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Afrika

Mit der Kora auf dem Rücken...

Das Kora-Spielen hat der Guineer Ba Cissoko im Senegal gelernt. Mit der traditionellen afrikanischen Gitarre auf dem Rücken ist er mit seinem Kora-Lehrer von Dorf zu Dorf gewandert. Heute ist er ein berühmter Musiker.

Ba Cissoko spielt auf der Bühne Kora (Foto: ap)

Erfolg mit der Kora: Ba Cissoko

Griots – das sind die traditionellen Historiker und Märchenerzähler in Westafrika. Mit ihrer Musik und ihrer Kora tragen sie die Geschichten ihres Volkes über viele Generationen weiter. Auch heute noch entscheiden sich viele junge Afrikaner, die in einer Griot-Familie groß geworden sind, für die Musik als Beruf. Bei dem guineischen Sänger und Kora-Spieler Ba Cissoko hat die Entscheidung etwas länger gebraucht. Und dabei hört sich seine eigene Geschichte fast wie ein Griot-Märchen an: "In meiner Familie habe ich die Musik gefunden", erzählt Ba Cissoko. Aber der junge Griot war erstmal auf Fußball fixiert. Er wollte Profi-Spieler werden und stand ständig auf dem Fußballplatz. "Aber dann hat mir mein Vater gesagt, 'Fußball ist ja nicht schlecht, aber du bist der Sohn eines Griot, in deiner Familie gibt es die Musik. Und das solltest du ausprobieren'."

Die große Reise

Ba Cissoko und Band (Foto: Christine Harjes)

Probe in Marseille: Ba Cissoko und Band

Erst als schließlich Bas Onkel, der legendäre Kora-Spieler M'Bady Kouyate, zu Besuch kam, änderte sich Bas Leben. "Der große Meister fragte meinem Vater, 'Was macht Ba? Spielt er Kora? Geht er zur Schule?' Und mein Vater sagte, 'Nein, er geht nicht zur Schule und er spielt auch nicht Kora'", erzählt Ba. Kouyate beschloss, den jungen Griot auszubilden. "Wir machten den Marsch der Griots. Mit der Kora auf dem Rücken wanderten wir von Dorf zu Dorf, bis wir in die Casamance kamen", erinnert sich Ba Cissoko. In der südsenegalesischen Provinz fand der junge Ba Cissoko eine Kora-Schule. Und hier lernte er, wie er die 21-saitige westafrikanische Harfe zum Klingen bringen konnte. "Die Kinder in dieser Schule spielten sehr gut Kora und mich hat das motiviert, jetzt endlich richtig Kora spielen zu lernen", sagt Ba.

Vom Theater auf die großen Bühnen

Zurück in Conakry schaffte Ba den Sprung ins Kinder-Nationaltheater. Später gründete er mit Freunden eine Band. Sie traten in den großen Hotels der guineischen Hauptstadt auf und spielten, was die Hotelgäste sich wünschten. Von Bob Marley bis Phil Collins interpretierten sie Reggae, Pop und auch mal Rock auf der Kora neu. "Ich habe mir gesagt, ich habe gelernt, die Kora traditionell zu spielen. Wieso soll ich nicht versuchen, sie zu modernisieren. Das ist ein Instrument, das alles kann", erzählt Ba. Schließlich trat seine Band dann sogar mit einer elektrischen Kora auf. Mit dieser kompletten Neuinterpretation der Kora hat sich Ba Cissoko schon einen ungewöhnlichen Namen gemacht: Für viele ist er der Jimi Hendrix Afrikas. So überrascht es dann auch kaum, dass der Griot aus Guinea den Titel "Sunday Bloody Sunday" der irischen Band U2 neu eingespielt hat.

Elektrische Kora (Foto: Christine Harjes)

Kora - elektrisch

Heimatverbunden

Aber selbst wenn Ba Cissoko und seine Band Rockmusik mit der Kora spielen – die afrikanischen Wurzeln der Musiker bleiben immer deutlich zu hören. Ba Cissoko lebt seit fünf Jahren überwiegend in Marseille. Die Reisen in seine Heimat Guinea spielen für seine Musik aber noch immer eine große Rolle. "Meine Inspiration bekomme ich auf meinen Tourneen. Meistens wenn ich in Guinea bin", sagt Ba. "Da gibt es so viel Musik, junge Leute, die Kora spielen – überall wird geprobt."

Hoffnung auf Wandel

Ba Cissoko bleibt in seinen Liedern unpolitisch. Auf Französisch, Sousou oder Pular singt er über seine Kindheit, über seine Heimat, oder über die Feldarbeit. Aber: Ba Cissoko beobachtet die politische Lage in seinem Heimatland genau. Am 19. September gehen die Guineer in einer Stichwahl an die Urnen. Zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit wählt Guinea in einer demokratischen Abstimmung seinen Präsidenten. "Im Moment haben wir keine guten Leute an der Spitze. Deshalb versuchen wir, rauszukommen, woanders hinzugehen", sagt der Wahl-Franzose. Er setzt große Hoffnungen in die Abstimmung: "Wenn die Regierung gut ist – warum sollte man dann nicht bleiben? Wenn wir jetzt jemanden bekommen, der das Land regieren kann, der für Frieden sorgt, der das Land öffnet - dann ist das genau, was ich mir wünsche."

Autorin: Christine Harjes

Redaktion: Katrin Ogunsade

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