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Geschichte

Mit Holzresten an die Spitze

Die Firma German Pellets ist alles andere als ein Traditionsunternehmen. Sie wurde erst vor fünf Jahren gegründet – ist aber bereits zur Nummer Eins in ihrer Branche aufgestiegen. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Hand voller Pellets (Foto: German Pellets)

Umweltfreundlicher Brennstoff: Holzpellets

Er habe bei der Gründung der Firma sehr konsequent gehandelt, betont Peter Leibold. Der 53-jährige ist der Besitzer von German Pellets und gleichzeitig der unternehmerische Motor des Unternehmens. Sofort nach der Vollendung des Werksneubaus in Wismar an der Ostseeküste folgte ein zweiter Neubau in Herbrechtingen in der Nähe von Ulm und ein dritter in der Nähe von Ettenheim am Rhein."Ich denke, das war der Grundstein für die Entwicklung der Firma German Pellets heute", sagt Leibolz.

Mittlerweile sind fünf weitere Standorte hinzugekommen. Die Produktionskapazität insgesamt liegt bei rund einer Million Tonnen Holzpellets pro Jahr. Mit dieser Menge können rund 250.000 Einfamilienhäuser ein Jahr lang mit Wärme versorgt werden.

Umweltschonend und preiswert

German Pellets-Inhaber Peter Leibold (Foto: Anja Franzke)

Peter Leibold

Wer umweltschonend und preiswert heizen will, kommt auf Dauer an Holzpellets nicht vorbei. Die kleinen Presslinge, die aussehen wie in der Mitte durchgebrochene dünne Zigarillos, werden aus kleingehäckselten Holzresten wie Spänen hergestellt. Holzpellets sind nachhaltige Energieträger, die bei ihrer Verbrennung nur soviel CO2 freisetzen, wie der Baum während seines Wachstums gebunden hat. "Pellets sind ja ein reines Naturprodukt", erläutert German Pellets-Mitarbeiterin Claudia Röhr, "das holzeigene Lignin dient als Bindemittel. Und wir setzen noch ein bisschen Kartoffelstärke zu, dann klebt es besser und wird härter. Es ist ähnlich wie beim Backen."

Die Pellet-Herstellung ist im Prinzip leicht verständlich: Holz oder Holzreste wie Späne und Sägemehl werden zu einer homogenen Masse zerkleinert. Die wird getrocknet und zu kleinen zylinderförmigen Stiften gepresst, die beim Endverbraucher schließlich in speziellen Heizungsanlagen verbrannt werden. Die Pelletheizung und der Stauraum, in dem die Pellets gelagert werden, sind durch ein schlauchartiges Transportsystem miteinander verbunden.

Vollwertige Zentralheizung

German Pellets, fahrender LKW (Foto: German Pellets)

Eine Million Tonnen Pellets werden jährlich ausgeliefert

"Das funktioniert automatisch", schwärmt Claudia Röhr, "man merkt gar nicht, dass man eine Pelletheizung hat. Vom Komfort her steht so eine Anlage einer Öl- oder Gasheizung in nichts nach." Das Pelletlager müsse - je nachdem wie groß es ist - lediglich ein oder zwei Mal pro Jahr aufgefüllt werden. "Da kommt ein LKW. Dann werden die Pellets in das Lager reingepumpt oder genauer gesagt reingeblasen und dann läuft die Heizung vollautomatisch." Ab und zu müsse man lediglich die Asche aus dem Brennofen entfernen, "und die nutzen viele auch, um sie im Garten als Dünger zu verstreuen", so Röhr.

Peter Leibold war bereits ein gestandener Manager, als er die Pellets für sich entdeckte. Der damals 47-Jährige konnte zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken: Nach der Ausbildung zum Industrie- und Verlagskaufmann war er zunächst mehr als 15 Jahre in Führungspositionen im Verlagswesen ätig. Dann folgten acht Jahre als Geschäftsführer eines großen Sägewerks. Auf Geschäftsreise in Skandinavien erfuhr Leibold von Schwedens Ziel, bis zum Jahr 2020 ganz auf fossile Brennstoffe wie Erdöl zu verzichten. Da waren im Holzland Schweden die Pellets schon stark im Kommen.

"Zehn Schritte zurück"

Verladung der fertigen Pellets via Fließband (Foto: German Pellets)

Verlade-Band in Wismar

Leibold zögerte nicht lange: Er hängte seinen Job als Geschäftsführer an den Nagel, heuerte zwei Mitarbeiter an und machte sich selbständig. Als Firmensitz von German Pellets dienten am Anfang drei alte Container im Hafen von Wismar. "Ich bin ja nicht einen Schritt zurückgegangen, damals, als ich mich selbständig gemacht habe, sondern ich bin zehn Schritte zurückgegangen", sagt der Unternehmer. "Und jetzt komme ich Stück für Stück wieder dahin, wo ich einmal hergekommen bin." Heute beschäftigt der mittlerweile 53-Jährige mehrere Hundert Angestellte und ist mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro zum europäischen Branchenführer aufgestiegen.

Als gebürtiger Hesse ist Peter Leibold eigentlich mehr oder weniger zufällig in Mecklenburg-Vorpommern gelandet. Verantwortlich dafür war indirekt seine Frau: Sie ist eine geborene Klausner. Dieser Name steht für eines der größten Holzindustrieunternehmen Europas. Als Klausner Ende der 1990-er Jahre ein neues Sägewerk in der ostdeutschen Hafenstadt Wismar plante, übernahm Peter Leibold dort die Geschäftsführung. Zunächst pendelte er, später zogen Frau und Kinder nach. Und dann, dann kam die Idee mit German Pellets…

Peter Leibold vermittelt den Eindruck, als sei er dort angekommen, wo er hingehört: Ein erfolgreicher Unternehmer in Ostdeutschland mit westdeutschen Wurzeln. 20 Jahre nach der deutschen Einheit sind diese geographischen Details für ihn allerdings nur noch von ziemlich untergeordneter Bedeutung: "Wir haben Werke in Westdeutschland und wir haben Werke in Ostdeutschland, so dass wir uns eigentlich mit Fug und Recht als gesamtdeutsches Unternehmen bezeichnen können. Wobei ich diesen Begriff eigentlich nicht mag. Denn wir sind nur ein einziges Land - und nicht Ost- oder Westdeutschland."

Autor: Klaus Ulrich

Redaktion: Henrik Böhme