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Wissen & Umwelt

Mit der Sonne um die Welt

Der berühmte Schweizer Abenteurer Bertrand Piccard will mit einem Solarflieger die Welt umrunden. Ein erster großer Schritt ist getan: Bei einem Probeflug blieb sein Flugzeug "Solar Impulse" 24 Stunden in der Luft!

Der Prototyp von Solar Impulse beim Testflug im Sonnenlicht (Foto: AP)

Der Sonnenflieger

1999 gelang Bertrand Piccard die erste Non-Stop-Umrundung der Erde mit einem Heißluftballon. Jetzt bereitet der Schweizer Flugpionier mit Doktortitel sein nächstes Husarenstück vor: Er will mit einem Solarflugzeug die Erde umrunden. "Das größte Abenteuer des 21. Jahrhundert ist es nicht, über den Mond zu spazieren, sondern unsere Abhängigkeit von fossilen Energien zu überwinden."

Deswegen geht es ihm nach eigenen Angaben auch nicht nur um die Faszination eines neuen Rekords, sondern genauso um die Botschaft des geplanten Flugs. Der 52-jährige Abenteurer aus Leidenschaft will mit seinem Experimentalflieger "ein positives, attraktives und sexy Gesicht" für erneuerbare Energie und Energieeffizienz sein.

Schwur in der Wüste

Die Idee, so für die Kraft der Sonne zu werben, kam dem Schweizer vor rund einem Jahrzehnt in der ägyptischen Wüste, als der erste Siegestaumel nach der gelungenen Weltumrundung im Heißluftballon verflogen war. Knapp 20 Tage hatten Piccard und sein Partner Brian Jones dafür gebraucht. Sie waren mit fast vier Tonnen flüssigem Propangas gestartet. Als sie landeten, waren es nur noch 40 Kilo.

"Da ist mir klar geworden, wie abhängig wir von Treibstoff sind. Wir wären in den Atlantik gestürzt, wenn der Wind nur ein bisschen schwächer gewesen wäre", ist sich Bertrand Piccard sicher. Damals habe er sich geschworen, "dass ich beim nächsten Mal unabhängig und ganz ohne Treibstoff um die Welt fliegen werde."

Nicht immer das Gleiche denken

Der Gedanke, ganz ohne Treibstoff im Solarflieger den blauen Planeten zu umfliegen, lässt den 52-jährigen Schweizer nicht mehr los. Der Abenteurer aus Leidenschaft arbeitet wie besessen an seinem Schwur.

Bertrand Piccard schnallt seinen Pilotenhelm fest (Foto: Solar Impulse, Stephane Gros)

Auf zu einem neuen Abenteuer ...

"Meine Motivation ist, ein interessantes und nützliches Leben zu haben", sagt der Flugpionier und fügt an, dass er jeden Morgen aufsteht und bereit ist, "alte Gewissheiten und Gewohnheiten im gestern" zu lassen. "Ich kann nicht immer in der gleichen, kleinen Weise denken. Ich glaube, wir können im Leben so viel mehr erreichen und so vieles besser machen, wenn wir damit aufhören, das Gleiche immer weiter zu machen."

Das Wissen und die Technik für das benötigte Wunderflugzeug liefert ein Spezialisten-Team von der Technischen Hochschule Lausanne, das von André Broschberg angeführt wird. Er hat 2003 die Machbarkeitsstudie vorgelegt. Inzwischen ist der Ingenieur und ehemalige Kampfpilot der offizielle Partner Piccards beim Projekt "Solar Impulse". So heißt das Flugzeug, das aus dem Schwur in der ägyptischen Wüste entstanden ist. Der Prototyp mit dem Namen HB-SIA hat am 7. April dieses Jahres seinen ersten längeren Testflug absolviert.

Kleine Libelle mit ewig langen Flügeln

In "Solar Impulse" stecken rund 1600 Kilogramm Hochtechnologie und Energieeffizienz aus Kohlefaser und Kunststoff. Das ist extrem leicht. Der Flieger erinnert an eine Libelle mit gigantischen Flügeln. Die Ein-Mann-Pilotenkabine ist winzig klein, was die Tragflächen überdimensional groß erscheinen lässt. Die Länge von 64 Metern auf jeder Seite entspricht einem A340, nur dass dieser Airbus schon leer und in seiner kleinsten Ausführung rund 125 Tonnen wiegt. Die langen Flügel machen den Solarflieger extrem wind- und wetteranfällig, aber die Spannweite muss sein, um die rund 12.000 Dünnschicht-Solarzellen unterzubringen, die das Flugzeug mit seinen vier Motoren und Propellern auf eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometer antreiben sollen.

Das ist jedenfalls der Plan. Nachts, wenn die Sonne keine Energie mehr liefert, soll "Solar Impulse" aus 10.000 Meter Höhe langsam in den Sinkflug gleiten, um durch den Gleitflug bei verminderter Motorenleistung Energie zu sparen. Den Rest sollen spezielle Lithium-Polymer-Akkus übernehmen. Die Batterien machen mit 400 Kilogramm auch den größten Teil des Gewichts des Solarfliegers aus.

Prototyp HB-SIA des Solarfliegers Solar Impulse (Foto: (Foto: Solar Impulse, Stephane Gros)

Der Prototyp

"Wenn es in der Luft möglich ist, Tag und Nacht nur mit Solarenergie zu fliegen, dann kann am Boden keiner mehr sagen, dass es unmöglich ist, erneuerbare Energien für die Industrie, für Autos oder Heizungssysteme zu nutzen", glaubt Bertrand Piccard.

Abenteuerlust ist Familiensache

Wenn die Batterien nicht bis zum nächsten Sonnenaufgang reichen, ist die Notlandung oder ein Crash vorprogrammiert. Wenn alles glatt läuft, kann der Pilot maximal fünf Tage in seinem Cockpit aushalten. Piccard und Broschberg wollen sich abwechseln. Während ihrer Flugzeit wollen sie sich mit Yoga und Selbsthypnose fit und wach halten. Im Ernstfall soll eine spezielle Warnjacke vibrieren.

In rund zwei Jahren soll der erste Solarflug rund um die Erde starten. Das Projekt kostet mindestens 70 Millionen Euro und ist sehr gefährlich. Natürlich sei er nervös, wenn er daran denke, was alles passieren könne, antwortet der smarte Schweizer lächelnd. Aber es macht dem dreifachen Vater "viel mehr Angst, in einer Welt zu leben, in der wir jeden Tag jede Stunde eine Million Tonnen Erdöl verbrennen." Außerdem hat Bertrand Piccard die Abenteuerlust in die Wiege gelegt bekommen.

Der promovierte Psychiater und Psychotherapeut kommt aus einer berühmten Forscherfamilie. Sein Großvater Auguste flog als erster Mensch mit einem Heißluftballon in die Stratosphäre. Sein Vater Jaques tauchte als erster Mensch in den Marianengraben. Das ist der tiefste Punkt der Weltmeere.

Autorin: Sandra Petersmann
Redaktion: Michael Borgers

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