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Ostmitteleuropa

Mit der Entmachtung von Zelezny würden die Bürgerlichen Demokraten eine weitere wichtige Bastion verlieren

- Direktor des tschechischen Senders "TV Nova" ringt ums Überleben

Prag, 27.6.2002, PAGER ZEITUNG, deutsch, Uwe Müller

Mehrfach hatten die Medien sein Ende vorausgesagt. Doch er trickste alle Widersacher aus. Natürlich heiligte der Zweck die Mittel. Und die waren alles andere als koscher. Ausschlaggebend war: Er stand wieder als der lächelnde Sieger vor der Öffentlichkeit. Nun ist ihm das Lächeln vergangen, auch seine Ara scheint vorbei. Gemeint ist nicht Vaclav Klaus, sondern Vladimir Zelezny, der Erfinder und langjährige Direktor des erfolgreichsten privaten Fernsehsenders Ostmitteleuropas, "TV Nova". Das Imperium Zeleznys steht noch, doch der Imperator ist langst nicht mehr unumstrittener Herr. Langst haben Diadochen die Zügel in die Hand genommen, haben von ihrem Herren gelernt und ihn mit den eigenen Mitteln entmachtet. Nun wollen sie ihn vollends loswerden. Der Zeitpunkt ist wohl nicht zufällig gewählt. "TV Nova" wurde seit 1997 nachgesagt, in einer mehr oder weniger engen Liaison mit den Bürgerlichen Demokraten von Vaclav Klaus zu stehen. Damals hatte "TV Nova" angeblich kompromittierendes Material über den kurz vorher über einen Spendenskandal gestolperten Ex-Premier Klaus gesammelt. Ausgestrahlt wurde davon allerdings nichts. Denn vorher hatte - so berichten Eingeweihte - ein Vier-Augen-Gespräch zwischen Klaus und Zelezny stattgefunden. Und seitdem spielten sich beide die Bälle zu. Jüngstes Beispiel: "TV Nova" hatte im Wahlkampf auffallend häufig Gäste aus der Kommunistischen Partei zu Talkshows und Gesprächsrunden geladen. Kommentatoren vermuteten dahinter das Kalkül von Klaus, den Sozialdemokraten Wähler wegzunehmen und den Kommunisten zuzutreiben. Das klappte zwar, doch Klaus hat die Wahlen trotzdem verloren. Dass nun "Gefährte" Zelezny um seinen Posten bangt, kann, muss aber nicht mit dem Debakel der Bürgerlichen zusammenhängen.

Geht Zelezny tatsachlich, verliert die Partei von Klaus allerdings eine weitere wichtige Bastion. Schon im Juni 2000 war der ODS eine wichtige Feste geschliffen worden. Damals ging die Investicni a Postovni banka in die Zwangsverwaltung. Die Spatzen pfiffen es von den Dächern, dass Tschechiens drittgroßte Bank über zahlreiche Verbindungen zur Parteizentrale der Bürgerlichen verfugte. (fp)

  • Datum 28.06.2002
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