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Wirtschaft

Mit Müll aufs Börsenparkett

Bei Umwelttechnik ist Deutschland weltspitze und China potenziell der größte Markt. Eine chinesische Müllverbrennungsfirma wagt den Brückenschlag und listet nun im streng regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse.

Die Frankfurter Börse, Quelle: dpa

Die Frankfurter Börse

Die Zhongde Waste Technology AG hat ihren Hauptsitz in Hamburg, die gesamten Geschäftsaktivitäten werden jedoch in China abgewickelt. Ab Freitag (6.7.2007) ist der Müllverbrenner als erstes ausschließlich in China operierendes Unternehmen am Prime Standard der Frankfurter Börse notiert. Das Unternehmen beabsichtigt den Nettoemissionserlös von rund 75 Millionen Euro aus dem Börsengang vor allem für den Ausbau der Zhongde Group zu verwenden, unter anderem für die Investition in eine weitere Produktionsstätte für Müllverbrennungsanlagen in Peking.

Für Chen Zefeng, Vorstandsvorsitzender und Mehrheitsaktionär der Aktiengesellschaft, war es kein Zufall, in Deutschland an die Börse zu gehen: „Deutschland hat die beste Umweltschutztechnik der Welt, während sich China zum besten Wachstumsmarkt für Umweltschutz entwickeln wird. Der Börsengang könne eine Brücke zwischen beiden schlagen und so einen wichtigen Beitrag liefern, um Chinas Umweltprobleme zu bewältigen.

Boom durch Epidemie

Müllverbrennungsanlage

Müllverbrennungsanlage für medizinische Abfälle

Als einer der größten Produzenten für Verbrennungsanlagen klinischer Abfälle erlebte das chinesische Unternehmen 2003 einen Boom. Die SARS-Epidemie zwang die chinesische Regierung dazu, in die Entsorgung klinischer Abfälle zu investieren. Seitdem hat das Unternehmen ein geradezu märchenhaftes Wachstum erzielt - 85 Prozent allein im Jahr 2005. Zurzeit versorgt Zhongde über ein Drittel des chinesischen Marktes. Weil Müllverbrennung eine Wachstumsbranche in China ist, konnte das Unternehmen im vergangenen Jahr eine Umsatzrendite von über 40 Prozent erzielen.

Mit der fortschreitenden Urbanisierung in China wächst auch der Müllberg in den Städten des Landes. Die Beseitigung vom Hausmüll bereitet der chinesischen Regierung große Schwierigkeiten. Während in Deutschland rund ein Viertel der Abfälle verbrannt werden, sind es in China nur drei Prozent. Der größte Teil der Abfälle – über 90 Prozent - wird deponiert. Vor allem im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2008 will China sich der Welt von seiner besten Seite zeigen. So soll bis 2010 jede chinesische Stadt über eine eigene Verbrennungsanlage verfügen. Hier sieht Zhongde seine große Chance. Das Unternehmen hat sich bisher auf kleine und mittelgroße Verbrennungsanlagen spezialisiert. Zhongde beabsichtigt nun, seine Produktpalette auszubauen, und sich auf den Bau von großen Verbrennungsanlagen zur Energiegewinnung zu konzentrieren.

Müllfirma setzt auf energiesparende Technik

Das chinesische Unternehmen hat dazu eine eigene Technik entwickelt, die speziell an die Besonderheiten der Abfälle in China angepasst sind. "Ursprünglich wollten wir Technik aus Deutschland oder Japan einführen, die weltweit führend ist", sagt der technische Direktor Jiang Rizhong. "Aber die Abfälle in China haben einen viel niedrigeren Brennwert, vor allem weil es in China keine Mülltrennung gibt." Die Technik anderer Länder könne deshalb nicht ohne weiteres übernommen werden. "Wir haben dann unsere eigene Technik entwickelt, und zwar eine sehr energiesparende", sagt Rizhong. Energie werde nur noch bei der Entzündung benötigt, die Verarbeitung werde günstiger.

Das deutsche Bankhaus Sal. Oppenheim und die Bank of China International agieren gemeinsam als Konsortialführer für den Börsengang von Zhongde. Derzeit sind etwa 90 chinesische Unternehmen im Freiverkehr der Deutschen Börse mit einem Zweitlisting vertreten. Ende März war mit dem Maschinenbauer Gongyou das erste chinesische Unternehmen mit einem Erstlisting an die Frankfurter Börse gegangen.

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