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Europa

Mit Krimis die Gesellschaft kritisieren

Das Verfasserduo Sjöwall/Wahlöö hat die schwedische Gesellschaft in den 60er Jahren kritisiert. Heute beschreiben Roslund/Hellström die dunklen Seiten Schwedens. In ihrem Buch "Blinder Glanz" geht es um Straßenkinder.

Anders Roslund und Börge Hellström (Quelle: Fischer Verlage)

Anders Roslund und Börge Hellström sind die etwas anderen Krimiautoren für Schweden

Anders Roslund und Börge Hellström arbeiten in einer hellen Küche mitten in der Stockholmer Innenstadt. Ihre Schreibtische sind mit Papieren übersät: handschriftliche Notizen neben Ausdrucken von Presseterminen. Die Aufteilung im Duo: Der 48-jährige Anders Roslund ist der Spezialist für die Struktur. Der 51-jährige Börge Hellström ist mit psychologischem Feingefühl ausgestattet.

Jahrelange gemeinsame Arbeit

Cover 'Blinder Glanz' (Fischer Verlage)

Der neue Krimi "Blinder Glanz"

Gerade diskutieren sie eine Szene ihres nächsten Buches. Eine Frau wurde verprügelt. "Börge war der Meinung, dass sie wegen ihres Veilchens mit Sonnenbrille zur Arbeit geht. Ich sah das anders. Dann haben wir ein paar Frauen angerufen, die sich mit solchen Dingen auskennen. Und am Ende haben wir die Sonnenbrille gestrichen", erzählt Roslund.

Die beiden Star-Autoren des Stockholmer Piratenverlages wirken wie ein altes Ehepaar, bei dem jeder seine Rolle gefunden hat. Seit zehn Jahren entwickeln sie gemeinsam Handlung und Figuren ihrer Krimis. Wer genau welche Passagen schreibt, wollen sie nicht verraten. Ihre Arbeit sei erstaunlich harmonisch, aber nicht immer frei von Eitelkeiten, sagt Roslund. "Wir beginnen jeden Tag mit einer Therapiesitzung. Wir schimpfen und klagen über das Böse in der Welt. Wir kennen einander gut, weil wir über Dinge reden, in die ich nicht einmal meine Frau einweihen würde."

Ein Leben abseits von der Bullerbü-Idylle

Idylle in Schweden (Quelle: DW-TV)

Die heile Welt kann in Schweden trügen

Roslund, der Fernsehjournalist, hat schon immer gerne Geschichten ausgegraben, die man eigentlich nicht hören will: von Ausreißern, Junkies, Kleinganoven. Ende der 90er-Jahre trifft er bei den Dreharbeiten zu einem Film über Strafgefangene den ehemaligen Häftling Börge. Dieser hat ausgewiesene Kontakte in die Szene. Später wird er Sozialarbeiter und macht sich für die Rückkehr Strafgefangener in die Gesellschaft stark.

Mit ihren Krimis legten sie den Finger in die Wunde, sagt Börge Hellström. Sie wollen an der schwedischen Bullerbü-Romanze kratzen. Denn unter dem Pflaster, so enthüllen sie in "Blinder Glanz", lauert Unerhörtes. Dass es Straßenkinder in Stockholm gebe, sei jahrelang verleugnet worden, sagt Hellström. "Aber es gibt sie auch bei uns in Stockholm: In den U-Bahn-Schächten, wo sie hausen, ist es dunkel und feucht, Ratten springen umher und es stinkt zum Himmel."

Krimiautoren Roslund und Hellström (Fischer Verlage)

Sie geben Gesellschaftskritik in Schweden ein Gesicht

In seinem vierten Fall hat Kommissar Grens es nicht nur mit einer schwer verstümmelten Leiche zu tun. Er stolpert auch über eine Busladung Straßenkinder aus Rumänien. Mit dem Bullerbü-Bild Schwedens habe das nicht mehr viel zu tun, gibt Roslund zu. "Wir Schweden reden uns ein, dass wir besonders friedfertig sind. Und zugleich werden in irgendwelchen Wohnungen Menschen verschoben. Und verborgen im Untergrund leben Kinder."

Sie wollten keinen belehren. Was sie daraus machen, müssten die Leser selbst entscheiden, sagt Hellström und nimmt einen letzten Schluck aus der Coladose.

Autorin: Agnes Bührig

Redaktion: Julia Kuckelkorn / Richard Fuchs

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