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Afrika

Mit Musik gegen Burkinas Dauerpräsidenten

Das Ergebnis der Präsidentenwahl in Burkina Faso war schon vorher bekannt: Blaise Compaoré bleibt an der Macht. Er regiert seit 23 Jahren. Der burkinische Rapper Smockey kritisiert das in seiner Musik.

Blaise Compaoré (Bild: dpa)

Regiert seit mehr als 20 Jahren: Blaise Compaoré

Konkurrenz musste Blaise Compaoré bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag (21.11.2010) nicht fürchten - mit seiner sanften Diktatur hat er verhindert, dass eine starke Opposition entstehen konnte. Ein Mittel zum Machterhalt ist dabei die Zensur. Auch Rapper Smockey hat damit zu kämpfen. In seinem Song "Votez pour moi" - "Wählt mich!", singt Smockey. "Ich werde anständig sein." Und er verspricht mehr Gerechtigkeit. "Ich werde alle meine Komplizen bestrafen und alles anders machen. Auch wenn das alles nur ein Bluff ist."

Zu witzig für die Zensur

Smockey (Bild: Christine Harjes)

Erfolg mit klugen Texten: Smockey

Ein gekonnter Bluff - das ist Smockeys "Votez pour moi" auf jeden Fall. Mit viel Wortwitz macht sich der Rapper über die Politiker seines Landes lustig. Das Lied ist eine Parodie auf Präsident Blaise Compaoré. Dabei haben die Machthaber von Burkina Faso eine Weile gebraucht, um zu verstehen, dass sie selbst Zielscheibe des Songs sind. "Das lief lange im Radio; der Trick bei dem Song war der Humor", sagt Smockey. Die Politiker hätten den Text einfach nicht verstanden. "Zum Glück haben wir manchmal studierte Politiker, die auf die ganz berühmten Unis gegangen sind - die aber anscheinend ungebildet sind. Die verstehen einfach nichts, oder die sprechen nicht dieselbe Sprache wie ich."

Sendeverbot

Irgendwann hört jemand aus der Regierung mal genauer hin. Und Textpassagen wie "Der einzige, der ein Programm hat, bin ich, und der, der die Partei gegründet hat, bin ich", kommen dann doch nicht so gut an. Das staatliche Radio darf den Song nicht mehr spielen. Im staatlichen Fernsehen wird der Videoclip aus dem Programm genommen.

Thomas Sankara (Bild: dpa)

Präsident mit revolutionären Ideen: Thomas Sankara

Natürlich stellt sich Rapper Smockey nicht wirklich zur Wahl. Überhaupt muss Dauerpräsident Blaise Compaore keine echte Konkurrenz fürchten. Er macht es sich seit dem mysteriösen Tod seines Vorgängers Thomas Sankara an der Spitze des Staates im Präsidentensessel bequem. Und schon bevor die Burkinabés am Sonntag an die Wahlurnen gingen, konnte er sicher sein, dass er an der Staatsspitze bleibt. Mehr als zwei Drittel seiner Landsleute können nicht lesen und schreiben; die meisten leben auf dem Land - mit Werbegeschenken und leeren Versprechen hat Compaoré da einen leichten Wahlkampf. Ein Wahlboykott als Ausweg? Smockey hält davon wenig: "Natürlich werde ich wählen. Ich gehöre nicht zu denen, die glauben man kann was tun, indem man nichts tut. Die einzige Lösung ist der Wandel. Und um etwas ändern zu können, muss man wählen gehen."

"Demokratischer Staatsstreich"

Compaoré mit Guineas Ex-Militärführer Dadis Camara (Bild: AP)

Der Vermittler: Compaoré mit Guineas Ex-Militärführer Dadis Camara

Die letzten Wahlen hatte Blaise Compaoré mit mehr als 80 Prozent der Stimmen gewonnen. Und obwohl viele ihn für den Mörder von Thomas Sankara halten, musste er sich nie für den Tod seines Vorgängers verantworten. Heute gefällt sich der ehemalige Offizier Compaoré in der Rolle des Friedensstifters für Länder wie die Elfenbeinküste oder Guinea. Dass die Wahl an seiner Machtposition kaum etwas ändern wird, weiß auch Smockey. "Der Typ wird nie die Macht loslassen. Der wird niemals gehen. Das einzige was wir tun können ist ein demokratischer Staatsstreich."

Viele junge Burkinabe haben nach 23 Jahren Dauerregierung von Compaore resigniert. Eine Abstimmung? Überflüssig! Smockey hält das für einen großen Fehler. Er hat seine Fans auf Facebook aufgefordert, zur Wahl zu gehen. Er hofft weiter auf ein revolutionäres Wahlergebnis. Ein Ergebnis, das einen echten Wandel im Land bringt.

Die Wahlbeteiligung war laut ersten Berichten nach Schließung der Wahllokale niedrig. Das offizielle Ergebnis wird voraussichtlich erst am kommenden Wochenende vorliegen.

Autorin: Christine Harjes

Redaktion: Dirk Bathe

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