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Bücher

Mit Diener Rudolf auf Schillers Spuren

Wie hat er wohl gelebt? Und was war er eigentlich für ein Mensch, dieser Friedrich Schiller? Auskunft gibt "Diener Rudolf" beim historischen Spaziergang durch Weimar.

'Diener Rudolf' in Weimar (Foto: Silke Bartlick)

Mit Diener Rudolf durch Weimar

Diener Rudolf entpuppt sich bei näherer Betrachtung als eine Frau. Madame Schiller hätte das seinerzeit womöglich gestört, den Touristen heute indes ist es herzlich egal. Zumal dieser weibliche Rudolf sehr charmant ist, ganz offenkundig belesen und höchst kurzweilig vom Herrn Schiller zu erzählen vermag. Gerade so, als wäre der nur eben mal für ein paar Tage fortgefahren und könnte mit einer der nächsten Postkutschen wieder nach Weimar hineinrumpeln. Wie bei seinem ersten Besuch des thüringischen Residenzstädtchens im Jahre 1787.

Unsichere Jahre

"In Weimar", verrät Diener Rudolf alias Stadtführerin Sandra Sembdner, "ist seine Geliebte aus Mannheim, und das ist die Charlotte von Kalb. Die wohnt hier schon etwas länger, die hat sich auch einer Augenoperation unterzogen, und die lädt ihn dann hierher ein. Und Schiller denkt: Halten wir mal an!"

Weimar, Park an der Ilm (Foto: Silke Bartlick)

Weimar, Park an der Ilm

Zunächst eine Woche blieb der junge Mann, der bereits ein bewegtes Leben hinter sich hatte: Kindheit in Marbach, Lorch und Ludwigsburg, Ausbildung an der Militärschule von Herzog Karl Eugen, abgebrochenes Jura- und abgeschlossenes Medizinstudium, heimliche Lektüre verbotener schöngeistiger und philosophischer Schriften, erste Schreibversuche und 1782 dann die Uraufführung von 'Die Räuber' in Mannheim. Jubelstürme beim Publikum, aber Zorn beim Herzog: 14 Tage Gefängnis, Schreibverbot für Schiller, schließlich die Flucht. Es folgten unsichere Jahre mit Geldnot, weiteren Veröffentlichungen und häufigen Krankheiten. Mit 28 Jahren dann der Besuch in Weimar.

Weimarer Klassik

'Diener Rudolf' in Weimar (Foto: Silke Bartlick)

Hier begegnet man der Vergangenheit auf Schritt und Tritt

"Das war schon etwas ganz Besonders", verrät Diener Rudolf. "Er ist ja dann unter den Großen! Als Schiller allerdings hierher kommt, ist Goethe nicht da. Goethe ist in Italien. Der ist auf Reisen. Der Herzog Karl August, den er auch treffen möchte, ist auch nicht da. Wieland ist da, und Herder ist da. Und Wieland führt ihn dann auch in die Gesellschaft mit ein, gerade bei der Herzogin Anna Amalia. Ja, und Schiller entscheidet sich dann, länger zu bleiben".

Am heutigen Theaterplatz fand Schiller eine erste Wohnung, zog aber bald an den Frauenplan um, also in die direkte Nachbarschaft des abwesenden Herrn von Goethe. Ein Schild am Haus erinnert an den früheren prominenten Bewohner. Das muss man sich natürlich ansehen. Diener Rudolf zieht den Hut kess ins Gesicht, stapft mit forschen Schritten durch Weimars älteste Gasse und erzählt dabei allerlei Anekdötchen: von Goethe und der Frau von Stein, vom Großherzog Karl August und von Schiller, dessen Gönnern und Lieben.

'Diener Rudolf' in Weimar (Foto: Silke Bartlick)

Diener Rudolf

"Sein Freund, der Wilhelm von Wolzogen, der kommt ja aus Thüringen. Und der hatte hier in Rudolstadt zwei hübsche Cousinen gehabt. Und das sind die Caroline und die Charlotte von Lengefeld. Und da man natürlich hier in der Nähe ist, das ist nur 35 Kilometer entfernt, setzen die zwei jungen Männer sich jeder auf einen Esel, und man reitet dann nach Rudolstadt und besucht die beiden Cousinen."

Glück und Leid

Eine Freundschaft entstand, später wurde daraus eine Ehe. Nachdem Schiller Weimar erst einmal wieder verlassen hatte und als Professor für Geschichte in Jena ein Einkommen bezog, das eine Familiengründung zuließ. 1799 kehrte er dann mit Gattin Charlotte und drei Kindern in die Stadt an der Ilm zurück und schrieb hier, trotz regelmäßiger quälender Schmerzen, seine berühmten Theaterstücke: 'Maria Stuart', 'Die Jungfrau von Orleans', 'Die Braut von Messina', 'Wilhelm Tell'. Und ein Haus hat Schiller gekauft, für das er sich verschulden musste und also wieder Probleme mit dem Geld hatte.

Schillers Wohnhaus in Weimar (Foto: dpa)

Schillers Wohnhaus in Weimar

"Dieses Haus", erfahren die Teilnehmer des Spaziergangs, "liegt am Rande der Stadt. Das liegt total ruhig! Denn diese Schillerstrasse, wo wir heute ja alle so entlang flanieren, das war damals der Stadtgraben. Ganz oben drin in dem Haus hatte Schiller seine Zimmer. Und wenn der rausgeguckt hat, hat er auf Wiesen, Wälder und Gärten geschaut".

Früher Tod

Denkmal Goethe und Schiller in Weimar (Foto: dpa)

Johann Wolfgang von Goethe (links) und Friedrich Schiller

Und wahrscheinlich habe er sogar Goethes Haus gesehen, mutmaßt Diener Rudolf. Manchmal sei Schiller dort auch zu Gast gewesen. Denn aus dem zunächst reservierten Verhältnis der beiden Männer sei ja eine ganz respektable Freundschaft geworden. Vor Weimars Nationaltheater stehen ihre bronzenen Ebenbilder heute gleichberechtigt auf hohem Sockel. Goethe, der Schiller um 27 Jahre überlebte, wurde in der Fürstengruft auf Weimars Historischem Friedhof beigesetzt. Die Gebeine Schillers aber ruhen wahrscheinlich auf dem Jakobskirchhof. In der Nacht vom 11. zum 12. Mai des Jahres 1805 hatten Freunde den an einer Lungenentzündung gestorbenen Dichter hier beigesetzt – in einem Gemeinschaftsgrab, in dem sich Überreste von insgesamt fast 70 Menschen befinden.


Autorin: Silke Bartlick
Redaktion: Gabriela Schaaf

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