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Bildung

Mit Facebook und Twitter im Parlament

Er gehört zur Handvoll Studierender, die es unter den 622 Parlamentarien im Deutschen Bundestag gibt: Florian Bernschneider. Der Student der Betriebswirtschaft ist 22 Jahre alt und der jüngste Bundestagsabgeordnete.

Florian Bernschneider, FDP-Abgeordneter im Bundestag (Foto: privat)

Florian Bernschneider

Es ist Montagmorgen, die Regale sind noch leer, der Schreibtisch auch. Eine Putzfrau schiebt den Staubsauger über den Teppichboden. Ein paar Wochen sind bereits seit der Bundestagswahl vergangen. Doch bis alle Abgeordneten ihre neuen Büros beziehen können, dauert es eine Weile. Als neuer Abgeordneter der liberalen Partei FDP muss sich Florian Bernschneider erstmal zurechtfinden im Bundestag. Und während seine Kommilitonen Praktika im Betrieb machten, führte der Betriebswirtschaftsstudent erst einmal Bewerbungsgespräche – auf der Chefseite.

Jeder Abgeordnete im Bundestag kann auf Kosten des Parlaments zwei bis drei Mitarbeiter einstellen. Dabei geholfen hat ihm ein älterer Kollege. Denn in der FDP-Fraktion bekommt jeder neue Abgeordnete einen älteren Abgeordneten als Paten zugewiesen, der ihn in den ersten Wochen überall hin mitnimmt. Patrick Döring ist selbst seit vier Jahren im Bundestag und arbeitete nun zum ersten Mal einen Abgeordneten ein. "Mich hat schon beeindruckt, wie er den Medienandrang in den ersten Tagen bewältigt hat", erzählt er.

Journalistentricks

Als jüngster Abgeordneter stand Bernschneider vom ersten Tag an im Scheinwerferlicht. Namhafte Zeitungen porträtierten ihn, im Fernsehen lief eine halbstündige Dokumentation über seine ersten Wochen im Bundestag. "Pass auf, dass Du in dem ganzen Medienbetrieb als neuer Abgeordneter nicht untergehst", hatten ihn Parteifreunde gewarnt. Das Gegenteil war der Fall: Über kaum einen Abgeordneten wurde so viel berichtet wie über ihn.

Florian Bernschneider, FDP-Abgeordneter, vor dem Bundestag in Berlin (Bild: FDP-Bundestagsfraktion)

BWL-Student Florian Bernschneider ist der jüngste Parlamentarier im Deutschen Bundestag.

Gerade als junger Mensch sei er sehr vorsichtig, sagt Bernschneider. "Viele Journalisten denken nämlich, sie könnten mich aufs Glatteis führen, weil ich noch nicht so erfahren bin." In den ersten Wochen, erzählt er, hätten Medienleute versucht, aus ihm Interna der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und FDP herauszulocken und die Namen des zukünftigen Kabinetts zu erfahren.

Generation Facebook

Doch bis jetzt hat er es geschafft, sich noch nicht aufs Glatteis führen zu lassen. Er ist von seiner Fraktion in den Familienausschuss gewählt worden – und soll sich dort um die Themen Jugend und Generationengerechtigkeit kümmern. Außerdem ist er Stellvertreter im Bildungs- und im Innenausschuss. Bernschneider twittert dort aus dem Alltag eines Abgeordneten.

"Sitze gerade in der Generaldebatte zum Haushalt. Merkel spricht sich klar für eine Steuerstrukturreform und Steuersenkungen aus", steht da zum Beispiel. Oder: "Ich weiß noch nicht richtig, wie man als Abgeordneter zunehmen soll. Mittagessen fällt mal wieder aus. Jetzt geht's zur Jungen Gruppe." Der jüngste Abgeordnete des Deutschen Bundestages ist das Gesicht der "Generation Facebook" im Parlament. So internetversiert wie er dürfte kaum ein anderer Politiker sein. Kein Wunder, dass seine neuen Visitenkarten natürlich mit Twitter und Facebook-Account bedruckt sind.

Keine Zeit für Freizeit

Der FDP-Abgeordnete Florian Bernschneider im Reichstag in Berlin vor einem Plakat seiner Partei (Foto: dpa)

Der Student vor dem Reichstag

Die ersten Monate im Bundestag waren für Florian Bernschneider vollgepackt mit Arbeit. Mehr von Berlin zu sehen, als den Bundestag und die Wohnung eines Freundes, in der er erstmal zur Zwischenmiete eingezogen ist, hat er noch nicht geschafft. Aber das soll sich ändern. Die jungen Abgeordneten seiner Fraktion wollen sich demnächst abends treffen. "Um dann einfach mal was davon zu haben, hier in Berlin zu sein", sagt Bernschneider und sieht aus, als ob er daran noch nicht ganz glaubt.

Und dann ist da ja noch sein Studium. Er sei sich sicher, dass er wie geplant im Sommer abschließen kann, beteuert er. Viel fehle ihm nicht mehr zu seinem Bachelor. Denn auf dem nächsten Wahlzettel soll dann unter Beruf nicht mehr "Student" stehen.

Autor: Mathias Bölinger
Redaktion: Sabine Damaschke