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Deutschlandtour

Mit Hexen im Schnee

Schwarzwald im Winter heißt nicht nur Ski fahren, sondern auch "Fasnet" feiern. Dabei spielen Masken, Nachthemden und sogar Schweineblasen eine Rolle.

Alemannische Hexe (Foto: picture-alliance)

Nur echt mit Häs und Larve

“Narri, Narro!” Es ist tiefster Winter auf mehr als 800 Metern Höhe, wenn der Schlachtruf der alemanischen Fastnacht durch die Dörfer und Städtchen des schneebedeckten Hochschwarzwalds schallt. Schaut man auf die Berge, in die weiten Täler, schwarz von den eng stehenden Tannen, versteht man, warum hier ganz besonders ein Brauch gepflegt wird, der einst den Winter vertreiben sollte.

Todtnau im Winter (Foto: DW)

Todtnau im Winter

Heute bedeutet der Winter etwas anderes – nicht mehr Bedrohung, sondern sprudelnde Einnahmen. Der Schwarzwald ist ein beliebtes Urlaubsziel, vor allem für Holländer, gerade auch im Winter. Der Hauptgrund, weshalb die Touristen in die Region rund um den fast 1500 Meter hohen Feldberg kommen, ist der Schnee: Man kann hier von Mitte Dezember bis weit in den März hinein Wintersport treiben. Es gibt reichlich Loipen und Abfahrten aller Schwierigkeitsstufen, von der Weltcup-Piste bis zum Skischulberg. Doch viele kommen inzwischen auch, um in den malerischen Örtchen die sehr ursprüngliche Karnevalszeit mitzufeiern.

Häs und Larven

Der Karneval im Südwesten Deutschlands ist düsterer, weniger humoristisch als in Mainz, Köln oder Düsseldorf. Natürlich wird hier auch gelacht, getanzt und getrunken. Aber die “Fasnet” spiegelt vor allem das karge Leben vergangener Zeiten wieder. Im ganzen Schwarzwald sind die Narren in Zünften organisiert, auch im beschaulichen Wintersportort Todtnau am Fuße des Feldbergs. Jede ist nach traditionellen Figuren aus der Arbeitswelt oder der Natur benannt. An ihr orientiert sich die “Häs” (das Kostüm) und die typische “Larve” (Holzmaske) jeder Narrenzunft. So erinnern die  “Beeriwieber” (Beerenweiber) an die Frauen, die mit “Raffel” (Beerenkamm) und “Grätze” (Korb) in den Wäldern Heidelbeeren sammelten, um sie und die “Beerigutz” (Heidelbeer Marmelade) auf den Märkten zu verkaufen.

Video ansehen 03:40

Winterlicher Schwarzwald im Video

Hauptzünfte Todtnaus sind die “Schatzgräber“, die “Zundelmacher” und die “Bürschdebinder”. Alle gehen auf traditionelle Berufe zurück: den Silberbergbau, die Herstellung von Zunder - einem heute verschwundenen Brennmaterial aus Löcherpilz oder Weidenschwamm - und die Bürstenbinderei.

Die Fasnet im Schwarzwald ist trotz aller Tradition keineswegs Sache der Alten. Der 27jährigen Ute Hablitzel bedeutet sie viel: Die Gemeinschaft, das Anfertigen der Häs und natürlich das Feiern. Die Inhaberin des Fotogeschäfts in Todtnau erzählt begeistert, dass die meisten in ihrer Zunft in etwa ihr Alter haben. Vom “schmotzigen Dunschtig” bis zum Aschermittwoch - fast eine Woche gibt sie sich jedes Jahr ganz der Fasnet hin.

Vorsicht, Narren

Auch der “Schmutzige Donnerstag”, der letzte Donnerstag vor Rosenmontag, ist tief in Traditionen verwurzelt. Rund um Todtnau heißt er auch “Faißter Dunschtig” (fetter Donnerstag). An diesem Tag wurde das letzte Mal vor der Fastenzeit geschlachtet - man konnte sich noch einmal richtig satt essen. “Schmutz” wird im Schwarzwald auch die Butter genannt, die man zu den Kartoffeln isst. Heute feiern die Narren im Hochschwarzwald am “Schmotzigen Dunschtig” den “Hemdglunki”, den Beginn des Straßenkarnevals – bei den abendlichen Umzügen tragen alle Nachthemden. Warum das so ist, weiß auch der alteingesessene Todtnauer Benno Dörflinger nicht. Dafür aber umso besser, woher es kommt, dass die Narren im Nachthemd die Umstehenden mit einer Schweinsblase am Stock traktieren: “Die Blase bleibt eben beim Schlachten übrig”, sagt Dörflinger.

(Foto: Fotolia)

Fasnet ist nicht nur für die Alten

Natürlich ist wie (fast) überall der Rosenmontag der Höhepunkt der Fasnet, wenn die Zunftmitglieder in Umzügen durch die Straßen ziehen, begleitet von Trommeln und dem infernalischen Lärm der Guggenmusik, einer sehr schrägen, bewusst neben der Melodie gespielten Blasmusik. Vorsicht: Auch Zuschauer können mitunter rabiat miteinbezogen werden – etwa indem sie von einem oder mehreren maskierten Häs-Trägern Unmengen von Konfetti in die Kleidung gestopft bekommen.

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