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Deutschland

Mit #lovestorm gegen Fremdenhass

In der sächsischen Hauptstadt Dresden sind die Menschen auf die Straße gegangen, um ein Zeichen gegen die Anti-Islam-Bewegung Pegida zu setzen. Von Kate Brady, Dresden.

Familien, junge Paare, Senioren und Kinder: Sie alle hatten dem Wetter getrotzt und den Weg ins Zentrum von Dresden auf sich genommen. Vor der berühmten Frauenkirche demonstrierten sie unter dem Motto "Für Dresden, für Sachsen - für Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit und Dialog im Miteinander". Vorausgegangenen waren

etliche Pegida-Demonstrationen in Dresden

(Pegida = "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) in den vergangenen Wochen, aber auch zahlreiche Ableger dieser Montagsmärsche in anderen deutschen Städten.

Nach einer Schweigeminute für die Opfer der Terroranschläge in Frankreich kam Dresdens Bürgermeisterin Helma Orosz (CDU) auf die Bühne, um zur Menge zu sprechen. "Ich bin nicht gekommen, weil ich gegen die Menschen bin, die zu PEGIDA gehen", so die Politikerin, "sondern weil ich keine Angst habe vor Menschen, die eine andere Hautfarbe, Sitten oder Gebräuche haben. Egal, ob Christ, Jude, Hindu oder Moslem - wir lassen uns vom Hass nicht spalten." Ein Blick über den Dresdner Neumarkt machte klar, was Orosz meinte, als sie davon sprach, dass das hier eigentlich keine Demonstration sei, sondern eine echte Einheit von Menschen aller Altersklassen, aller Ethnien und Religionen, die dafür kämpfte, dass Deutschland ein "Zuhause für alle" sei.

Einige Slogans waren deutlich häufiger zu sehen als andere: "Jeder lacht in der gleichen Sprache", so die Botschaft eines Plakats. Die Bürger Dresdens wehrten sich so gegen das schlechte Image, das ihrer Stadt durch die Pegida-Demos der letzten Monate anhaftete.

"Keine Differenzierung"

Demonstrant Steffen Mann aus Dresden sagte der DW, dass er zwar einige Argumente der Pegida-Bewegung teile - mit etwas anderem habe er aber ein Problem: "Der Unterschied zwischen Muslimen und Islamisten kommt nicht klar genug heraus." Anschläge wie diese Woche in Paris könne Bewegungen wie Pegida befeuern und zwar genau deshalb, weil viele den Terror mit dem Islam gleichsetzten. Bezug nehmend auf das Motto der Demonstration, "Dialog miteinander", meinte Mann, dass genau dieser durch die Ereignisse behindert werden könne. "Die Pegida-Leute sind nicht bereit, and einen Tisch zu kommen und über das Problem zu sprechen", sagte Mann.

Die zweifache Mutter Susanne Krause sagte der DW, Deutschland müsse seiner Verantwortung gerecht werden. "Wir sind ein reiches Land, wir können helfen. Da beunruhigt es mich, wenn Leute mit rechtsgerichteten Parolen große Gruppen mobilisieren." Teilweise läge das Problem aber auch bei der sächsischen Landesregierung, so Krause: "Sie wollen Sachsen zwar immer als weltoffenes Land darstellen, aber die CDU ist jetzt seit 25 Jahren in der Regierung und hat genau das nicht erreicht. Traurig, aber wahr. "

Eine Wand der Freundschaft

Eine ganz besondere Mauer stand am Samstag in Dresden im Mittelpunkt. Die Zehn-Meter-Wand war Teil einer neuen Social-Media-Kampagne, die am Tag der Demonstration unter dem Hashtag #lovestorm gestartet wurde. Eine Mauer, die allerdings nicht teilen, sondern vereinen soll. "Die 'Mauer der grenzenlosen Freundschaft' soll zeigen, dass wer immer nach Deutschland kommt willkommen ist", so der Initiator der Kampagne, Christoph Schott, zur DW. Das Projekt ruft dazu auf, ein Foto mit einem Freund oder einer Freundin aus einem anderen Land oder mit einer einer anderen Religionszugehörigkeit zu machen und es an die Wand zu heften - entweder online oder bei der Veranstaltung in Dresden.

Transparent Wand der grenzenlosen Freundschaft in Dresden, Foto:DW

Die "Wand der grenzenlosen Freundschaft"

"Wir wollen zeigen, dass der Großteil der Deutschen nicht mit den Pegida-Demonstrationen einverstanden ist", so Schott. "Es ist einfach wichtig, ein klares Signal zu setzen, wo Deutschland bei dieser Sache steht. In der Zukunft wird Deutschland noch vielfältiger werden". Ob Deutschland sich durch Pegida vor einem Anstieg der Fremdenfeindlichkeit fürchten müsse? "Nein, das glaube ich nicht", so Schott, "wir werden dem Problem voller Hoffnung entgegentreten". Auch wenn ein großer Anteil der Demonstranten nicht an einen direkten Einfluss der Kundgebung auf die montäglichen Pegida-Märsche glaubt - eine Langfristwirkung trauen sie der Dresnder Veranstaltung zu. Hoffnung und Dialog, so scheint es, können eine Lösung sein für die Stadt, die in den vergangenen Wochen in so negativem Licht erschien.

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