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Wirtschaft

Mit Fruchtgetränken auf Erfolgskurs

Wer sich selbständig macht, sollte möglichst eine Nische besetzen. Die haben drei Bonner Studenten 2005 gefunden. Dafür erhielten sie jetzt den Deutschen Gründerpreis.

Flaschen der Sorten orange, purple und white der true fruits Smoothies (Quelle: true fruits)

Tropenfrüchte einmal anders

Knapp vier Jahre ist es her, da pressten und pürierten drei Studenten zu Hause kistenweise Obst. Sie forschten nach perfekten Rezepturen und Herstellungsprozessen. Denn zwei von ihnen hatten während ihres Auslandssemesters in Schottland leckere Smoothies getrunken. Das sind dickflüssige Fruchtgetränke, die es damals in Deutschland noch nicht gab - die in den USA und in Großbritannien allerdings bereits zu den Kultgetränken zählten.

Als der Saft respektive Brei aus Orangen, Brombeeren oder Ananasfrüchten die gewünschte sämige Konsistenz hatte und gut schmeckte, da stürzte sich das junge Team ins Unternehmertum - nicht ohne noch einige Hürden nehmen zu müssen - und gründete die Firma true fruits.

Qualität hat ihren Preis

Die true fruits Firmengründer Nicolas Lecloux, Inga Koster und Marco Knauf in der Bonner Zentrale (Quelle: true fruits)

Die true fruits Firmengründer Nicolas Lecloux, Inga Koster und Marco Knauf (v.l.n.r.) in der Bonner Zentrale

Als sehr schwierig stellte sich heraus, einen Abfüller für die Smoothies zu finden. Nach langer Suche, so Nicolas Lecloux, einer der Mitbegründer, habe man die Firma Streker in Stuttgart gefunden. Ein familiengeführtes Fruchtsaftunternehmen in der fünften Generation. Von Strekers stammt auch der Apfelsaft, der das pürierte Obst flüssiger macht. Ein Naturprodukt, sagt Nadine Scherf, die für die Öffentlichkeitsarbeit bei true fruits zuständig ist.

Und die Qualität schlägt sich auch im Preis nieder: ein Viertelliter kostet rund 2,20 Euro. Aber der Preis stimme mit der Qualität überein. So würden nur reife Früchte verarbeitet, sagt Scherf. Halbrohe Bananen oder grüne Ananas, die im Container über die Meere schippern, würden nicht genommen. Frisch vom Strauch oder Baum müssten die Früchte sein, die dann vor Ort bereits püriert und abgepackt werden.

Ausgezeichnetes Produktdesign

Banane (Quelle: AP)

Säfte aus reiner Frucht

Smoothies von true fruits bestehen also aus reiner Frucht, nicht aus Fruchtkonzentrat: "Für uns ist das Prinzip wichtig: true fruits, no tricks", sagt Nadine Scherf: keine Tricks, keine Manipulationen. Beim Produktdesign lautet die Devise: keine reißerische Verpackung, um die Kunden zu beeinflussen. So gibt es Smoothies nicht in Plastik- oder PET-Verpackungen, sondern in kleinen eleganten Glasflaschen. Für das Design hat true fruits 2007 den internationalen Verpackungspreis WorldStar gewonnen.

Mit 10.000 verkauften Smoothies im Monat haben die Jungunternehmer damals angefangen. Heute sind es monatlich etwa eine halbe Million, die über die Ladentheken gehen. All das ohne Werbung, sagt Nicolas Lecloux. Die Glasflaschen mit der weißen Keramikaufschrift und mit flotten Sprüchen wie "Achtung Suchtgefahr weil a) köstlich und b) sehr gesund" sprächen doch für sich.

Schwierige Finanzierung für Selbständige

Derzeit sind sechs verschiedene Geschmacksrichtungen auf dem Markt. Immer wieder werden in der Firmenküche neue Obstmischungen ausprobiert. Denn die Regale in den Handelsketten wollen gefüllt werden. Dabei war es keineswegs leicht, dort überhaupt Fuß zu fassen. Private Kontakte machten es möglich, dass die Smoothies in einem Supermarkt in Bonn landeten. Das Produkt gehört heute zum Sortiment der Rewe-Handelskette.

Doch nicht nur der Vertrieb zählte zu einer schwierigen Etappe der Jungunternehmer. Sich in Deutschland selbständig zu machen, sei nicht gerade einfach, sagt Nicolas Lecloux. Da sei zum einen die Bürokratie. Aber auch die Finanzierung sei so eine Sache. Bei der Hausbank Geld zu bekommen, sei sogar extrem schwierig gewesen. Und dann wird Lecloux recht nachdenklich: "Wenn man überlegt, wie viel Geld die Banken für faule Kredite rausgeschmissen haben - dagegen aber ein paar junge Gründer zu unterstützen, das fällt ihnen wesentlich schwerer. Das ist schon bitter."

Autorin: Monika Lohmüller

Redaktion: Henrik Böhme