1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Top-Thema – Podcast

Mit der Eisenbahn aufs Dach der Welt

Nach Tibet konnte man bislang nur mit dem Flugzeug oder per Bus reisen. Jetzt wird eine Eisenbahnlinie in Betrieb genommen, die von Peking bis nach Lhasa führt - es ist die höchste der Welt.

default

Die höchste Eisenbahnstrecke der Welt

Lhasa ist die Hauptstadt von Tibet, das in China zwar offiziell als "autonome Region" gilt, aber fest in chinesischer Hand ist. Ein Traum der chinesischen Führung seit mehreren Generationen gehe mit der Zugverbindung in Erfüllung, jubeln Chinas Staatsmedien.

Die Strecke zwischen Peking und Tibet ist fast 4.100 Kilometer lang, die Fahrzeit beträgt satte 48 Stunden. Die Strecke bricht zwei Weltrekorde: Sie ist nun die höchste Eisenbahnstrecke der Welt. Und sie fährt auch den höchstgelegenen Bahnhof der Welt an. Denn der Bahnhof Tanggula befindet sich auf der Höhe von 5.068 Metern über dem Meeresspiegel.

Doch das ehrgeizige und mit viel chinesischem Nationalstolz befrachtete Projekt ist kontrovers. Selbst Wissenschaftler, die an dem Projekt mitgewirkt haben, sehen den Start mit einem lachenden und einem weinenden Auge. So auch Li Bosheng, Professor an der Chinesischen Akademie für Wissenschaften in Peking. Auf dem Tibet- Plateau wachsen seltene Pflanzen. Sie sind zugleich die wichtigste Nahrung für ebenfalls seltene Tiere. Würden die Pflanzen durch ein groß angelegtes Bauprojekte zerstört, dann könnten bald auch die Tiere aussterben, befürchtet Li.

Für die Passagiere im Zug ist ein anderes Naturprodukt entscheidend: Sauerstoff. Da im tibetischen Hochland der Sauerstoffgehalt nur halb so hoch ist wie im Flachland, wird zusätzlicher Sauerstoff in den Zug gepustet. Ähnlich wie im Flugzeug hat jeder Passagier eine Atemmaske - für den Notfall. Auch Ärzte fahren mit, um Menschen zu versorgen, die plötzlich anfangen, an der Höhenkrankheit zu leiden.

Chinas Regierung begründet das Projekt aber weniger mit der Attraktion, die es aus Sicht von Eisenbahn-Fans oder Touristen haben mag, als vielmehr mit dem wirtschaftlichen Nutzen: Die Kapazität für den Güterverkehr nach Tibet wird durch die Strecke deutlich gesteigert.

Exil-Tibeter hegen jedoch die Befürchtung, dass nun noch mehr Chinesen in ihr Gebiet kommen und die Tibeter zu einer Minderheit im eigenen Land machen. Die Tibeter kämpfen schon seit Jahrzehnten um den Erhalt ihrer kulturellen Identität, die nach ihrem Verständnis bereits durch die massenhafte Ansiedlung von Chinesen stark bedroht ist.

GLOSSAR:

in Betrieb nehmen – eine Anlage (hier: die Bahnlinie) eröffnen

in Erfüllung gehen – wahr werden, Realität werden

jubeln – lebhaft seine Freude über etwas zeigen

einen Rekord brechen – einen bestehenden Rekord übertreffen

sich befinden – an einem Orts sein; an einem Ort liegen

mit etwas befrachtet sein – mit etwas beladen sein

an etwas mitwirken – an etwas mitarbeiten; bei etwas mitmachen

etwas mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen – an etwas positive und negative Dinge sehen

Plateau, das – die Hochebene

selten – nicht oft vorhanden

zerstören – kaputt machen

aussterben – aufhören zu existieren (Tiere, Pflanzen)

etwas befürchten – vermuten, dass etwas Unangenehmes oder Gefährliches passiert

entscheidend – wichtig

pusten – blasen

Höhenkrankheit, die – Symptome wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, die man wegen Abnehmen des Luftdrucks und Sauerstoffmangel auf sehr hohen Bergen bekommen kann

Kapazität, die – hier: die mögliche Menge an Gütern, die man transportieren kann

eine Befürchtung hegen – eine Befürchtung haben; befürchten

Erhalt, der – die Sicherung der Existenz von etwas; das Bewahren

bereits – schon

bedroht – in Gefahr

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema