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Kultur

Mit Kopf und Bauch entscheiden

Das neue Jahr hat mit vielen guten Vorsätzen begonnen. Oft bleibt alles beim Alten, denn die Entscheidung ist mit dem Kopf getroffen worden. Doch der Bauch gehört unbedingt dazu, sagen Psychologen.

Raucher (Foto: AP)

Schluss mit dem Rauchen!

Für die einen ist es schlicht das "Bauchgefühl", das lieber Schokolade isst statt Sport zu treiben. Andere nennen es den "inneren Schweinehund". Die Schweizer Psychologin Maja Storch hat es "Würmli" getauft. Denn, so sagt sie, "dieses Tierchen ermöglicht es, auch komplizierte psychologische Sachverhalte zu verstehen." Zum Beispiel, warum sich gute Vorsätze so schlecht umsetzen lassen und es so schwierig sein kann, Entscheidungen zu treffen. "Der Mensch hat zwei Bewertungssysteme", erklärt die Psychologin, "genauso wie er zwei Augen, zwei Nieren und zwei Beine hat."

Maja Storch (Foto: presse)

Psychologin Maja Storch

Und weil es zwei seien, Verstand und Bauchgefühl - oder eben das "Würmli" - sollte er auch beide benutzen. Doch besonders die Europäer sind darin wenig geübt, bedauert der niederländische Psychologe Ap Dijksterhuis. Und daran schuld seien berühmte Philosophen wie René Descartes ("Ich denke, also bin ich") und Immanuel Kant ("Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen"). Sie hätten das bewusste Denken und Entscheiden auf den Sockel gehoben, das Gefühl und das Unbewusste dagegen abgelehnt.

Das kluge Unbewusste

"Noch heute halten wir daher bewusstes Analysieren für die beste und vernünftigste Art, eine Entscheidung zu fällen." Doch das sei falsch, meint Dijksterhuis und plädiert dafür, dem "klugen Unbewussten" mehr Raum zu geben. In verschiedenen Experimenten hat der Psychologe nachgewiesen, dass die Versuchspersonen mit ihren Entscheidungen am zufriedensten waren, wenn sie auf ihr Bauchgefühl hörten. Und das nicht nur bei der Auswahl eines Bildes, sondern auch beim Kauf einer Wohnung.

Den Grund dafür sieht der Sozialpsychologe in der großen Leistung des unbewussten Denkens: Es könne, in der Computersprache gesprochen, 11,2 Millionen Bits verarbeiten, das bewusste Denken dagegen nur 60 Bits. "Wir können jeweils nur einer Sache Aufmerksamkeit schenken, die restlichen Wahrnehmungen laufen unbewusst ab." Vorstellungen, Bilder, Erfahrungen des gesamten Lebens seien im "klugen Unbewussten" gespeichert, betont Dijksterhuis.

Ein gutes Gefühl im Bauch

Fitness-Studio (Foto: Fotolia)

Ins Fitness-Studio!

Wer also zufrieden und gesund leben will, sollte auf diese unbewussten Erfahrungen, das sogenannte Bauchgefühl hören, rät Maja Storch in Büchern, Workshops und Vorträgen. Gute Vorsätze ließen sich nur dann verwirklichen, wenn sich auch der Bauch dabei wohl fühle. Also: Sich für die Sportart entscheiden, die Spaß macht, selbst wenn dabei nicht so schnell die gute Figur herauskommt. Auf das Rauchen verzichten, aber sich dafür mit anderen Kleinigkeiten belohnen. Die lästige Verwandtschaft besuchen, aber den Besuch zeitlich begrenzen.

Doch was ist mit den wirklich großen Entscheidungen, die das ganze Leben verändern können? Am Beispiel eines Stellenwechsels macht Dijksterhuis deutlich, wie Verstand und Bauch zusammenarbeiten sollten. Wer sich für einen neuen Job interessiere, solle sich zuerst gründlich über die Arbeitsstelle informieren, aber dann das Unbewusste wirken lassen, indem er ein oder zwei Nächte darüber schlafe, sagt Dijsterhuis. Danach solle er tun, "was das Gefühl sagt".

Risiken gehören zum Leben

Tastatur mit Risiko Taste (Foto: sk-design - Fotolia)

Tastatur mit Risiko-Taste

Eine Garantie für die "richtige Entscheidung" gibt es trotzdem nicht. Darauf weist der Schweizer Unternehmensberater Chris Roetheli hin. "Risiken gehören zum Leben dazu", sagt der Psychologe, der an der Universität Zürich das Fach "Entscheidungspsychologie" lehrt. "Aber wer sie eingeht, ist in der Regel zufriedener." Statt sich mit Selbstvorwürfen und Selbstmitleid zu quälen, sollte also auch die falsche Entscheidung, die damals in bestem Wissen gefällt wurde, akzeptiert werden. Denn: "Wer eine Entscheidung getroffen hat, lebt damit immer besser als mit der Zerrissenheit des Zauderns", beobachtet Roetheli.

Autorin: Sabine Damaschke
Redaktion: Gudrun Stegen