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Sport

Mit frischem Wind zur WM

Das deutsche Nationalteam startet mit verhaltenem Optimismus bei der Handball-WM in Spanien. Bundestrainer Heuberger muss auf einige Routiniers verzichten und wagt Experimente mit vielen WM-Debütanten.

Nach einem souveränen 35:28-Kantersieg über Rumänien hat sich die deutsche Handball-Elite auf die Reise ins Ungewisse gemacht – mit einer komplett umformierten Mannschaft zur zweiwöchigen Weltmeisterschaft nach Spanien (bis zum 27. Januar).  "Es war eine ordentliche Vorstellung", zeigte sich Bundestrainer Martin Heuberger zufrieden mit der gelungenen Generalprobe am Dienstag. "Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass die Mannschaft mit Spaß Handball gespielt hat." In den davor absolvierten beiden Testspielen gegen den Olympia-Zweiten Schweden hatte die deutsche Auswahl trotz der guten Ergebnisse (26:20 und 28:28) noch einige Schwächen offenbart.

Die Mischung macht´s

Die Deutschen sind mit großer Zuversicht und mit einem völlig neuen Kader auf die iberische Halbinsel gereist. Bundestrainer Martin Heuberger hat sein Team umgekrempelt, gleich sieben neue Gesichter sind dabei. Die Mischung aus jungen Wilden und routinierten Altstars um Kapitän Oliver Roggisch soll es richten bei der WM. "Wir haben gute Typen dazubekommen", berichtet der Abwehrchef. Die Stimmung sei gut. Es wehe ein neuer Wind. Die Jungen fordern die Alten heraus.

Heuberger musste den Kader umbauen, weil einige der Stammkräfte fehlen: So zog sich Uwe Gensheimer eine schwere Verletzung zu (Riss der Achillessehne). Holger Glandorf und Lars Kaufmann verzichteten ebenfalls aus medizinischen Gründen vorsichtshalber auf die WM, was beim Bundestrainer nicht unbedingt auf Verständnis stieß: Denn Glandorf spielt längst wieder für seinen Verein.

Der Kader der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Hinten (l-r): Teamkoordinator Tom Schneider, Christoph Theuerkauf, Steffen Weinhold, Patrick Wiencek, Oliver Roggisch, Sven-Sören Christophersen, Physiotherapeut Reinhold Roth ; Mitte (l-r): Co-Trainer Frank Carstens, Physiotherapeut Peter Gräschus, Kevin Schmidt, Stefan Kneer, Adrian Pfahl, Michael Haaß, Steffen Fäth, Mannschaftsarzt Dr. Marco Kettrukat, Bundestrainer Martin Heuberger Vorn (l-r): Dominik Klein, Martin Strobel, Torwart Silvio Heinevetter, Torwart Carsten Lichtlein, Patrick Groetzki und Tobias Reichmann. (Foto: Thomas Niedermüller/dpa)

Jung und alt vereint: Der frisch durchgemischte WM-Kader der deutschen Handball-Nationalmannschaft.

Trainer Heuberger, der vier der neuen Spieler bereits zum Jugend-WM-Titel geführt hat, freut sich nun angeblich "auf die sich daraus ergebenen Möglichkeiten". Deutschland stelle "einen Kader mit Perspektive". Das sieht der Weltmeistertrainer und jetzige Sportmanager Heiner Brand ähnlich: "Es ist natürlich erfreulich, dass die jungen Leute den Sprung geschafft haben. Mit der Unterstützung der erfahrenen Spieler traue ich ihnen eine gute Leistung in Spanien zu." Und auch Ex-Nationaltorwart Johannes Bitter bescheinigt dem Team WM-Tauglichkeit: "Wenn die Jungs gut in das Turnier kommen und als Mannschaft funktionieren, ist durchaus mehr als das Achtelfinale möglich."

Achtelfinale als Minimalziel

Die DHB-Auswahl startet am heutigen Samstag (16 Uhr MEZ) mit ihrem Spiel gegen Brasilien in das Turnier. Die weiteren Gruppengegner sind Titelverteidiger und Olympiasieger Frankreich, Afrikameister Tunesien, Argentinien und Montenegro. Für das Achtelfinale qualifizieren sich die ersten vier Teams der vier Sechsergruppen. Und das Achtelfinale sei das Minimalziel, sagte DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier. "Bei einer guten Vorrunde ist auch das Viertelfinale drin." Danach sei alles offen.

Nach den enttäuschenden letzten Jahren und der ernüchternden Europameisterschaft 2012 in Serbien, die Deutschland nur als Siebter abschloss, sollen die Fans wieder etwas geboten bekommen. Allerdings haben nur drei Akteure mehr als 100 Länderspiele auf dem Buckel und nur vier Spieler waren beim WM-Erfolg 2007 dabei. Die "Frischlinge" müssen ihre fehlende Erfahrung durch Einsatzstärke und Siegeswillen kompensieren. Die DHB-Auswahl befindet sich im Umbruch, doch für die WM scheint bei guter Tagesform dennoch einiges möglich zu sein. In diesem Jahr sind Deutschlands Handballer bislang immerhin noch ungeschlagen.

Bei den Buchmachern ist Gastgeber Spanien Topfavorit auf den zweiten WM-Titel nach 2005. Beim Eröffnungsspiel der Handball-WM stellten die Iberer ihre Titelambitionen eindrucksvoll unter Beweis. Vor den Augen des spanischen Kronprinzen Felipe gewannen sie am Freitag gegen den sechsfachen Afrikameister
Algerien mit 27:14 (14:5). Auch die Franzosen, die bei den letzten beiden Weltmeisterschaften triumphiert hatten, haben Chancen auf den Titel, zudem zählen Kroatien sowie der Europameister von 2012, Dänemark, zu den Favoriten.

Der deutsche WM-Kader

Tor: Silvio Heinevetter (Füchse Berlin, 83 Länderspiele/0 Tore), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo, 157/1)

Rückraum Mitte: Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen, 97/149), Martin Strobel (TBV Lemgo, 68/82)

Rückraum links: Sven-Sören Christophersen (Füchse Berlin, 82/137), Stefan Kneer (SC Magdeburg, 27/44), Steffen Fäth (HSG Wetzlar, 4/4)

Rückraum rechts: Steffen Weinhold (SG Flensburg-Handewitt, 33/58), Adrian Pfahl (VfL Gummersbach, 44/125)

Linksaußen: Dominik Klein (THW Kiel, 155/291), Kevin Schmidt (HSG Wetzlar, 2/7)

Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen, 40/82), Tobias Reichmann (HSG Wetzlar, 8/25)

Kreis: Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen, 182/36), Patrick Wiencek (THW Kiel, 29/46), Christoph Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten, 43/88)