1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Mit Molekülen gegen Methan-rülpsende Kühe

Methan ist schädlicher fürs Klima als Kohlendioxid. Ganz besonders viel davon produzieren Rinder - beim Wiederkäuen. Nun haben Forscher ein Molekül gefunden, das die Methanbildung in den Mägen der Rinder hemmen kann.

Methangas trägt etwa 23-mal stärker zur globalen Erwärmung bei als dieselbe Menge Kohlendioxid. Und besonders viel von diesem Treibhausgas entsteht, wenn Rinder viel Gräser oder Heu fressen. Dann kommt es nämlich im Rinderpansen - einem der Vormägen, die zum Wiederkäuen notwendig sind - zu Stoffwechselprozessen, bei denen Methangas entsteht. Und das rülpsen die Kühe dann aus.

Nun haben Mikrobiologen ein Molekül identifiziert, das in der Lage ist, die Methanbildung zu hemmen, dafür aber die Aufnahme von energiehaltigen Nährstoffen durch die Tiere verbessert. 3-Nitrooxypropanol (3-NOP) nennt sich das Wundermittel, das einfach zum Tierfutter dazu gemischt werden kann. Die Forscher veröffentlichen ihre Ergebnisse in der US-Fachzeitschrift der Nationalen Akademie der Wissenschaften "Proceedings" (PNAS).

"Das Methan wird bei Wiederkäuern zu mehr als 90 Prozent durch Rülpsen freigesetzt", sagte Rudolf Thauer vom Marburger Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie, der an der Studie beteiligt war, der Nachrichtenagentur dpa. "Durch die Verbindung und ihre Wirkungsweise müssen die Tiere letztlich weniger rülpsen."

Weniger Methan - mehr Energie für die Rinder

Seit langem versuchen Forscher weltweit den Methanausstoß durch Wiederkäuer auf verschiedene Weise zu reduzieren.

Dabei geht es nicht nur um die Begrenzung des Ausstoßes von Treibhausgasen, sondern auch um die Effizienz der Verdauung der Tiere: Etwa vier bis sieben Prozent der in den Nahungsmitteln enthaltenen Energie geht nämlich durch die mikrobiologische Umwandlung in Methangas im Pansen verloren. Könnte man dies reduzieren, würden die Rinder im Umkehrschluss mehr Milch oder Fleisch produzieren.

Allerdings haben frühere Versuche, die Methanbildung zu verringern, nur begrenzte Erfolge gezeigt. So sind sogenannte Archaebakterien an der Bildung des Methangases beteiligt. Sie nutzen dazu Wasserstoff und Kohlendioxid, das sich ebenso in den Mägen bildet. Hemmt man aber diese Bakterien zu stark, verschlechtert der Wasserstoff im Magen wiederum die Verdauung und damit die Energieaufnahme des Tieres.

Eine Kuh (Foto: Fabian Schmidt)

Kühe fressen lieber frisches Gras als Kraftfutter. Das ist auch besser für das Klima.

Ohne Wasserstoff kein Methan

Der Tiermediziner Gerhard Breves leitet das Physiologische Institut an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Er sagt, dass es bei der Zugabe solcher Substanzen daher sehr wichtig sei, ein Weg zu finden, den Wasserstoff zu eliminieren, der sich im Vormagensystem von Wiederkäuern ansammelt. Ob dies mit 3-NOP möglich sei, konnte er nicht beantworten.

Andere Versuche, die Methangasbildung zu reduzieren, beinhalteten unter anderem die Zugabe von Ölen zum Tierfutter, etwa Kokosnussöl, Rapsöl, Sonnenblumenöl, Leinöl oder Sojaöl. Diese Zugaben reduzieren die Menge sogenannter Protozoen in den Rindermägen, die für die Wasserstoffbildung verantwortlich sind. Die Logik dahinter: Weniger Wasserstoff - weniger Methan.

Kraftfutter ist auch nicht klimafreundlicher

Es ist auch möglich, auf das Füttern von frischen Gräsern oder Heu zu verzichten und stattdessen mehr Kraftfutter zu geben. Dadurch entsteht auch deutlich weniger Methan. Der positive Effekt für das Klima wird dann aber gleich wieder zunichte gemacht, weil die Herstellung von Kraftfutter selbst eine schlechtere Klimabilanz hat als wenn die Kühe von Anfang an frisches Grünzeug fressen.

Die Welternährungsorganisation FAO, geht davon aus, dass die Viehhaltung weltweit für 14,5 Prozent aller Treibhausgase verantwortlich ist. Das entspricht etwa dem Klimagasausstoß von Fahrzeugen und Flugzeugen zusammen.

fs/hf (dpa)

Die Redaktion empfiehlt