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Kultur

Mit genmanipulierten Mücken gegen Malaria

Forscher haben eine malariaresistente Mücke entwickelt, die den natürlichen Überträger verdrängen könnte. Gehört die Krankheit, die jedes Jahr Millionen Tote fordert, bald der Vergangenheit an?

Eine Anopheles-Mücke beim Blutsaugen, Quelle: AP

Eine Anopheles-Mücke beim Blutsaugen

Im Dunkeln leuchten die Augen der Hoffnungsträgerin grün. Denn um ihre neue, im Labor geschaffene Mücke von natürlichen Exemplaren unterscheiden zu können, haben Wissenschaftler der Johns Hopkins Universität ihr das Gen für das grün fluoreszierende Protein (GFP) eingesetzt. Doch das eigentlich revolutionäre an der gentechnisch veränderten Anopheles-Mücke ist nicht sichtbar: Sie ist resistent gegen Malaria.

Vorteil gegenüber dem Wildtyp

Schulerinnen in Uganda lauschen der örtlichen Malaria-Beraterin (Archivbild), Quelle: dpa

Schülerinnen in Uganda lauschen der örtlichen Malaria-Beraterin (Archivbild)

Wie das Forscher-Team um Mauro Marrelli in dem Wissenschafts-Journal "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichtet, zeichnet sich der neue Stamm durch eine höhere Überlebensfähigkeit aus. Stachen die Mücken im Labor mit Malaria infizierte Mäuse, überlebten mehr von den transgenen Exemplaren; sie legten zudem mehr Eier. Dadurch verschob sich das Verhältnis zwischen den Stämmen: Hatten die transgenen anfangs nur die Hälfte der Moskitos ausgemacht, waren es nach neun Generationen bereits 70 Prozent. Dagegen vermehrten sich die beiden Typen gleich schnell, wenn sie nicht-infiziertes Blut saugten. Dies lasse vermuten, so die Studie, dass "transgene malariaresistente Moskitos einen Selektionsvorteil gegen über nicht-transgenen haben", wenn sie in Kontakt mit infiziertem Blut kommen.

"Die Ergebnisse haben wichtige Implikationen für die Implementierung von Malaria-Kontrolle durch die genetische Veränderung von Moskitos", folgern die Forscher. Denn theoretisch wäre es möglich, einen resistenten Stamm in der Natur auszusetzen, damit er die natürliche Anopheles-Mücke verdrängt. Allerdings müssten sich die Gen-Mücken dazu auch dann schneller als der Wildtyp vermehren, wenn sie nicht mit dem Malaria-Parasiten Plasmodium in Berührung kommen.

Häufigste Todesursache von Kindern

In Niger wurden im vergangenen Jahr 3,4 Millionen solcher Moskito-Netze verteilt, Quelle: dpa

In Niger wurden im vergangenen Jahr 3,4 Millionen solcher Moskito-Netze verteilt

"Das ist eine sehr interessante Arbeit, die neue Perspektiven verspricht", sagt Jörg Hinrich Hacker, Professor für molekulare Infektionsbiologie an der Universität Würzburg. "Bei der Malaria gibt es ja die gute Situation, dass das Genom sowohl des Erregers als auch des Vektors bekannt ist." Es sei daher eine plausible Strategie, nicht am Erreger anzusetzen, sondern an der Mücke, die ihn verbreitet. Bevor die neuen Moskitos tatsächlich eingesetzt werden könnten, sei jedoch eine umfassende ökologische Bewertung nötig.

Auch Valentina Buj vom Malaria-Programm der Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor übertriebenem Optimismus. "Es ist noch sehr viel Forschung nötig, um festzustellen, ob die veränderten Moskitos gefahrlos ausgesetzt werden können."

Zusammen mit Tuberkulose und Aids gehört Malaria zu den tödlichsten Krankheiten: Jedes Jahr stecken sich 350 bis 500 Millionen Menschen an, zwischen 700.000 und 2,7 Millionen sterben daran. Vor allem in Afrika ist eine effektive Malaria-Bekämpfung dringend geboten: Hier leben neun von zehn Erkrankten; bei Kindern unter fünf Jahren ist die Krankheit die häufigste Todesursache.

Theorie und afrikanische Praxis

Ein südafrikanischer Gesundheitsbeamter besprüht eine Hütte mit DDT (Archivbild), Quelle: AP

Ein südafrikanischer Gesundheitsbeamter besprüht eine Hütte mit DDT (Archivbild)

Frank Mockenhaupt, Leiter der Arbeitsgruppe Malaria am Berliner Institut für Tropenmedizin, bezweifelt jedoch, dass die neue Mücke einen entscheidenden Schritt in der Bekämpfung der Seuche darstellt. Schon jetzt gebe es eine Reihe von Präventivmaßnahmen: Dazu gehöre etwa die frühzeitige Diagnose und Behandlung, die Verwendung von Moskitonetzen und der Einsatz des - wegen angeblicher, nie belegter Umweltrisiken lange verpönten - Insektizids DDT. Durch das Aussprühen von Häusern könne man die Übertragung um 90 Prozent reduzieren und sogar zum Abbruch bringen, erklärt Mockenhaupt. "Wenn man das alles kombinierte, könnte man die Sterblichkeit erheblich reduzieren."

Soweit die Theorie - die afrikanische Praxis sieht anders aus. So hätten lediglich 30 Prozent der Afrikaner Zugang zu regulären Behandlungseinrichtungen und die zwei bis drei Euro für ein Moskitonetz könnten viele nicht aufbringen, sagt Mockenhaupt. Für den systematischen Einsatz von DDT fehle vielfach die Infrastruktur. "Das Problem liegt nicht im Mangel an Interventionsmaßnahmen - sondern darin, dass die existierenden Möglichkeiten nicht genutzt werden."

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