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Wirtschaft

Mit Euro pauken - die neue Währung in der Schule

Sind die Schulbücher mit D-Mark-Rechenaufgaben veraltet?

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Hausaufgaben demnächst in Euro statt in D-Mark?

"Es gibt keine Initiative des Landes oder übergeordneter Dienststellen, die die Kommunen verpflichten würden, alle Mathematik-Bücher, in denen noch D-Mark-Beträge ausgewiesen sind, zum Altpapier zu geben", sagt Hans-Werner Neulen, stellvertretender Leiter des Schulverwaltungsamtes Köln.

Warum auch? Wer nicht weiß, wie 6,25 Prozent von 20.000 berechnet werden, dem ist auch nicht geholfen, wenn in der Aufgabe jetzt Euro statt Mark steht. Aber nicht alles, was im Mathematik-Unterricht durchgenommen wird, ist reine Zahlenspielerei. Gerade im Anfänger-Unterricht gibt es viele Sachaufgaben. Da macht es wohl einen Unterschied, ob eine Dose Hundefutter 1,79 Mark oder 92 Cent kostet. Wie sonst sollen die Schüler ein Gespür für Preise und Kalkulation entwickeln? Elke Küppers, Lehrerin an der Kölner Gemeinschafts-Grundschule Bachemer Str., bringt Alltag und Zahlen unter einen Hut:

"Ich habe Verkaufsstände aufgebaut und wir haben dann in Euro eingekauft. Als die Kinder relativ sicher mit dem Geld waren, habe ich Rechnenaufgaben zu dem Euro gegeben, die dann im Prinzip im gleichen Zahlenraum sind, da verändert sich nicht viel."

In den Grundschulen beansprucht der Posten Lernmaterial zur Euro-Einführung in diesen Schuljahr ein Gutteil des Budgets. Aber nicht jede Schule kann sich für alle Klassen nagelneue Lehrbücher leisten. Manche Schulbuch-Verlage geben sich da kundenfreundlich. So zum Beispiel hat der Klett-Verlag für eines seiner Mathematik-Bücher Einlegeblätter im Angebot, als Ersatz für besonders D-Mark lastige Seiten. Die Lehrbuchseite ist die Gleiche. Doch die Aufgaben wurden eurogerecht überarbeitet. Ein Klassensatz Einlegeblätter kostet nur ein Bruchteil dessen, was die Schule für ein Klassensatz Lehrbücher bezahlen müßte. Die Schüler lernen gleichzeitig noch, im Blätterwald Ordnung zu halten.

Am Gymnasium rückt der Euro dann in ein ganz anderes Licht. Spätestens am Ende der Orientierungsstufe wird er ein Fall für das Fach Politik. Das gemeinsame Haus Europa, die Europäische Wirtschafts- und Finanzunion. Das sind dann die Themen, die die Gemüter bewegen, weit mehr als die schnöde Münze. So verwundert es nicht, dass ein Gymnasiast in Extensio über die Vor- und Nachteile des Euro referieren kann. Aber nicht weiß, ob es 5-Eurostücke geben wird oder nicht. In den Schulbücher jedenfalls steht so gut wie nichts davon. Eurogerechte Lernmaterialien sind größtenteils Fehlanzeige. Giesbert Gemein, Schulleiter am Kölner Schiller-Gymnasium, nimmt es historisch gelassen:

"Ich könnte sagen, Lehrer sind heute genau so wie in einer Nachkriegssituation mit Mangelsituationen durchaus vertraut. Sie können damit auch kindgemäß umgehen. Das ist aber kein erstrebenswerter Zustand, dass ich nur Schule aus Mangelsituationen mache. Ich kann mir bessere vorstellen."

Dabei sind statistisch gesehen genügend Lehrbücher vorhanden. Was fehlt, sind moderne Lehrbücher. Aber die meisten Bücher werden von einer Schülergeneration zur nächsten weitergereicht. So wie es im Gesetz über Lernmittelfreiheit vorgesehen ist. Sechs bis sieben Jahre kursiert so ein Buch. Mathe- und Physik-Bücher auch schon einmal doppelt so lange. Das Dumme daran ist, gehen die Schüler mit den Büchern pfleglich um - was ja eigentlich zu loben wäre - hat die Schule selten Veranlassung neue Lehrbücher zu kaufen. Hans-Werner Neulen, stellvertretender Leiter des Schulverwaltungsamts Köln, kümmert sich um den hausgemachten Mangel:

"Die Beträge sind vom Land festgelegt worden. Ich glaube, das ist schon sehr lange her, nämlich im Jahr 1989. Die Stadt Köln gibt in diesem Zusammenhang acht Millionen Mark aus. Das Ministerium denkt nicht daran, diese Summe kurzfristig zu erhöhen. Das hängt auch mit der finanziellen Situation des Landes zusammen."

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