1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Mit Kung Fu zum besseren Manager

Die Welt verändert sich immer schneller. Auch Manager stehen oft ratlos vor neuen Anforderungen. Immer mehr Führungskräfte lassen sich deshalb coachen. In Deutschland gibt jetzt ein Shaolin-Mönch Coaching-Seminare.

Coaching beim Shaolin-Mönch Shi Yan Bao Foto: Susanne Luerweg

Shaolin-Mönch Shi Yan Bao

Shaolin-Mönche kennt man in der Regel nur aus Kung Fu-Filmen oder neuerdings aus Shows, in denen sie ihre fast unmenschlich wirkende Unverwundbarkeit zeigen. Seit 2001 gibt es auch einen Shaolin-Tempel in Berlin. Einer der Mitbegründer ist der chinesische Mönch Shi Yan Bao. Seit 2001 lebt er in der Hauptstadt. Neben seinem Unterricht im Kampfsport gibt er Coaching-Seminare an der Seite eines Psychologen.

Qi Gong und leise Musik

Klosterhotel in der Nähe von Bonn Foto: Susanne Luerweg

Klosterhotel bei Bonn

Donnerstagmorgen in einem Klosterhotel in der Nähe von Bonn. Eine Gruppe von Managern, allesamt gekleidet in Jogginghosen und Turnschuhe, macht Qi Gong-Übungen. Vor den acht Männern und Frauen steht der Shaolin- Mönch Shi Yan Bao und zeigt ihnen ruhig und konzentriert die wichtigsten Schritte. Im Hintergrund läuft asiatische Musik. Der große, leere Raum schluckt fast alle Geräusche. Nur die Schritte des Shaolin-Mönchs sind zu hören. Und die Stimme von Ralph Willms. Der Psychologe ist das Sprachrohr von Shi Yan Bao. Denn der im traditionellen orange gekleidete Mönch aus dem Kloster in China spricht nur wenig deutsch. Aber das ist auch kein Problem, denn die meisten der Übungen sind selbsterklärend, bei Fragen springt Ralph Willms ein.

Von der Praxis zur Theorie

Coaching beim Shaolin-Mönch Shi Yan Bao *** Ralph Willms Foto: Susanne Luerweg

Psychologe Ralph Willms

Nach einer Stunde Kampfsport beginnt die Theorie mit dem 50jährigen Psychologen. Ralph Willms, lässig in weiß gekleidet, erläutert mit sonorer Stimme, wie wichtig es sei, seine seelische Mitte zu finden, loszulassen und auf sein Innerstes zu hören. Ralph Willms ist eine Wortmaschine. Ohne Versprecher, ohne Zögern spult er sein Programm ab. Er reißt alle wichtigen philosophischen und psychologischen Strömungen der letzten Jahrhunderte im Schnelldurchlauf an und macht großen Eindruck auf seine Zuhörer.

Stress im Berufs- und Privatleben

Mit sanfter Stimme bittet er die fünf Männer und drei Frauen, sich jeden Gedanken zu merken und mit tausend zu multiplizieren. Konzentriert und gleichzeitig gelöst machen alle mit. Fast alle haben Stress im Job, einige ein unerfülltes Privatleben und der ein oder andere Angst vor dem Burn out.

Gruppendynamik

Schon am Nachmittag des zweiten Tages ist aus den Einzelkämpfern eine Gruppe geworden. Paarweise gehen die Männer und Frauen zusammen und klopfen sich gegenseitig den Rücken ab. Es ist Teil einer Übung. Wofür das genau gut ist, kann und will Ralph Willms nicht erklären. Die Europäer fragen immer nach dem Sinn, sagt er lachend, der ergebe sich schon von selbst. Wenn man die Übungen regelmäßig mache, dann fließe das Chi besser durch den Körper, man habe mehr Energie. Nur Geduld, vermittelt er der Gruppe. Und die nickt.

Gelungene Mischung

Coaching beim Shaolin-Mönch Shi Yan Bao Foto: Susanne Luerweg

Coaching beim Shaolin-Mönch Shi Yan Bao

Die Mischung aus Theorie und Praxis kommt an. Und auch die Energie von Ralph Willms und Shi Yan Bao. Noch am Freitagmittag führt der Mönch unbeirrt seine Übungen vor und Ralph Willms erläutert seine Weltanschauung mit ungebremster Energie. Bei den Teilnehmern im Klosterhotel macht sich Erschöpfung breit. Einige blicken auf ihre Handys, andere reiben sich die Schultern und klagen über Muskelkater. Doch das allgemeine Fazit ist positiv. "Es war viel weniger esoterisch als ich befürchtet habe" sagt ein österreichischer Manager. Es gehe doch einfach darum, das Leben ein wenig leichter zu nehmen und das habe er nun gelernt. Ralph Willms drückt jedem freundschaftlich die Hand und Shi Yan Bao sagt: "Eine gute Gruppe, gute Manager, ich glücklich".

Autorin: Susanne Luerweg

Redaktion: Gudrun Stegen