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Afrika

Mit Mut gegen die Mächtigen in Angola: Rafael Marques

Der angolanische Journalist und Bürgerrechtler Rafael Marques erhält von der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International den Integrity Award. Damit wird sein Kampf gegen Korruption in Angola gewürdigt.

Generäle der angolanischen Regierungspartei MPLA bereichern sich an Ölgeldern - und das mit Hilfe obskurer Briefkastenfirmen in Hongkong. Der Vizepräsident Angolas lässt sich von der staatlichen Ölfirma Sonangol seine Hausangestellten bezahlen. Die Familie des angolanischen Präsidenten, José Eduardo dos Santos, verfügt über ein Milliarden Dollar schweres Vermögen. All diese Fälle stehen aus Sicht von Rafael Marques im Zusammenhang mit Korruption - und er lehnt sich dagegen auf. Dabei kennt er keine Tabus und nimmt auch auf Interessen von Mächtigen keine Rücksicht. Der Journalist und Menschenrechtler Marques ist der prominenteste Kämpfer gegen Korruption in Angola und einer der schärfsten Kritiker des Regimes.

Luxus-Wohnanlage in Cascais, Lissabon (Foto: Joao Carlos)

Luxus-Appartments in Portugal: Einige gehören angolanischen Militärs, deckte Marques auf

Es ist ein harter Kampf, den er führt: Angola belegt auf der Rangliste von Transparency International Platz 157 von 174 - und gilt damit als eines der 20 korruptesten Länder der Welt. "Über viele Jahre hinweg mussten wir beobachten, wie sich die Korruption in Angola verankert hat", sagt der 42-jährige Rafael Marques. "Irgendwann glaubten die Leute, dass Korruption ein normaler Lebensstil ist. Sie glauben, dass es normal ist, ein Regierungsamt zu bekleiden, um die Staatskasse zu plündern."

Über das Internet Öffentlichkeit schaffen

Marques' wichtigstes Werkzeug im Kampf gegen die Korruption ist seine Internetseite "Maka Angola". Das Wort "maka" stammt aus der lokalen Sprache Kimbundo und bedeutet soviel wie "Problem". Auf der Internetseite www.makaangola.org veröffentlicht Rafael Marques Berichte über Geldwäsche, illegale Vermögenstransfers und Vetternwirtschaft.

"Bei meiner Arbeit geht es darum, die Gesellschaft aufzuklären und die Arbeit derjenigen zu kontrollieren, die dieses Land führen", erklärt Marques, der dabei auf die Hilfe eines kleines Teams aus festen und freien Mitarbeitern in Angola, Europa und Nordamerika zählen kann. Er ist zuversichtlich, dass sich seine Arbeit eines Tages auszahlen wird: "Die Institutionalisierung der Korruption ist ein Verbrechen - und dafür wird die angolanische Justiz die Politiker früher oder später bestrafen."

Mehr als zehn Prozesse in Angola und Portugal

Bildbeschreibung: Book written by angolan activist Rafael Marques edited in 2011 by portuguese editor Tinta da China Fotograf: Tinta da China

In seinem Buch "Diamantes de Sangue" klagt Marques Menschenrechtsverletzungen in Angola an

Bislang ist allerdings er derjenige, der vor Gericht steht: 11 Prozesse laufen in Angola gegen ihn aufgrund seiner Recherchen in Sachen Korruption. Immer wieder wird er in die Hauptstadt Luanda zitiert, um Aussagen zu machen. Das alles hat ihn in den vergangenen Jahren - auch körperlich - sichtbar mitgenommen.

Die angolanischen Generäle verfolgen Marques überdies bis nach Europa: In Portugal hat er vor zwei Jahren sein Buch "Diamantes de sangue", zu Deutsch: "Blutdiamanten", veröffentlicht. Darin geht es um das Vorgehen des angolanischen Militärs gegen Kleinschürfer, die ohne Lizenz in den Diamantenminen des Landes arbeiten.

Blutdiamanten aus Angola

"Da herrscht permanenter Terror durch die Sicherheitskräfte und das Militär, die dort stationiert sind", schildert Rafael Marques seine Eindrücke, die er in den "Lundas" gewonnen hat, wie die Regionen dort genannt werden. Täglich würden Kleinschürfer gefoltert, manchmal auch getötet. Unter den Diamantenschürfern seien viele Jugendliche aus der Region, die sonst keine Arbeit fänden, berichtet Marques. "Es gab Fälle von Massenhinrichtungen, die ich registriert habe. So wurden einmal 20 Menschen gleichzeitig erschossen. In einem anderen Fall hat das angolanische Militär 45 Kleinschürfer lebendig begraben."

Kaum ist sein Buch veröffentlicht, verklagen ihn neun angolanische Generäle vor einem portugiesischen Gericht. Sie werfen Marques Verleumdung und Rufmord vor. Mitangeklagt ist auch sein portugiesischer Verlag Tinta da China. Im Februar dieses Jahres stellt die portugiesische Justiz das Verfahren jedoch wieder ein.

"Für mich ist dieser Prozess eine Form der Einschüchterung, nicht nur gegen Rafael Marques und seine mutige Arbeit und gegen Tinta da China als Verlag, sondern gegen alle Verleger und Journalisten, die sensible Recherchen über die Machenschaften der Mächtigen in Angola oder in anderen Ländern veröffentlichen wollen", zieht Marques' Verlegerin, Barbara Bulhosa, Resümee. Sie wurde in dem Verfahren ebenfalls entlastet.

Mann hält Diaman in der Hand (Foto: DW/T. Ford)

Wie in Angola Diamanten gefördert werden, ist eines der Hauptthemen der Arbeit von Rafael Marques

Die Klage in Portugal und die darauf folgenden Ermittlungen der portugiesischen Generalstaatsanwaltschaft gegen angolanische Generäle sorgten damals für erhebliche diplomatische Missstimmung zwischen den beiden Ländern.

Vom Journalisten zum Menschenrechtsaktivisten

Von seiner Ausbildung her ist Rafael Marques eigentlich Journalist. Als 21-Jähriger begann er seine Karriere bei der staatlichen Zeitung Jornal de Angola. Zuvor hatte er Anthropologie, Medienwissenschaften und Afrikanistik in Großbritannien studiert. Später arbeitete er unter anderem als freier Korrespondent für die Nachrichtenagentur Reuters.

Die Porugiesin Bárbara Bulhosa(Foto: Authorin: Maria Mendes)

Die Portugiesin Barbara Bulhosa hatte den Mut, das Buch in ihrem Verlag Tinta da China zu drucken

1999 wurde er verhaftet, nachdem er in einem Artikel Angolas Präsidenten José Eduardo dos Santos als "Diktator" bezeichnet hatte. Seitdem Rafael Marques die Zustände in völlig überbelegten Gefängnissen erlebt hat und ansehen musste, wie Mitgefangene an Hunger und fehlender ärztlicher Versorgung starben, ist er als Menschenrechtsaktivist aktiv.

Stimme gegen die Korruption in Angola

Anfangs arbeitete er für die Nichtregierungsorganisation (NGO) Open Society Initiative des sozial aktiven ungarisch-amerikanischen Investors, George Soros. Doch inzwischen hat er sich mit seiner Internetseite "Maka Angola" eine eigene Plattform für seine investigativen Geschichten geschaffen. Seine Stimme hat international Gewicht, wenn es um Korruption in Angola geht: Immer wieder lädt ihn das Europaparlament zu dem Thema nach Brüssel ein. Mit dem Integrity Award erhält er den wichtigsten Preis der führenden Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert.

Er wird diese Rückendeckung in seinem Kampf gegen mächtige Generäle, Präsidenten und Unternehmen gut gebrauchen können.

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