1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Mit dem Rücken zur Gemeinde

Papst Benedikt XVI. hat die katholische Messfeier nach altem tridentinischen Ritus aufgewertet und neben der neuen Liturgie zugelassen. Kritiker fürchten Spannungen in den Gemeinden.

Papst Bendedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. will die katholische Tradition wahren

Lateinische Sprache, Weihwassersegen und ein Priester, der mit dem Rücken zur Gemeinde betet - die alte Messe nach dem zuletzt 1962 herausgegebenen römischen Messbuch zu feiern, war lange Zeit nur mit einem Genehmigungsverfahren möglich. Das Sendschreiben, "Motu Proprio", von Papst Benedikt XVI. vom 7.7.07 hat den alten Ritus, der nach dem Konzil von Trient (1545-1563) verfasst wurde, aufgewertet. Die alte tridentinische Messfeier ist nun als Liturgieform für "außerordentliche" Ereignisse zugelassen. Die neuere Form der Gottesdienstfeier, die das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) beschloss und die 1970 in Kraft trat, wird aber die Regel bleiben. Demnach spricht der Pfarrer in der jeweiligen Landessprache und ist der Gemeinde zugewandt.

Versöhnung mit Traditionalisten

Katholischer Gottesdienst

Katholischer Gottesdienst nach der neueren Liturgie

Der päpstliche Erlass wird in Kirchenkreisen als Versöhnung mit den Traditionalisten gewertet, die noch an der alten Messe festhalten. "Die Befriedung der Verhältnisse ist zu begrüßen", sagt Rainer Kampling, Professor für katholische Theologie an der Freien Universität Berlin. "Es ist aber schon ungewöhnlich, dass man so einer kleinen Gruppe ein so großes Zugeständnis macht." Laut Kampling sind noch rund 300.000 Katholiken Anhänger des tridentinischen Ritus. Fraglich ist, ob sich diese Gruppe versöhnen lässt. Für viele Traditionalisten ist die Aufwertung der alten Messe noch lange nicht genug. Auch wenn der Papst sein "Motu Proprio" nicht als Rückschritt verstanden wissen wolle, sagt Kampling, deuteten es einige als Auftakt zur Aufgabe des II. Vatikanischen Konzils.

"Zwischen der Intention des Papstes und den verschiedenen Lesarten dürfte schnell eine Kluft aufbrechen", sagt Kampling, "weil gerade diejenigen, die er eigentlich versöhnen wollte, feiern auf ihren Internetseiten diese Entscheidung als einen Sieg über das II. Vatikanische Konzil." Der Text von Papst Benedikt sei einfach nicht eindeutig. Die deutsche Bischofskonferenz geht zum Beispiel davon aus, dass der alte Ritus an Karfreitag nicht gefeiert werden darf. Die Karfreitagsbitte der alten Liturgie enthält anitsemitische Passagen, in denen von der Verblendung der Juden die Rede ist. Falls die Karfreitagsliturgie tatsächlich nach dem alten Ritus stattfinden würde, sei das nicht mit der Einstellung des jetzigen und des letzten Papstes in Einklang zu bringen, sagt Kampling.

Spannungen in den Gemeinden?

In den katholischen Gemeinden soll der Pfarrer ab September den Gottesdienst nach altem Ritus feiern, wenn das eine "stabile Gruppe" von Gläubigen wünscht. Falls ihnen dieser Wunsch nicht erfüllt wird, können sich die Gläubigen an zunächst an den Bischof wenden, danach sogar an Rom. "Es kann zu Spannungen kommen", sagt Kampling, "denn eine kleine Gruppe kann sich zur 'press group' entwickeln."

Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. sieht die alte Messe nicht als Rückschritt

Pfarrer, die DW-WORLD befragt hat, glauben aber nicht, dass sich in ihrer alltäglichen Arbeit etwas ändern wird. "Bei uns gibt nur wenige Gläubige, die darauf gewartet haben diesen Ritus endlich wieder feiern zu können", sagt Ulrich Kotzur, Pfarrer der St Bonifatius Gemeinde in Berlin-Kreuzberg. Gleichzeitig begrüßt es Kotzur, bald die Freiheit zu haben, die alte Messe zelebrieren zu können. "Spannungen wird es nur geben, wenn einer sagt: 'Der tut's richtig und der tut's falsch'", sagt Kotzur, "aber wenn sich einer im alten Ritus wieder findet und es keinem anderen vorschreibt, dann wird sich darüber keiner aufregen." Auch Pfarrer Wolfgang Lehmann von der Kirchengemeinde St. Benedikt in Berlin-Lankwitz sieht den Änderungen gelassen und mit Freude entgegen. Wenn die beiden Riten gleichberechtigt nebeneinander stehen, sei das ein großer geistlicher Gewinn für die katholische Kirche.

Messe mit Würde feiern "Ich glaube die Sehnsucht auch mancher junger Menschen nach dem alten Ritus ist mehr ein Sehnen danach, dass der neue Ritus würdiger gefeiert wird", sagt Lehmann. "Nichtsdestotrotz kann der alte Ritus daneben stehen." Auch dem Papst geht es laut Bischofskonferenz darum, dass die Messe, egal nach welchem Ritus, mit Würde und Andacht gefeiert wird. Pfarrer Kotzur und Pfarrer Lehmann wollen ihre Messen gerne auch im alten Ritus feiern, wenn sich die Gläubigen dafür interessieren. Beide geben aber zu, dass sie noch ein wenig üben müssten, um den Gottesdienst auf lateinisch halten zu können.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links