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Politik

Mit dem Radio ins Internet

Viele Länder der dritten Welt hinken in der Informationstechnologie weit zurück. Auf dem UNO-Informationsgipfel suchen Experten nach Alternativen aus dieser Misere. Einer dieser Lösungsansätze heißt Radiobrowsing.

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Radiobrowsing als Alternative für die Dritte Welt?

Die Idee ist so simpel wie bestechend: Beim Radiobrowsing surft der Radiomoderator stellvertretend für seine Hörer im Netz und übermittelt die recherchierten Ergebnisse im normalen Programm. Der Radiomoderator fungiert hier als "menschliche Suchmaschine". Da viele Inhalte im Internet in englischer Sprache verfasst sind, hat Radiobrowsing den Vorteil, dass die Informationen den Einheimischen so auch in ihrer Muttersprache zugänglich gemacht werden können. Die Hörer müssen noch nicht einmal lesen oder schreiben können.

Uwe Afemann von der Universität Osnabrück hat in der Vergangenheit zahlreiche Publikationen zum Thema Internet und Dritte Welt veröffentlicht. Sein Urteil über Radiobrowsing fällt positiv aus. "In Westafrika ist es sehr viel von der UNESCO gesponsert worden. Die haben den zumeist Nichtregierungsorganisationen eine tragbare Sendestation und einen Internetanschluss spendiert", erklärt Afemann. Das funktioniere sehr gut. Gerade in westafrikanischen Ländern gebe es zum teil 100 oder 200 verschiedene Sprachen. "Da ist Radio, denke ich, das bessere Mittel", sagt Afemann.

UNESCO finanziert erste Projekte

Erste Projekte zum Radiobrowsing wurden durch die UNESCO finanziert, zum Beispiel in Mali, in Sri Lanka, Burkina Faso, Niger und Uganda. Andere Projekte bestehen auch in Lateinamerika. Die deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) unterstützt beispielsweise den katholischen Radiosender Marañon in Jaen im Norden Perus.

"Das was für uns selbstverständlich ist, das ein Radioredakteur im Internet surft", so Afemann, "ist in der Dritten Welt überhaupt nicht selbstverständlich, weil ein Radioredakteur – wenn er nicht gerade in der Hauptstadt wohnt- keine Chance hat im Internet zu recherchieren." Initiativen von Entwicklungshilfeorganisationen wie der GTZ helfen zum Beispiel, dass man dort eine Satellitenverbindung herstellen kann und zumindest den Radiostationen den Internetzugang ermöglicht. "Die können dann stellvertretend für ihre Hörer im Internet surfen. Ich denke das ist die Zukunft für ärmere Regionen."

Die Einheimischen bekommen auf diese Weise Informationen zu Zucht und Lagerung der Ernte, Exportmöglichkeiten und lokale Wetterberichte. So sollen beispielsweise die Tee-Bauern aus Kothmale in Sri Lanka von neuen Methoden des Tee-Trocknens erfahren haben, als dieses Thema im Radiobrowsing-Programm diskutiert wurde.

Skepsis bei autoritären Regimes

Doch so interessant und originell diese alternative Art der Internetnutzung auf den ersten Blick wirkt: Bei einigen Regierungen aus der Dritten Welt stößt Radiobrowsing auf Misstrauen und Skepsis. "Diejenigen die das machen wollten haben zum Teil das Problem, dass sie keine Lizenz bekommen freie Radios zu betreiben. Weil natürlich autoritäre Regime darin eine Gefahr sehen, dass sich ihre Einwohner besser informieren", so Afemann weiter.

Ein anderes Problem ist der Mangel an lokalen Informationsangeboten. Um dies zu ändern entwickelt die GTZ gemeinsam mit Radio Marañon in Peru ein internetbasiertes Informationssystem an dem sich alle lokalen Akteure beteiligen. Nachrichten aus den lokalen Behörden oder die aktuellen Preise für Kakao, Kaffee oder andere Agrarprodukte sollen dann im Internet verfügbar sein und auch im Radio ausgestrahlt werden.

Die bisherigen Erfahrungen und Schwierigkeiten beim Radiobrowsing sollen im April kommenden Jahres in Quito auf einem internationalen Kongress der Welternährungsorganisation FAO zum Thema "Internet, Radio und Ländliche Entwicklung" diskutiert werden.