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Deutschland

Mit Geigerzählern und Jod gegen die Angst

Die japanische Atomkatastrophe hält die Welt in Atem. Die Angst wächst auch in Deutschland - Apotheken und Elekromärkte verzeichnen erste Hamsterkäufe bei Medikamenten und Messgeräten.

Geigerzähler (Foto: dapd)

Werden knapp: Geigerzähler

Menschenmassen drängen sich durch die engen Gassen der Bonner Innenstadt. Herren in schicken Anzügen, Damen in hohen Stiefeln, Studenten mit Rastalocken, Familien mit Kinderwagen. Viele waren noch nie auf einer Demonstration. Warum gerade jetzt? "Wir sind zum ersten Mal dabei und durch die Katastrophe richtig aufgewacht", sagt eine Frau. Sie habe die Bilder der rauchenden Atomkraftwerke von Fukushima gesehen, erzählt eine andere. "Mir läuft es da kalt den Rücken runter", sagt sie.

Die Meldungen aus Japan machen den Menschen Angst - auch in Deutschland. Die Lufthansa fliegt nicht mehr nach Tokio. In Deutschland ankommende Flugzeuge werden innen und außen von der Feuerwehr überprüfen. Sie soll testen, ob die Flugzeuge durch eine radioaktive Wolke geflogen sind und kontaminiert wurden. Das wird über einen Wischtest überprüft. Es gebe aber bislang keinen einzigen radioaktiven Befund, sagt Lufthansa-Sprechers Thomas Jachnow gegenüber DW-WORLD.DE.

Geigerzähler werden knapp

Flugzeug (Foto: Richard Fuchs)

Die Lufthansa prüft ihre Flugzeuge auf Strahlung

Trotzdem machen sich immer mehr Menschen in Deutschland Sorgen. Viele von ihnen kaufen jetzt sogar Geigerzähler. Wie eine Sprecherin gegenüber DW-WORLD.DE mitteilt, sind beim Elektromarkt Conrad alle Geräte zur Messung radioaktiver Strahlung zurzeit ausverkauft - und das, obwohl die Geigerzähler mindestens 300 Euro kosten. Außerdem gehen in Deutschlands Apotheken immer häufiger Jodtabletten über die Ladentheke. Die Behörden in Japan haben der Bevölkerung das Medikament empfohlen; den Rat befolgen jetzt allerdings auch besorgte Deutsche.

Im Internet steigt der Verkauf von Jodtabletten, bestätigt Simone Brundiek, Sprecherin der Versandapotheke Sanicare, gegenüber DW-WORLD.DE. Sowohl beim Onlineshop der Versandapotheke gehen 30 Prozent mehr Bestellungen ein, als sonst. Aber auch bei der Hotline lassen sich immer mehr Kunden über Jodtabletten beraten. "Die Anfragen haben in den letzten Tagen ein bisschen zugenommen und heute nach Verschärfung der Lage in Japan hat sich das ganze dann noch mal verstärkt", berichtet Brundiek.

Schutz für die Schilddrüse?

Jodtabletten (Foto: dpa)

Starke Nachfrage auch in Deutschland: Jodtabletten

Wie wirken die Jodtabletten genau? Eigentlich verordnen Ärzte Jod bei Schilddrüsenerkrankungen. Wenn aber die Gefahr von radioaktiver Strahlung besteht, ist es sinnvoll, die Schilddrüse sozusagen mit "gutem" Jod zu füllen, damit dort kein radioaktives Jod mehr Platz hat. Allerdings sind die Jodtabletten stark dosiert und haben schwere Nebenwirkungen. Deshalb sollen sie nur in Ausnahmefällen wie derzeit in Japan eingenommen werden.

Darüber seien sich Deutschlands Apotheker einig, sagt Simone Brundiek von Sanicare: "Deshalb raten wir eindeutig, dass man wirklich erst dann, wenn die Behörden dazu raten, sich bitte diese zusätzlichen Jodrationen zuführen soll." Brundiek: "Wir gehen überhaupt nicht davon aus, dass das hier nötig sein wird." Auch die ABDA, die Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände, hat eine entsprechende Meldung herausgegeben.

Jodtabletten nur im Notfall

Demonstration (Foto: AP)

AKW-Gegner fordern Konsequenzen nach Fukushima

Die Versandapotheke Sanicare beliefert ausschließlich Kunden aus Deutschland. In diesem Fall handelt es sich um Kunden, die sich vorsorglich schützen wollen - und zwar nicht, weil sie nach Asien reisen, sondern weil sie ganz einfach verunsichert sind. Deshalb rät Sanicare jetzt auf Facebook offiziell davon ab, Jodtabletten einzunehmen. Auch auf die günstigen Jodpräparate, wie sie derzeit als Schnäppchen im Internet angeboten werden, sollte man nicht zurückgreifen. Die seien allesamt unseriös, warnt Simone Brundiek.

Die Einnahme von Jodtabletten ist wohl für die Deutschen eine schlechte Lösung, um mit ihrer Angst umzugehen. Die vielen tausend Demonstranten auf Deutschlands Straßen haben einen anderen Weg gefunden, sich mit der Bedrohung auseinanderzusetzen. Sie hoffen mit ihrem Engagement etwas zu bewirken. "Ich hoffe es weckt Aufmerksamkeit", sagt eine Atomgegnerin in der Bonner Innenstadt.

Für den Ausstieg aus der Atomenergie werden die Demonstranten weiter auf die Straßen gehen. Für den 26. März haben die Atomgegner zu Großdemonstrationen in vielen deutschen Städten aufgerufen. Angesichts der Katastrophe in Japan fordern sie schnelle Konsequenzen.

Autorin: Cora Theobalt

Redaktion: Dirk Eckert