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Afrika

Mit Gentechnik gegen den Hunger?

Die Afrikanische Union hat 2014 zum Jahr der Nahrungssicherheit erklärt. Bis 2025 soll es auf dem Kontinent keinen Hunger mehr geben. Umstritten bleibt, ob genmanipuliertes Saatgut hilft, dieses Ziel zu erreichen.

223 Millionen Menschen in afrikanischen Ländern südlich der Sahara sind UN-Schätzungen zufolge unterernährt. Langanhaltende Dürren sorgen für geringe Ernteerträge bei Mais- und Hirsebauern. Seit einigen Jahren plädieren deshalb auch afrikanische Politiker dafür, genmanipuliertes Saatgut als Mittel gegen rückläufige Erträge einzusetzen. Bereits 2012 stimmten Agrar- und Wissenschaftsminister aus 24 afrikanischen Ländern auf einer afrikanischen Landwirtschaftskonferenz dafür, genverändertes Saatgut zu erlauben.

Bislang ist die kommerzielle Nutzung von genmanipulierten Pflanzen lediglich in Südafrika, Ägypten, Sudan und Burkina Faso zugelassen - die meisten afrikanischen Länder zögern noch. Es ist ein Zögern, das Calestous Juma nicht versteht. Der gebürtige Kenianer ist Professor für internationale Entwicklung an der Harvard Universität in den USA. Seiner Meinung nach müssten die Regierungen offener sein: "Die Wahl soll bei den Landwirten liegen und deshalb sollen wir nicht von vornherein genmanipulierte Pflanzen ausschließen." Es gäbe Gebiete, wo solche Pflanzen benötigt würden und andere, die auch ohne auskämen.

Hoffnung für wasserarme Regionen

Monsanto Genmais Foto: AP Photo/Sven Kaestner

Genmais von Monsanto soll für bessere Erträge sorgen

Gerade von Dürre geplagte Regionen würden von dem genmanipulierten Saatgut profitieren, glaubt Juma. Der US-amerikanische Agrarkonzern Monsanto hat eigens dafür sogenanntes WEMA-Saatgut entwickelt. WEMA steht für "Wassereffizienten Mais für Afrika" - die Pflanzen sollen mit besonders wenig Wasser auskommen. Auf seiner Firmenwebsite wirbt Monsanto damit, dass der Mais bis zu 21 Millionen mehr Menschen Nahrung bieten könnte. Der Mais wurde zwar konventionell gezüchtet, doch Feldtests für die genmanipulierte Variante laufen bereits in Mosambik, Tansania und Uganda.

Brandon Mitchener ist der Leiter der Unternehmenskommunikation bei Monsanto für Europa, den Mittleren Osten und Afrika: "Alle Bauern wollen mit Weniger mehr produzieren. Sie haben begrenztes Land und begrenzte Ressourcen und sie wollen das Meiste aus ihrem Land rausholen - mit dem Saatgut und dem Wasser und der Arbeitskraft, die sie zur Verfügung haben." In acht afrikanischen Ländern - darunter Kenia, Tansania, Mosambik und Uganda - baut Monsanto bereits versuchsweise genmanipulierte Baumwolle, Zuckerrohr, Tomaten und Bananen an. Einen Schritt weiter ist das Unternehmen in Südafrika: Dort können Landwirte genmanipuliertes Mais- und Baumwoll-Saatgut kaufen und auf ihren Feldern ausbringen. Bereits jetzt ist mehr als die Hälfte des dort angebauten Mais genmanipuliert.

"Genmanipulierte Pflanzen sind keine Lösung im Kampf gegen den Hunger, sie waren nie eine Lösung", glaubt Million Belay. Er ist Koordinator der Allianz für Nahrungssouveränität (AFSA), einem Zusammenschluss mehrerer afrikanischer Nichtregierungsorganisationen. Sie setzen sich für Biodiversität und ökologische Landwirtschaft in Afrika ein und kämpfen gegen den Einsatz von genmanipuliertem Saatgut. "Jedes Mal, wenn es eine Krise gibt, nennt uns die internationale Gemeinschaft Gentechnik als Lösung", sagt Belay.

Bauern auf einem Feld

Viele Bauern wollen weiterhin ihre traditionellen Sorten anbauen

Das Problem liege jedoch nicht bei der Qualität des Saatguts, sondern vor allem bei der der Böden, glaubt Belay: Wenn man die Erde auf einem natürlichen Weg, mit natürlichen Düngemitteln anreichere, werde auch die Produktivität zunehmen: "Wenn man die Mutter gut füttert, wird auch das Kind gesund." Auch sei es wichtig, die Vielfalt des traditionellen Saatguts zu bewahren. Die lokalen Bauern wüssten am besten, welche Sorte für welchen Zweck gut sei.

Abhängigkeit von den Agrarunternehmen?

Der Ministerrat der regionalen Wirtschaftsgemeinschaft COMESA, ein Bündnis von 19 Staaten aus dem östlichen und südlichen Afrika, unterzeichnete im September 2013 eine umstrittene Regelung. Sie schreibt vor, dass zwischen den Mitgliedsstaaten nur einheitliches, geprüftes Saatgut verkauft werden darf. Da dieses Saatgut patentiert ist und über eine lange Zeit dasselbe Ergebnis liefern können muss, fällt traditionelles Saatgut bei der COMESA durch. Für viele Kleinbauern bedeutet das, dass sie nicht mehr gemeinschaftlich Saatgut sammeln und verkaufen können, da es nicht patentiert ist. Das Abkommen öffnet außerdem Tür und Tor für große Agrarunternehmen, die auch genmanipuliertes Saatgut anbieten. Allerdings kann hier jedes Land selbst entschieden, ob es solches Saatgut einführen möchte.

Million Belay Foto: Elizabeth Shoo/DW

Der Äthiopier Million Belay von der Allianz für Ernährungssouveränität

Noch ist die Regelung nicht in Kraft getreten, aber wenn es so weit ist, wird sie viele Kleinbauern, die das Groß der Landwirte ausmachen, betreffen. "Diese Regelung bedeutet, dass das Leben der Menschen von wenigen Interessensgruppen kontrolliert werden würde - zum Beispiel von Monsanto", sagt Belay. Auf dem afrikanischen Landwirtschaftsmarkt ist Monsanto einer der mächtigsten Konzerne. Zurzeit sind weltweit drei große Firmen für über 50 Prozent des Vertriebs von Saatgut verantwortlich: Neben Monsanto sind es Syngenta aus der Schweiz und DuPont aus den USA.

Während des Gipfeltreffens der Afrikanischen Union im vergangenen Jahr wurden Stimmen von zivilgesellschaftlichen Gruppen laut, die ein Verbot genmanipulierter Saaten im gesamten AU-Gebiet forderten. Unter dem Motto "Landwirtschaft und Ernährungssicherung" sind die Staats- und Regierungschefs der AU-Staaten nun erneut in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba zusammengekommen. Die Afrikanische Union hatte 2014 zum Jahr der Ernährungssicherheit erklärt. Noch gibt es von ihr keine gemeinsame Stellungnahme, ob der Anbau und Vertrieb von genmanipulierten Pflanzen zu dem Ziel, bis 2025 den Hunger zu besiegen, beitragen soll.

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