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Wirtschaft

Mit gepumptem Dreck zum Marktführer

Jules Verne hätte seine Freude an diesen Pumpen. Schon 1870 träumte der französische Schriftsteller von einer Reise in 20.000 Meilen unter dem Meer. Nicht ganz so tief schaffen es die Pumpen des Marktführers Bornemann.

Eine norwegische Bohrinsel in der Nordsee, Quelle: AP

Auch hier wird "Dreck" gepumpt: Eine norwegische Bohrinsel in der Nordsee

Am Ortsausgang von Obernkirchen beginnt er - der Weltmarkt. Kurz hinter den roten Backsteinhäusern des Dorfes zeigt das weiße Straßenschild nur noch einen Namen: Bornemann. Folgt man der neu geteerten Landstraße, dann taucht hinter einzelnen Höfen, Sonnenblumenfeldern und zwei Misthaufen ein blaues Schild auf. Daneben ragen - wie aus dem Nichts - silberne Lagerhallen in die Luft. Darin, knapp 500 Mitarbeiter.

Immerhin bei 1700 Meter unter dem Meeresspiegel können die im niedersächsischen Obernkirchen hergestellten Pumpen von Bornemann gleichzeitig Erdgas und Erdöl ans Tageslicht fördern. Damit das funktioniert, musste das Unternehmen mit Sitz südlich von Hannover viel herumexperimentieren. Mit Erfolg, denn nicht nur bei den Tiefsee-Förderpumpen ist Bornemann heute Weltmarktführer – auch wenn das in der Öffentlichkeit kaum einer weiß.

Eine pumptechnische Revolution - womöglich

Die Hälfte des Sortiments sind bei Bornemann klassische Pumpen für die Industrie – um Flüssigkeiten von A nach B zu transportieren. Eine Pumpe allerdings ist anders: Gleichzeitig kann hier Flüssiges und Gase gepumpt werden – eine Revolution, die vor allem die Öl- und Gasindustrie verändern könnte. Der Geschäftsführer Lutz Weisbecker erklärt, warum: "Aus einem Bohrloch kommt ein fürchterliches Gemisch heraus, einmal Öl, dann Wasser, dann Gas und dann Sand, oder vulgär ausgedrückt, Dreck. Und das Problem ist, dass man das alles zusammen pumpen müsste." Das ginge theoretisch gar nicht, aber praktisch hätten seine Ingenieure eine Lösung gefunden, um alles gemeinsam zu pumpen. Danach werde das Gemisch zu einer Anlage befördert, in der es getrennt wird in Öl, Gas, Wasser und Sand.

Gut für die Effizienz

Auf Fach-Chinesisch heißt diese Technik Multi-Phasen-Technologie – und die Patente liegen bei Bornemann. Der Vorteil: Die gleichzeitige Förderung steigert die Effizienz und macht das klimaschädliche Abfackeln von Gas bei der Ölförderung überflüssig.

Zusammen mit dem norwegischen Partner KVAERNER installiert Bornemann für den britischen Öl-Multi BP gerade eine Unterwasseranlage im Golf von Mexiko – auf 1700 Meter Meerestiefe. Eine echte Herausforderung für die rund 80 Bornemann-Ingenieure, "Dort unten herrschen Bedingungen, da ist der Weltraum noch einfach dagegen, denn da kann ich aussteigen", sagt Weisbecker. Bei 170 Bar Druck kann das hingegen kein Mensch mehr.

Skeptische Öl-Multis

Doch nicht nur der Wasserdruck, die Verkabelung und die Steuerung stellen ein Problem dar. Bevor die drei – bis zu 70 Tonnen schweren - Pumpen-Kolosse an Seilen auf den Meeresgrund hinuntergelassen werden konnten, mussten erst einmal die großen Öl-Multis von der Funktionstüchtigkeit der Pumpe überzeugt werden, sagt Entwicklungsleiter Jens-Uwe Brandt. Erst musste auf dem flachen Land bewiesen werden, dass man es tatsächlich schafft, Flüssigkeiten und Gase gemeinsam zu pumpen. Und erst dann konnte man in die Tiefsee, in der alles, was man macht, vor allem eines ist: teuer.

Nur auf die noch boomende Öl- und Gasindustrie verlassen will man sich bei Bornemann allerdings nicht. "In der Welt muss alles gefördert werden. Wir haben zum Beispiel ein ganz großes Ziel im so genannten Food-Bereich: Wir wollen Weltmarktführer für Käsepumpen werden", sagt Weisbecker.

Zukunftssparte Nahrungsmittel-Branche

Nicht verwunderlich, dass gerade der Nahrungsmittel-Bereich einer der Wachstums-Motoren bei Bornemann ist - mit zweistelligen Wachstumsraten. Noch macht dieser Teil aber nur rund zehn Prozent des Jahresumsatzes aus, und der liegt bei rund 80 Millionen Euro.

Selbstbewusst geht man mit der Konkurrenz im Nacken um: Als Gejagter sieht sich der vielfach preisgekrönte Mittelständler mit Marktanteilen jenseits der 70 Prozent nicht. "Na, ich würde, ohne überheblich zu klingen, sagen, dass wir unseren Wettbewerb vor uns hertreiben", sagt Weisbecker.