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Deutschland

Mit Massenmord provozieren?

In Chemnitz trägt ein Laden, dessen Kundschaft hauptsächlich Rechtsextreme sind, einen Namen, der an einen norwegischen Massenmörder erinnert. Dagegen regt sich Empörung und Widerspruch.

Brevik ist eine kleine Stadt in Norwegen und niemand kann etwas dafür, dass der Gewalttäter, der im vergangenen Sommer in Norwegen 77 Menschen ermordet hat, einen ähnlichen Namen trägt: Breivik. Soweit ist das nur eine zufällige Namensähnlichkeit. Doch wenn ein Geschäft, dessen Betreiber und Kunden der rechten Szene zugerechnet werden, "Brevik" genannt wird, dann handelt es sich wahrscheinlich um eine gewollte Provokation.

Blick auf die Thor-Steinar-Filiale Brevik in Chemnitz, aufgenommen am 05.03.2012. Das Bekleidungsgeschäft, in dem die umstrittene Marke «Thor Steinar» verkauft wird, wurde erst vor wenigen Tagen eröffnet. Foto: Hendrik Schmidt

Die Thor-Steinar-Filiale Brevik in Chemnitz

So empfinden das jedenfalls viele Chemnitzer - Politiker und Bürger gleichermaßen. Katja Uhlemann, Sprecherin der Stadt Chemnitz, wird von der Nachrichtenagentur AFP mit den Worten zitiert: "Das ist schockierend und völlig inakzeptabel". Die Stadt werde prüfen, mit welchen juristischen Mitteln sie gegen das Geschäft vorgehen könne. Uhlemann weiter: "Wir wollen so einen Laden nicht haben".

Germanentum und Gewaltverherrlichung

In dem Laden, der am Mittwoch von Protestierern mit Farbbeuteln beworfen wurde, wird Kleidung der Marke Thor Steinar verkauft. Die Firma MediaTex verkauft die umstrittene Marke über das Internet und in mehr als zehn Geschäften. Typisch für Thor-Steinar-Kleidung ist eine martialische Anmutung mit Anleihen an militärische Funktionsbekleidung. Das hat sie zeitweise zu einer beliebten Kleidermarke in neonazistischen Kreisen werden lassen. Wegen oft provozierender Aufschriften auf den Textilien ist die Firma mehrfach Ziel staatsanwaltlicher Ermittlungen gewesen. Ein aktuelles Beispiel ist ein Pullover, auf dem unter der Aufschrift "Hausbesuche" ein Sturmgewehr abgebildet ist.

Sweatshirt Hausbesuche der norwenigscne Bekleidungsfirma Thor Steinar mit Sturmgewehr aus dem Winterkatalog 2004/05. Foto: Thor Steinar

Das ursprünglich von der Firma verwendete Firmenlogo ist wegen des "Verwendens von verfassungswidrigen Kennzeichen" verboten. Für das Firmenzeichen waren germanische Schriftzeichen (Runen) verwendet worden, die "Kampf" und "Aktion" bedeuten. Das überarbeitete Logo verwendet zwar ebenfalls eine Rune, ist aber laut Staatsanwaltschaft Potsdam unbedenklich.

Stets am Rande der Legalität

Das Firmenzeichen und die auf den Textilien verwendeten Schriftzeichen lassen den Bezug Thor-Steinars zum "vorchristlichen Germanen-Kult" ebenso erkennen wie eine "glorifizierende Sicht der Wehrmacht". So steht es in einer Einschätzung des Brandenburgischen Verfassungsschutzes. Die Beamten erkennen darin "mehr oder weniger verhohlene Andeutungen an der Grenze zur Strafbarkeit".

ARCHIV - Vor der Staatsschutzkammer des Landgerichtes Dresden beginnt am 10.04.2008 der Prozess gegen fünf Angeklagte aus der inzwischen verbotenen Kameradschaft Sturm 34. Den Mitgliedern der sächsischen Neonazi-Gruppe «Sturm 34» droht eine härtere Strafe. Der Bundesgerichtshof (BGH) sieht deutliche Indizien dafür, dass es sich bei der verbotenen Gruppierung um eine kriminelle Vereinigung handelt. Foto: Matthias Hiekel dpa/lsn/lsw (zu dpa 4268 vom 03.12.2009)

Auch viele Skinheads gehören zum Umfeld der Neonazi-Szene

Thor-Steinar wird allerdings seit rund drei Jahren von einigen Neonazi-Gruppierungen boykottiert. Sie wollen nicht hinnehmen, dass die MediaTex GmbH, der das Label gehört, an einen arabischen Investor verkauft wurde. Trotzdem gilt Thor Steinar weiterhin als rechte "Kult-Marke". Wer diese Kleidungsstücke trägt, darf deshalb viele deutsche Fußballstadien nicht betreten. Auch im Deutschen Bundestag ist Kleidung dieser Marke verboten.

Schneller Rückzieher?

Der Chemnitzer Immobilienbesitzer, der den Laden an den Betreiber des Thor-Steinar-Geschäfts vermietet hat, beharrt darauf, getäuscht worden zu sein. Es sei ihm nicht bewusst gewesen, wer der Mieter wirklich sei, sagte er der Chemnitzer "Freien Presse". Bereits in anderen Städten Ostdeutschlands waren Thor-Steinar-Läden auf Widerstand gestoßen, weil sich Vermieter über den eigentlichen Charakter der Geschäfte getäuscht sahen. In Magdeburg und Leipzig hatten die Besitzer auf Räumung geklagt, die Läden mussten geschlossen werden.

Die Empörung der Chemnitzer scheint bereits Wirkung zu zeigen: Am Mittwochvormittag gab die MediaTex GmbH eine Pressemitteilung heraus, in der sie jede Provokation durch die Namensgebung bestritt. Jede Thor-Steinar-Filiale trage den Namen einer norwegischen Stadt. Die Ähnlichkeit der Namen "Brevik" und "Breivik" in diesem Fall sei "nicht gewollt und sollte keinesfalls eine Provokation darstellen", so das Unternehmen. Es verspricht weiter, der Name des Geschäfts werde "zeitnah geändert".

Autor: Dirk Kaufmann
Redaktion: Klaus Jansen