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World Economic Forum zu ASEAN

Mit harter Hand für den digitalen Fortschritt

In Phnom Penh wurde das Weltwirtschaftsforum zu Asien eröffnet. 700 Teilnehmer sind nach Kambodscha gekommen, Unternehmenschefs und vier südostasiatische Präsidenten. Manuela Kasper-Claridge aus Phnom Penh.

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Weltwirtschaftsforum in Kambodscha

Wie viele Minister aus den Philippinen angereist sind, weiß wohl keiner so genau. Aber der nicht gerade kleine Briefing-Raum auf dem Weltwirtschaftsforum in Phnom Penh ist fast zur Hälfte allein mit Regierungsmitgliedern gefüllt. Die Journalisten stehen und wundern sich, denn offensichtlich gibt es viel zu erklären.

"Winning the Campaign", die Kampagne gewinnen, heißt die Broschüre, die schnell noch verteilt wird. Es geht um den Krieg gegen Drogendealer, den der philippinische Präsident Rodrigo Duterte gnadenlos führt. Einige sprechen sogar von staatlich sanktioniertem Mord und Totschlag. Eine Bewertung, die vor allem von der ausländischen Presse getroffen werde und die natürlich falsch sei, so der designierte Außenminister der Philippinen, Alan Peter Cayetano.

Weltwirtschaftsforum ASEAN Ernesto Pernia (World Economic Forum/S. Thanachaiary)

Einer aus der philippinischen Ministerriege beim WEF: Ernesto Pernia, Minister für Wirtschaftsplanung

Die Wirtschaftsträume von Duterte 

Dann geht es um wirtschaftliche Träume. "Dutertenomics", die wirtschaftlichen Reformen des philippinischen Präsidenten, das ist das Thema. Neue Flughäfen sollen gebaut werden, eine U-Bahn für Manila, 650 Kilometer neue Autobahnen, digitale Highways.

Die Begeisterung der Minister kennt keine Grenzen, und jeder dritte Satz beginnt mit den Worten "der Präsident wird", wahlweise "der Präsident hat" oder auch "der Präsident will". Die Philippinen seien ein "East-Asia Miracle" - Südostasiens Wirtschaftswunderland. Wie all das finanziert werden soll, bleibt weitgehend offen. Die Regierung hoffe auf ausländische Investoren und wolle Kredite zur Finanzierung der Infrastrukturmaßnahmen aufnehmen, sagt der philippinische Finanzminister.

Mit harter Hand

Politisch wird in Südostasien überwiegend mit harter Hand regiert. Nicht nur auf den Philippinen, sondern auch in Kambodscha, dem Gastgeber des Weltwirtschaftsforums zu Asien. Der amtierende Ministerpräsident Hun Sen ist bereits seit 32 Jahren an der Macht und will es auch bleiben. Im Juni sind Parlamentswahlen. Die Nachbarländer Laos und Vietnam sind Ein-Parteien-Staaten. 

Wirtschaftlich aber boomt Südostasien. Zehn Länder gehörten zu ASEAN, der Wirtschaftsgemeinschaft südostasiatischer Staaten, und die feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum. ASEAN ist mittlerweile die siebtgrößte Wirtschaftszone der Welt. Darauf könne man stolz sein, betonte der kambodschanische Ministerpräsident bei der Eröffnung des Weltwirtschaftsforums in Phnom Penh: "Dank ASEAN und der Zusammenarbeit seiner Mitglieder ist es gelungen, Stabilität, Frieden und Sicherheit zu erhalten."

Kambodscha Straßenverkehr Straßenszene (Getty Images/AFP)

Phnom Penh: dynamische Hauptstadt

Digitale Dörfer

Die wirtschaftliche Dynamik wollen die südostasiatischen Länder nicht verlieren, dafür soll massiv in Infrastruktur und Digitalisierung investiert werden. Thailands Minister für die digitale Wirtschaft, Pichet Durongkaveroj, sagte, sein Land werde allein in diesem Jahr 34.700 Dörfer an das digitale Breitbandnetz anschließen. Der Minister war einer der Teilnehmer einer Debatte, die die Deutsche Welle in Phnom Penh gemeinsam mit dem Weltwirtschaftsforum durchführte – Thema: "ASEAN und die vierte industrielle Revolution". Durongkaverojs Prognose: "Die Automatisierung kommt, ob wir das wollen oder nicht, denn sie ist gut für die Industrie. Aber wir müssen uns auf die sozialen Folgen vorbereiten."

Infrastruktur für alle

Entscheidend sei, dass die Menschen mitgenommen werden. Dazu gehöre die radikale Modernisierung der Bildungssysteme. "Wir müssen die digitale Infrastruktur und ihre praktischen Angebote so verbessern, damit alle etwas davon haben", ergänzte Naveen Menon, verantwortlich für die Region ASEAN beim US-Telekommunikationsunternehmen Cisco. Dass von der technologischen Entwicklung wirklich alle Menschen in Südostasien profitieren sollen, ist erklärtes Ziel der ASEAN-Länder. Politisch ist das eine enorme Herausforderung für die autokratischen Staatschefs.

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