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Europa

Mit erneuerbaren Energien aus der Krise?

Der griechische Energiesektor bietet enormes Potenzial und gute Geschäftschancen - doch rechtliche und administrative Hürden bremsen die Investoren. Manche von ihnen finden allerdings clevere Lösungen.

Zuerst einmal die gute Nachricht: Spätestens seit Ausbruch der Schuldenkrise versucht Griechenland, Anreize für den Ausbau erneuerbarer Energien zu verstärken, damit Investoren ins Land kommen. Noch vor zwei Jahren hatte die damalige sozialistische Regierung von Giorgos Papandreou Ökostrom-Anlegern bis zu 47 Cent pro Kilowattstunde garantiert und dadurch einen Solar-Boom unter griechischer Sonne ausgelöst: Mehr als 90 Prozent der griechischen Solaranlagen wurden in den vergangenen drei Jahren errichtet. Auch für Wind, Biomasse und Erdwärme sollten Anleger begeistert werden.

Mittlerweile wurden die Einspeisevergütungen deutlich gesenkt. Und auch sonst ist Ernüchterung eingekehrt, glaubt Efthymios Mouratidis, Mitarbeiter einer deutsch-schweizerischen Energiefirma, die in Griechenland investiert hat: "Sowohl im Wind- als auch im Solarbereich gibt es ideale Bedingungen, wie es sonst ganz wenige Plätze auf der ganzen Welt gibt", schwärmt der Ökonom. "Aber", so fügt er hinzu, "das Problem ist die lokale Administration, die versucht, möglichst viele Steine in den Weg zu legen."

Solaranlage auf Kreta - Foto: Waltraud Grubitzsch (dpa)

Sonnenkollektoren auf Kreta: Nahezu ideale Bedingungen für Solarenergie

Seit Jahren arbeitet die griechische Regierung an der Modernisierung des Rechtsrahmens zur Förderung erneuerbarer Energien und hat auch Erfolg damit - zumindest auf dem Papier. An der Umsetzung hapere es jedoch, klagt Volkswirt Mouratidis, der in Bonn studiert hat: "Der gesetzliche Rahmen ist nicht so schlecht, wie er oft dargestellt wird. Das Problem ist, dass die einzelnen Dienststellen einfach beim Genehmigungsverfahren schlampen oder es versuchen hinauszuzögern."

Kreativität trifft auf Bürokratie

Dennoch versuchen findige Geschäftsleute immer wieder, Wege durch den administrativen Dschungel zu bahnen - wie etwa Nikos Psaras, Inhaber eines Geothermie-Unternehmens mit Sitz in Athen. Dass man die Erdwärme zur Gewinnung von Strom überhaupt nutzen kann, erfuhr er in den späten 1990er Jahren bei einem Kurzaufenthalt in den USA. Zu diesem Zeitpunkt war Psaras als Subunternehmer für eine internationale Consultingfirma im Einsatz. Seit 2002 ist der Chemieingenieur ausschließlich im Bereich Geothermie tätig - mit wachsendem Erfolg und trotz aller Widrigkeiten.

Anfangs hätten ihn viele für verrückt erklärt, sagt Psaras. Dass er sich auf ein genau definiertes Marktsegment spezialisieren wollte, sei damals unvorstellbar gewesen. Und außerdem: "Vor 2004 gab es nicht einmal einen Rechtsrahmen für die Nutzung der Geothermie, wir haben also im Grunde genommen illegal gehandelt. Manchmal versteckten wir unsere Ausrüstung in einem Militärzelt. Oder wir beantragten eine andere, gesetzlich vorgesehene Tätigkeit, damit wir unserer eigentlichen Arbeit einigermaßen ungestört nachgehen konnten." Es sei eine Zeit voller Strapazen und Anstrengungen gewesen, erinnert sich der 38-Jährige.

Nikos Psaras - Foto: Jannis Papadimitriou (DW)

Geothermie-Pionier Psaras: "Am Anfang wurde ich für verrückt erklärt"

Die Mühe hat sich offenbar gelohnt: 13 Mitarbeiter sind heute bei Psaras in Lohn und Brot, gerade hat seine Firma moderne Büros bezogen. Zwar laufe der griechische Markt für Geothermie in Krisenzeiten mehr schlecht als recht, doch in der Tourismusbranche gebe es durchaus interessante Nischen, sagt der Mann aus Patras. Zumal die EU den Umbau auf Erdwärme kräftig unterstütze. "Um nur ein Beispiel zu geben: Neulich haben wir ein kleines Hotel umgerüstet, das im vergangenen Jahr jeden Monat 9900 Euro für Erdgas und 5000 für Strom gezahlt hat. Heute spart der Hotelier 6600 Euro im Monat. Rund 180.000 Euro hat die Investition gekostet, die Hälfte davon wird mit EU-Geldern finanziert", erläutert der Unternehmer.

Großinvestitionen erwünscht

Während Kleinunternehmen vom Ausbau der erneuerbaren Energien in Griechenland profitieren, steht so manche Großinvestition weiterhin auf der Kippe. Zum Beispiel das Projekt "Helios": 2011 hatte die Athener Regierung "den größten Solarpark Europas" angekündigt - mit einer Produktionskapazität von zehn Gigawatt im Jahr 2050. Aus dem künftigen Strom-Export hatte sich der damalige griechische Umweltminister Jorgos Papakonstantinou Jahreseinnahmen von bis zu vier Milliarden Euro versprochen.

Daraus wird wohl erst mal nichts, sagt Efthymios Mouratidis: "Das Programm war sehr ambitioniert. Es wurde sowohl von griechischer Seite, als auch insbesondere von deutscher Seite sehr stark angekündigt, doch leider ist es im Sand verlaufen", moniert der Ökonom und Energieexperte.

Über die Gründe dafür kann nur spekuliert werden. Nach Informationen des Energie-Fachportals econews.gr sei das Projekt auf Eis gelegt worden, da potentielle Geldgeber - unter ihnen die EU und die Europäische Investitionsbank - einfach zu wenig Interesse gezeigt hätten.