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Wirtschaft

Mit dem Müllofen gegen Markenpiraterie

Weltweit bis zu 300 Milliarden Euro jährlich entgehen Herstellern von Qualitätsprodukten durch das Unwesen von Markenpiraten. Bei Ebay soll inzwischen jedes zweite Markenprodukt gefälscht sein.

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Drastische Maßnahmen

Ein ganz gewöhnlicher Donnerstagvormittag im Abfallbehandlungswerk Nord der Berliner Stadtreinigungsbetriebe. Vier unscheinbare Kleintransporter sind vorgefahren, in ihrer Begleitung ein Wagen des Hauptzollamts. Drei Beamte laden Kartons und Plastiksäcke aus, reißen sie auf und werfen den Inhalt in einen großen Schacht. Turnschuhe, Polohemden, Handyschalen, Jeans, CDs und Schuhe purzeln durcheinander, wer genau hinschaut kann Label wie Adidas, Boss, Dolce & Gabbana, Nokia und Tommy Hilfiger erkennen. Die Sachen sind brandneu, viele noch eingeschweißt, aber sie sind gefälscht.

Der Zoll hat nach eigenen Angaben keine großen Probleme, Fälschungen zu erkennen. "Wir haben von den Markenherstellern, die sich ihre Marke schützen lassen, ein elektronisches Programm, in dem Echtheitserkennungsmerkmale eingestellt sind, das heißt, wir wissen, wie ein Original aussieht", erzählt Zollamtsrat Christian Böhm. "Wir suchen uns die Ware dann aus, sehen, wie sind die Label, wie ist die Verarbeitung, wie sehen die eingenähten Dinge aus, wie ist beispielsweise ein Schuh im Ganzen beschaffen. Daran erkennen wir dann, ob es sich um eine Fälschung handelt oder nicht."

Kopien aus Asien

Fälschungen kommen vor allem aus China, Vietnam, Thailand, Korea und der Türkei. Wenn der Zoll sie erkennt, werden sie beschlagnahmt, egal ob sie ein Tourist aus dem Urlaub mitbringt, oder ein Händler als Warensendung über den Luft- oder Seeweg nach Deutschland einführen will. Allein am Flughafen Berlin-Tegel gingen im 2004 ingesamt 20 Tonnen gefälschte Markenartikel ins Netz, die Tendenz ist steigend, sagt Böhm, "denn wir haben jetzt schon so viel beschlagnahmt wie im gesamten letzten Jahr".

Das Geschäft mit der Markenpiraterie floriert, das spürt auch der Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie, kurz APM. Er vertritt branchenübergreifend 70 Firmen und musste 2004 in doppelt so vielen Fällen ermitteln, wie noch im Jahr zuvor. Für APM-Vorstandsmitglied Doris Möller ist das kein Wunder, denn die Gewinnspannen der Markenpiraten sind höher als im Drogenhandel und die Risiken erwischt zu werden, weitaus geringer. "Das Problem mit den Markenpiraten ist, dass wir immerhin acht bis zehn Prozent des Welthandels schätzen, der auf den Umsatz mit gefälschten Produkten entfällt. In Zahlen ausgedrückt sind das Verluste von jährlich 200 bis 300 Milliarden Euro für die Originalhersteller."

Ruin nicht ausgeschlossen

Für Verbraucher und Rechtsbehörden ist Markenpiraterie oft nicht mehr als eine Bagatelle. So kämpfen die Firmen oft auf verlorenem Posten und so manches Unternehmen, dessen Produkte zu oft nachgemacht wurden, hat Insolvenz anmelden müssen, weil die Originale in der Flut der Plagiate auf der Strecke blieben.

Gefahr droht den Herstellern der Originale auch deshalb, weil Fälschungen mittlerweile in großem Stil über das Internet angeboten und vertrieben werden. So schätzt Doris Möller den Anteil gefälschter Markenware im Angebot des Online-Auktionshauses Ebay auf 50 bis 60 Prozent. Oft merke der Verbraucher gar nicht, dass er kein Original gekauft hat, denn, diese Erfahrung macht auch Zollamtsrat Christian Böhm zunehmend, die Fälschungen werden immer besser.

Möller warnt davor, solche Fälschungen als qualitativ gleichwertig mit den Originalen anzusehen. Oft seien Kleidung oder Spielzeuge mit giftigen Stoffen behandelt, außerdem habe der Kunde, wenn er seine Ware über dubiose Anbieter im Internet kaufe, keine Garantie-, Rückgabe-, oder Regressansprüche. Doch selbst der deutsche Fachhandel scheint vor Fälschungen nicht mehr sicher zu sein. Beim APM kennt man Fälle, in denen auch dort Fälschungen aufgetaucht sind, vor kurzem beispielsweise teure Schuhe mit dem Label von Dolce & Gabbana.

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