Nylons anziehen?“

Care-Paket?

Mal abgesehen von Frau Palins an sich nicht unansehnlichen Beinen: Was ist das nur für eine Supermacht, die ihr Spitzenpersonal ohne Strümpfe in die Welt schickt? “Quo vadis, Amerika?” Nein, lieber Lateiner, die Frage muss lauten: “Wie lauft ihr bloß rum?“

Doch die machen das bestimmt mit Absicht. Man stelle sich eine Vizepräsidentin vor, die nacktfüßig auf einem G-8-Gipfel um Geld für notleidende Investmentbanken bittet. Da könnte kein Staatsmann dieser Welt sein Herz verschließen und sagen: “Macht doch Euern Dreck alleine!” Nein, den Armen muss geholfen werden. Legen doch auch Sie ihrem nächsten Care-Paket ein Paar Nylons bei!