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Wirtschaft

Mit mehr Handel gegen Armut

Es gibt viele Ideen und Theorien, um die anhaltende Massenarmut in Entwicklungsländern zu bekämpfen. Meist profitieren die Länder, die sich behutsam den Märkten geöffnet haben. Zur Koordinierung gibt es die UNCTAD.

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Baumwolle: Einer der wenigen Exportschlager Afrikas

Genau 40 Jahre ist es her, seit die UNCTAD, die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung, gegründet wurde. Sie blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück: Nach einem Höhenflug in den 1970er-Jahren, als man sich um Präferenzabkommen und die Stabilisierung von Rohstoffpreisen kümmerte, verschwand die UNCTAD nach Gründung der Welthandelsorganisation WTO in den 1990ern fast in der Bedeutungslosigkeit. Nur um Haaresbreite entging man dem Schicksal, abgeschafft zu werden.

Was tut die UNCTAD?

"Natürlich ist im Kampf um eine neue Weltwirtschaftsordnung das Gewicht von UNCTAD zurückgegangen", erklärt Rainer Falk, Vorstand der deutschen Nichtregierungsorganisation Weed (Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung). "Aber nach wie vor stellt sich die Frage, wie sich die Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft integrieren können." Und es ist genau diese Frage, mit der die UNCTAD neuen Schwung zurückgewonnen hat.

Seit der letzten UNCTAD-Konferenz in Bangkok vor vier Jahren positioniert man sich klar als Interessenvertreter und Berater der Länder des Südens. Verhandlungen zu Welthandelsabkommen überlässt man dagegen ganz der WTO. Ein Konzept, das auch von der deutschen Regierung und der Europäischen Union unterstützt wird. Beide warnen davor, die UNCTAD mit zu vielen Aufgaben zu überfrachten. "Die UNCTAD hat 450 Mitarbeiter und ein reguläres Budget von rund 50 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Die OECD alleine hat 2000 Mitarbeiter in Paris", erklärt Rolf Drescher. Er ist beim Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) für die UNCTAD zuständig.

Mehr Wettbewerbsfähigkeit gefordert

Auch mit kleinem Budget sieht UNCTAD-Generalsekretär Rubens Ricupero Raum für die Arbeit seiner Organisation. Gerade außerhalb von offiziellen Handelsverhandlungen habe man die Chance, Denkanstöße zu geben, sagt der Brasilianer. "Wir haben vergessen, dass es beim Handel zwei Seiten gibt. Die eine Seite sind Verhandlungen über Marktzugänge, die andere Seite ist das fehlende Angebot", erläutert er. "Wenn ein Land nicht fähig ist, Güter und Dienstleistungen zu exportieren, dann bringen diesem Land Handelsverhandlungen nichts."

Mehr Wettbewerbsfähigkeit, das brauchen vor allem die afrikanischen Staaten. Ihr Anteil an den Weltexporten schrumpfte in den vergangenen 25 Jahren von sechs auf gerade einmal zwei Prozent. Dazu sind viele Länder Afrikas von wenigen Rohstoffen wie Kakao, Baumwolle oder Öl abhängig. Mit Fertigprodukten oder gar Dienstleistungen sind sie praktisch nicht auf dem Weltmarkt vertreten. Und dies, obwohl viele Länder der Region über Präferenzabkommen einen guten Zugang zu den Märkten der Europäischen Union genießen.

Afrika und Asien stehen vergleichsweise gut da

Besser als Afrika schlägt sich Lateinamerika, das seinen Anteil von etwa fünf Prozent an den Weltexporten recht stabil halten konnte. Allerdings wird die Region weiterhin von Armut geprägt, wie man leicht an den Slums der Mega-Metropole São Paulo erkennen kann. Seit 1997 sind in Lateinamerika sogar über 20 Millionen Arme dazu gekommen. Auslöser waren Wirtschaftskrisen wie in Argentinien, Brasilien oder Ecuador. In den Augen der UNCTAD bietet dagegen Südostasien positive Beispiele. Hier sei es gelungen, Armut durch mehr Handel und Wachstum zu verringern. "Die Staaten Asiens sind wettbewerbsfähig, daher fürchten sie sich nicht vor Handelsverhandlungen", sagt Rubens Ricupero.

Ziel von UNCTAD müsse es nun sein, auch die anderen Entwicklungsländer für den Freihandel fit zu machen. Dann würden diese auch Verhandlungen positiver gegenüberstehen. Insofern könnte die noch bis zum 18. Juni in São Paulo stattfindende UNCTAD-Konferenz einen wichtigen Schritt darstellen, auch die festgefahrene WTO-Runde wieder in Schwung zu bringen.

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