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Top-Thema – Podcast

Mit Kopftuch auf Jobsuche

Im Berufsleben haben junge muslimische Frauen mit Kopftuch oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Die Suche nach einer Stelle ist schwierig, manche Berufe bleiben ihnen ganz verschlossen. Viele ziehen sich deswegen zurück.

Eine Muslimin mit Kopftuch sitzt über ihre Hausaufgaben gebeugt

Wird diese Muslimin nach ihrem Deutschkurs eine Arbeit finden?

Die 32-jährige Muslimin Elif Saat darf sich zu den wenigen Glücklichen zählen. Obwohl sie ein Kopftuch trägt, arbeitet sie schon lange bei der Duisburger Postbank als Finanzmanagerin. Als sie ihren Job antrat, war ihre Kopfbedeckung kein Hindernis. "Entscheidend war damals ganz einfach die Kompetenz. Ich habe in den dreizehn Jahren meines Berufslebens keine negativen Erfahrungen gemacht", sagt Elif Saat. Sie ist eine von mehr als 1,6 Millionen muslimischen Frauen in Deutschland und praktiziert ihren Glauben strikt.

Doch nicht allen muslimischen Frauen geht es so gut wie Elif Saat. Acht Bundesländer haben ein Kopftuchverbot für Musliminnen in Erziehungsberufen eingeführt. Für Zehra Yilmaz war das eine persönliche Tragödie, denn sie wollte in ihrem Traumberuf als Lehrerin arbeiten. Von ihren Eltern sei sie modern erzogen worden, ihre Mutter habe kein Kopftuch getragen, erzählt sie. Den Islam habe sie neu für sich entdeckt, seit dem Studium trage sie ein Kopftuch. "Ich habe nicht angenommen, dass mein Glaube oder meine Kopfbedeckung irgendwie meine berufliche Karriere behindern würden."

Heute arbeitet Yilmaz nicht in einer Schule, sondern in einer Begegnungsstätte in Duisburg. Dort begegnet sie jeden Tag jungen muslimischen Frauen, die trotz einer guten Ausbildung keine Arbeit finden können. Vorurteile gegen das Kopftuch bestärken bei vielen Musliminnen das Gefühl, gesellschaftlich ausgegrenzt zu werden. "Solchen Erfahrungen folgt oftmals ein Rückzug der jungen Frauen aus der Gesellschaft", sagt Zehra Yilmaz.

Dabei stellte die Konrad-Adenauer-Stiftung in einer Meinungsumfrage im vergangenen Jahr fest, dass 90 Prozent der traditionell verhüllten Musliminnen in Deutschland in fast jeder Hinsicht genauso denken wie durchschnittliche deutsche Frauen. Die Mehrheit von ihnen hält nichts vom Hausfrauendasein und legt großen Wert auf berufliche Selbstverwirklichung.


GLOSSAR

Vorurteil, das – meistens eine negative Meinung über etwas, von dem man nicht viel weiß

etwas bleibt jemandem verschlossen – jemandem steht etwas nicht offen

Kopfbedeckung, die – hier: das Kopftuch

Hindernis, das – die Versperrung; das Problem

strikt – streng

Bundesland, das – Deutschland ist in 16 Bundesländer eingeteilt; jedes Bundesland kann dabei in bestimmten Bereichen eigene Gesetze festlegen; z.B. Berlin, Bayern

Erziehungsberuf, der – die Arbeit im pädagogischen Bereich; z.B. Lehrerin oder Kindergärtnerin

Begegnungsstätte, die – eine Einrichtung, in der sich Menschen gegenseitig bei Problemen helfen und Erfahrungen austauschen

jemanden ausgrenzen – jemanden ausschließen

Meinungsumfrage, die – die Befragung der Menschen, welche Ansicht sie zu einem bestimmten Thema haben

etwas verhüllen – etwas bedecken

in jeder Hinsicht – in jeder Beziehung; in jedem Bereich

Hausfrauendasein, das – das Leben einer Frau, die für ihre Familie alle Arbeiten im Haus erledigt

Selbstverwirklichung, die – die Entwicklung der Persönlichkeit, bei der man seine Fähigkeiten nutzt um die eigenen Ziele zu erreichen

jemand legt auf etwas Wert – jemandem ist etwas wichtig

Fragen zum Text

Wieviele Musliminnen praktizieren ihren Glauben strikt?

1. 5000

2. 1,6 Millionen

3. 10 Millionen

In welchem Arbeitsbereich gibt es in einigen Bundesländern ein Kopftuchverbot?

1. im technischen Bereich

2. im handwerklichen Bereich

3. im erzieherischen Bereich

Womit reagieren einige muslimische Frauen auf die Vorurteile gegen das Kopftuch?

1. mit Protesten gegen andere Frauen

2. mit Auswanderung aus dem Bundesland

3. mit einem Rückzug aus der Gesellschaft

Arbeitsauftrag

Kompetenz oder Kopftuch? Was ist Ihrer Meinung nach entscheidender im Beruf, eine gute Qualifikation oder die Religion? Unterhalten Sie sich mit den anderen Kursteilnehmern darüber, was Ihnen wichtiger ist und was Ihre Meinung zu dem Kopftuchverbot ist.

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