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Wirtschaft

Mit Kraft-Wärme-Kopplung mehr Energie nutzen

Der Umwelt zuliebe will sich Deutschland unabhängiger von endlichen Energiequellen machen - unter anderem durch mehr Effizienz. Eine Lösung ist dabei die Kraft-Wärme-Kopplung, wie sie am Flughafen Köln/Bonn genutzt wird.

Kraftwärmekopplungswerk von außen (Foto: Fernwärmeversorgung Niederrhein GmbH)

Dieses Kraftwerk versorgt den Flughafen Köln/Bonn mit Fernwärme

Kontrollraum des Fernwärmeversorgungswerks (Foto: Fernwärmeversorgung Niederrhein GmbH)

Im Kontrollraum laufen die (Energie-)Fäden zusammen

Wenn man aus einer bestimmten Menge Gas mehr Energie erzeugen kann, dann schont das die Umwelt und das Klima. Bei der Herstellung von Strom entsteht in den Kraftwerken als Nebenprodukt Wärme. Bei herkömmlichen Großkraftwerken geht diese Wärme verloren. Wenn Energie aber dezentral, also in vielen kleinen Kraftwerken hergestellt wird, statt in wenigen großen, dann kann diese Wärme zum Heizen umliegender Gebiete verwendet werden. Das nennt man Kraft-Wärme-Kopplung.

Eine solche effizientere Energienutzung fördert auch die deutsche Regierung, freut sich Norbert Hettebrüg von General Electric. Der weltweit größte Mischkonzern stellt unter anderem Maschinen her, die aus Kohle, Gas, Öl oder erneuerbaren Energien Strom erzeugen. Von daher ist Deutschland ein attraktiver Markt für den Konzern.

Flughafen Köln/Bonn nutzt Kraft-Wärme-Kopplung

Für eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage hat sich vor zehn Jahren der Flughafen Köln/Bonn entschieden. Statt Wärme im Winter mit Steinkohle eigens zu produzieren und zusätzlich Strom zu beziehen, stellt man nun beides selber her.

Grüne Jenbacher Gasmotoren (Foto: Fernwärmeversorgung Niederrhein GmbH)

Kern der Anlage: die Gasmotoren

Direkt neben dem Flughafen liegt das unscheinbare Werk. In einem der zwei Gebäude verbirgt sich der Kern der Anlage: vier riesige grasgrüne Motoren von General Electric. Hier wird aus Gas 60 Prozent des Stroms produziert, den der Flughafen braucht. Wer die Halle betritt, tut gut daran, vorher seine Ohren zu schützen, denn bei der Produktion von Strom entsteht jede Menge Lärm - ganz nebenbei werden die Motoren dabei warm. Diese Wärme wird benutzt, um Heizwasser zu erzeugen.

Mit Wärme Kälte erzeugen

Im Winter lässt sich der Flughafen mit dieser Wärme komplett beheizen. Und im Sommer? Die Lösung zeigt Rolf Pohlig, der die Maschinen beaufsichtigt, im Gebäude gegenüber: "Mit diesen Maschinen stellen wir mit der Abwärme, die wir zu viel erzeugen, Kaltwasser her. Das Wasser wird auf sechs Grad abgekühlt und dann über eine Fernleitung zum Flughafen geführt."

Die Wärme wird also genutzt, um Kältemaschinen anzutreiben, die dann Wasser soweit herunterkühlen, dass damit die Klimaanlagen des Flughafens betrieben werden können. Insgesamt können so 80 Prozent des Kühlbedarfs des Flughafens gedeckt werden. Durch die Kraftwärmekopplung wird die Umwelt wesentlich mehr geschont als bei der konventionellen Stromerzeugung: "Die Einsparung an Treibhausgasen lag in den letzten zehn Jahren bei gut 360.000 Tonnen CO2", sagt Rolf Pohlig.

In der Zukunft Biogas statt Erdgas nutzen

Prady Iyyanki (Foto: Fernwärmeversorgung Niederrhein GmbH)

Prady Iyyanki, Chef der Gasmotorensparte von GE

Die Anlage in Köln wird mit Erdgas betrieben. Bei General Electric blickt man aber schon weiter in die Zukunft: Viel interessanter ist nämlich die Nutzung von Gasen, die nicht beschränkt verfügbar sind. Beispielsweise Gase, die in Kläranlagen entstehen oder Biogase. An andere Stelle werden die schon eingesetzt, erklärt Prady Iyyanki, CEO der Gasmotorensparte von General Electric: "Wir benutzen natürliches Gas, also Erdgas, daneben aber auch nicht-natürliches Gas wie Biogas, Deponiegas, Fackelgas, also alle Gase außerhalb des Erdgas-Bereiches."

Diese Gase seien auch deshalb so interessant, weil sie gratis verfügbar seien. "Amerika und die EU haben bereits gute Gesetze auf den Weg gebracht, die Anreize schaffen, um auch diese Gase zu nutzen. Auch Indien, China und Brasilien sind dabei, ähnliche Gesetze zu schaffen", so Prady Iyyanki.

In Deutschland soll das Gesetz über Erneuerbare Energien (EEG) den Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien, darunter auch Deponie-, Klär- und Grubengase bis 2010 auf mindestens 12,5 Prozent steigern, bis 2020 sogar auf bis zu 30 Prozent. Dafür müssen Energieversorger seit 1991 Strom aus erneuerbaren Energien zu Mindestpreisen abnehmen. Das gibt den Herstellern Planungssicherheit.

Autorin: Insa Wrede
Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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