Mit Maulkorb und Effizienz gegen Anderlecht | Fußball | DW | 11.09.2017
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Champions League

Mit Maulkorb und Effizienz gegen Anderlecht

Fußball-Rekordmeister FC Bayern München startet gegen den RSC Anderlecht in die neue Champions-League-Saison. Vor dem Spiel gegen den belgischen Meister herrscht in München alles andere als eitel Sonnenschein.

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FC Bayern: Unruhe vor Anderlecht

Beim FC Bayern hakt es. Erst zetert Thomas Müller, weil er sich von Trainer Carlo Ancelotti nicht genügend wertgeschätzt fühlt, dann ledert Robert Lewandowski im Spiegel-Interview gegen die Vereinsführung wegen deren Einkaufspolitik, und schließlich folgt nach zwei eher farblosen Siegen zum Bundesliga-Auftakt eine 0:2-Klatsche bei 1899 Hoffenheim. Willkommen in der Krise, Rekordmeister!? Und das ausgerechnet vor dem Beginn der Champions-League-Saison an diesem Dienstag gegen den RSC Anderlecht.

Für die aktuellen und gegen künftige ungefragte und vom Verein unautorisierte Meinungsäußerungen seiner Offensiv-Stars Müller und Lewandowski packt Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge den Maulkorb aus: "Wer öffentlich den Trainer, den Verein oder Mitspieler kritisiert, kriegt ab sofort Stress mit mir", sagte Rummenigge der "Bild"-Zeitung, "bei uns wird derzeit zu schlau dahergeredet statt sich auf das Fußballspielen zu konzentrieren. Wir brauchen wieder mehr Effizienz und Ernsthaftigkeit."

Müller hatte sich über zu kurze Einsatzzeiten beklagt, Lewandowski darüber, dass die Bayern keine Weltklassespieler verpflichteten und zuvor schon, dass ihn die Mannschaftskameraden in der Vorsaison im Kampf um die Torjägerkanone nicht ausreichend unterstützt hätten. Und subtil durchklingen lassen, dass er durchaus einen Vereinswechsel in Erwägung ziehe. Rummenigges Konter: Lewandowski müsse sich "keine Sorgen machen. Wir haben auch diese Saison wieder einen sehr guten Kader."

Anderlechts Trainer: Realist, kein Fantast

Der dürfte in der Tat gegen einen RSC Anderlecht keine Probleme bekommen. Auch wenn der belgische Rekord-Champion sein Ligaspiel am Wochenende gegen den KSC Lokeren mit 3:2 gewann. Und auch wenn der FSV Mainz 05 in der Europa League im vergangenen Herbst mit 1:6 den Kürzeren zog und die Belgier anschließend erst im Viertelfinale in der Verlängerung an Manchester United scheiterten.

Fußball Europa League FSV Mainz 05 - RSC Anderlecht (picture-alliance/dpa/L. Dieffembacq)

Mit dem Herzen dabei und Torschütze in der Europa League gegen Mainz: RSC-Stürmer Nicolae Stanciu

Bisher ist Anderlecht, das vom Schweizer Rene Weiler trainiert wird, noch nicht so recht in Fahrt gekommen. Mit acht Punkten aus sechs Spielen liegt man enttäuscht auf Rang neun der Tabelle. So warnt Weiler, der 2016 vom 1. FC Nürnberg nach Anderlecht wechselte, vor dem Deutschen Meister: "Ich bin kein Fantast, ich bin Realist. Und es soll mir auch keiner kommen und sagen wollen, dass ich als Trainer vorleben sollte, dass Siege gegen Bayern und PSG sehr gut möglich sind und nur daran geglaubt werden müsste."

In der Tat kann es für Anderlecht rein nominell nur darum gehen, hinter den Einkaufsweltmeistern aus Paris und dem FC Bayern Platz drei in der Vorrundengruppe B zu ergattern. Das weiß auch Weiler, der der "Sport-Bild" sagte, dass er einen "lucky punch" nicht ausschließe, "doch in vier Spielen gegen diese Teams wird es wohl wenig zu gewinnen geben." So heißt der Hauptgegner Celtic Glasgow, gegen den dann wenigstens der Verbleib in der Europa League gesichert werden könnte.

Titel gegen Abwanderungsgedanken

Audi Football Summer Tour- FC Bayern München - Inter Mailand (picture-alliance/Pressefoto ULMER/M. Ulmer)

Kokettiert damit, das Bayer-Trikot vor Vertragsende auszuziehen: Bayern-Torjäger Robert Lewandowski

Für die Münchener dagegen gibt es nur ein Ziel: das Triple. Wie eigentlich jedes Jahr. Nach dem Aus im Viertelfinale gegen den späteren Titelgewinner Real Madrid in der Vorsaison droht der FC Bayern an internationalem Renommee zu verlieren. 2013 hatte man zuletzt im Endspiel um den Henkelpott gestanden, damals gegen Borussia Dortmund gewonnen. Seitdem scheiterte man regelmäßig an Gegnern aus der Primera Division.

Um Topstars wie Lewandowski bei Laune zu halten, um attraktiv für spektakuläre Neuzugänge und Toptalente zu bleiben, wäre ein Titel oder zumindest eine Finalteilnahme wichtig. Und um das sonst so unerschütterliche Selbstbewusstsein der "Roten" wieder aufzupolieren, sollte am besten schon ein klarer Sieg gegen den RSC Anderlecht her. Es wäre der 14. in Serie zum Auftakt in eine Champions-League-Gruppenphase. Ansonsten droht ein stürmischer Herbst in München. Und weder ein Thomas Müller noch ein Robert Lewandowski würden sich im Misserfolgsfall von einem Maulkorb aufhalten lassen.

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