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Wissen & Umwelt

Mit erneuerbaren Energien aus der Klimakrise

Die Treibhausgasemissionen steigen ungebremst. Hauptverursacher sind fossile Energien. Die nächste Generation könnte eine vier Grad wärmere Welt erleben. Aber Szenarien zeigen einen Ausweg.

120 Experten aus der ganzen Welt untersuchten im Auftrag des Weltklimarates, welcher Weg aus der Klimakrise führen kann. Die Experten nahmen 160 Energieszenarien zum Umstieg auf erneuerbare Energien unter die Lupe und erstellten im Mai 2011 auf 1000 Seiten einen umfassenden Bericht. "Nahezu 80 Prozent der weltweiten Energieversorgung könnte bis 2050 mit erneuerbaren Energien erreicht werden“, so das Fazit der Experten.

Das "World Energy Scenario" vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) ist eines der Szenarien, auf die sich der Bericht stützt. Unter internationalen Energieexperten gilt es als eines der wegweisenden für den globalen Umstieg auf erneuerbare Energien.

Im Auftrag von Greenpeace International und dem europäischen Dachverband der erneuerbaren Energien (EREC) untersuchen und skizzieren die DLR-Wissenschaftler seit Jahren regelmäßig den möglichen Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung. Dabei berechnen sie auch die Effekte auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt.

Mit Szenarien zu zehn Weltregionen und über 40 Ländern gelten die frei zugänglichen Berichte und Daten weltweit als wichtiges Werkzeug für Wissenschaft, Politik und Nichtregierungsorganisationen.

Infografik: Szenario für Umstieg auf erneuerbare Energien

Nach DLR-Szenario könnten erneuerbare Energien 84 Prozent der globalen Energien 2050 decken. Der CO2-Ausstoß würde auf ein Zehntel gesenkt und die Klimaerwärmung auf wahrscheinlich zwei Grad begrenzt.

Mehr Nutzen mit weniger Energie

Um die Weltbevölkerung von über neun Milliarden Menschen im Jahr 2050 in allen Lebensbereichen ausreichend mit klimafreundlicher Energie zu versorgen, sehen die DLR-Experten die Energieeffizienz als einen zentralen Baustein. Im Vergleich zu heute könnte die eingesetzte Energie, die sogenannte Primärenergie, um 60 Prozent effizienter genutzt werden, heißt es im Bericht.

Mit weniger Primärenergie ließe sich demnach der gestiegene Energiebedarf von neun Milliarden Menschen decken. Große Einsparpotentiale gibt es zum Beispiel bei Gebäuden: Über 80 Prozent der Energie ließen sich durch Dämmung und effiziente Technik einsparen.

Umkehr der Energieversorgung bis 2050

Heute decken die fossilen Energien etwa 80 Prozent des Weltenergiebedarfs. 2050 könnten es nach dem vierten "World Energy Scenario" (2012) vom DLR - dem sogenannten "energy (r)evolution scenario" - nur noch 16 Prozent sein. Die Kohleverbrennung würde demnach im Vergleich zu heute auf ein Achtel, die Öl- und Gasnutzung im Vergleich auf ein Viertel zurückgehen. Gas und Öl wäre fast nur noch im Transportsektor nötig.

2050 könnten die erneuerbaren Energien den Weltenergiebedarf zu 84 Prozent decken. Das größte Potenzial sehen die Experten in der Sonnenkraft mit 28 Prozent, gefolgt von Erdwärme mit 24 Prozent und Biomasse mit 15 Prozent. Der Windanteil liegt in dem Szenario bei 10, die Wasserkraft bei 4 und die Meeresenergie (Wellen- und Strömungsenergie) bei 2 Prozent.

Die Sonnenkraft sehen die Experten als klimafreundlichen Energielieferant in vielen Sektoren: Sonne könnte viel Wärme für Gebäude und industrielle Prozesse liefern und rund 35 Prozent des globalen Strombedarfs. Ebenfalls stark wachsen soll nach Ansicht der Experten die Geothermie. Mit Wärmepumpen soll die Wärme aus der Erde vor allem Gebäude heizen.

Einen großen Anteil an der Stromversorgung soll nach Ansicht der DLR-Wissenschaftler der Windstrom übernehmen. Heute deckt er 3 Prozent des globalen Strombedarfs, 2050 könnten es 30 Prozent sein.

Trend zur erneuerbaren Stromversorgung seit zehn Jahren

Weltweit hat der Trend zu den erneuerbaren Energien bereits eingesetzt und ist vor allem im Stromsektor sichtbar. Über die Hälfte der neu gebauten Kraftwerke nutzen inzwischen die Kraft der erneuerbaren Energien, vor zehn Jahren lag der Anteil im Vergleich bei nur zwölf Prozent.

Spitzenreiter war bis 2012 bei den Neuinstallationen im erneuerbaren Kraftwerkspark noch die Windenergie. 2013 wurde sie von der Solarenergie knapp überholt.

Energieumbau wird günstig

Technisch möglich sei der globale Energieumbau mit erneuerbaren Energien, davon zeigen sich führende Energieexperten überzeugt. Die Technik sei schon heute für den Einsatz im großen Maßstab da, wichtig sei, dass "wir schnell anfangen“, sagt Eicke Weber, Leiter vom Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme, im DW-Interview.

Der ökonomische Vorteil beim Umstieg auf erneuerbare Energien sei bereits heute zu sehen, sagt Weber: "Es fängt an, sich ökonomisch zu lohnen. Solarenergie ist preiswert geworden und Windkraft genauso, so dass wir Strom für ungefähr den halben Preis im Vergleich zu dem aus Dieselöl gewinnen können. Und wir werden jetzt auch konkurrenzfähig mit allen anderen fossilen Energieträgern.“ Aktuelle Studien von Fraunhofer und dem Beratungsunternehmen Prognos belegen diesen Trend.

Dass der weltweite Energiebedarf mit erneuerbaren Energien weltweit gedeckt werden kann, zeigt eine Weltkarte im Bericht des Weltklimarates. Demnach ist das Potenzial auf den Kontinenten 3 bis 200 Mal größer als der regionale Verbrauch und groß genug, um auch den steigenden Energiebedarf von Schwellen- und Entwicklungsländer zu decken.

Europas führender Solarforscher Weber erzählt, dass er im Gespräch mit Politikern und Entscheidungsträgern weltweit große Aufmerksamkeit erlebe - und auch die Zustimmung, dass gegen den Klimawandel und für die internationale Energiewende etwas getan werden müsse.

Doch "zwischen den öffentlichen Erklärungen und den detaillierten Handlungen der Politiker ist noch ein himmelweiter Unterschied“, sagt Weber. "Die Lobbyinteressen fließen mit ein. Ich sehe nur sehr wenige Politiker die über Klimaschutz und erneuerbare Energien reden und dies in ihren Handlungen konsequent umsetzen.“

Laut Weber versucht die konventionelle Energiewirtschaft, den Energieumbau kräftig zu bremsen. "In den letzten anderthalb Jahren haben wir eine unglaubliche Kampagne erlebt, die versucht, die Energiewende in Deutschland und auch global zu unterminieren", sagt er. "Wir müssen uns klar sein, dass der Übergang auf ein neues Energiesystem auch Verlierer mit sich bringt. Und diese Verlierer lassen sich nicht gern ihr Pfründe wegnehmen.“