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Kultur

Mit dem Floß zur Buchmesse

"Leipzig liest", das sind mehr als 2000 Veranstaltungen an über 300 Leseorten während der Buchmesse. Damit ist es das größte Lesefest Europas, und manche kamen in diesem Jahr gar mit einem Holzfloß dort an.

Lesung in der Moritzbastei bei der Langen Leipziger Lesenacht (Foto: Ronny Arnold)

Lesung in der Leipziger Moritzbastei

"Visionerski Transport" nennt sich die bunte Truppe, die doch tatsächlich mit einem Holzfloß zur Buchmesse angereist ist. Quasi direkt aus der serbischen Hauptstadt Belgrad, dem Gastland in diesem Jahr, nach Leipzig-Lindenau in den Kunstraum D21. Gut, sie sind nicht direkt auf diesem Floß gefahren, zumindest nicht die vielen hundert Kilometer bis in die Messestadt. Diesen Weg haben sie mit dem Auto erledigt. Doch mit dem Floß sind sie tatsächlich gefahren, im Sommer vor zwei Jahren auf den Flüssen des Balkan - und jetzt erzählen sie hier im Kunstraum von ihren Erlebnissen. Die Besucher lauschen interessiert der Performance einer romantischen Liebesgeschichte zwischen Nikola und Nadja, er aus Serbien und sie aus Deutschland, die um das Floß tanzen, auf dem einige Gäste stehen und andere sitzen. Fünf Wochen auf dem Fluss

Das Floß von 'Visionerski Transport' im Kunstraum (Foto: Paul Ziolkowski)

Das Floß von "Visionerski Transport"

"Visionarski Transport", das sind ein halbes Dutzend junger Künstler aus Deutschland und Serbien, Schriftsteller, Botaniker, Umweltforscher, Fotografen, Zuhörer und Geschichtenerzähler, die 2008 mit einem selbstgebauten Floß von Bosnien über Kroatien bis nach Belgrad in Serbien gefahren sind, um Land und Leute kennen zu lernen. Fünf Wochen waren sie unterwegs, haben angehalten, wo sie nette Menschen getroffen haben, die ihnen interessante Geschichten erzählten. "Das Land lernt man vielleicht nur in Ausschnitten kennen, aber Leute auf jeden Fall sehr viele und sehr intensiv", meint Nora Wicke, die dabei war auf dieser fünfhundert Kilometer langen Reise auf den Flüssen Vrbas und Save und ihre Eindrücke nun in ihrem Debütroman verarbeitet. "Die Begegnungen mit den Menschen da waren eigentlich die stärksten Eindrücke überhaupt. Und viele Teile meines Romans spielen jetzt auch in Bosnien und Serbien." Im Kunstraum D21 liest sie nun aus ihrem Werk.

Suche nach europäischer Identität

Ebenfalls mit von der Flusspartie war Franziska Wicke, die seit dieser Reise vor gut zwei Jahren sogar in der serbischen Hauptstadt Belgrad lebt und das Gastland Serbien mittlerweile ganz gut kennen gelernt hat. "Das Land war lange isoliert in Europa und viele Menschen da haben das als Ungerechtigkeit empfunden." Wirtschaftlich hat sich das kleine Land bis heute nicht von den Kriegen des vergangenen Jahrzehnts erholt, und vor allem die jungen Menschen leiden darunter. "Viele suchen bis heute nach einer Identität und meinen, dass es so nicht weitergehen kann", berichtet die Künstlerin.

20 Jahre "Leipzig liest"

Buchstand 'Junge Literatur' in der Moritzbastei (Foto: Ronny Arnold)

Bücher stehen derzeit in Leipzig im Mittelpunkt

Die Lesung und Performance von "Visionerski Transport" ist nur eine von über 2000 Veranstaltungen an mehr als 300 Leseorten in der gesamten Leipziger Innenstadt. Sie alle gehören zum beliebten Lesefest "Leipzig liest", das in diesem Jahr zum 20. Mal parallel zur Messe stattfindet. Für Claudius Nießen, den Geschäftsführer des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig, ist dieser Lesemarathon eine einmalige Erfolgsgeschichte. "Es ist ein unbedingtes Alleinstellungsmerkmal für die Leipziger Buchmesse und das wirkt sogar wirtschaftlich weit in die Region hinein", schwärmt der Mann, der auch die "Lange Leipziger Lesenacht" organisiert, bei der über 50 junge Autoren gut vier Stunden lang im Studentenkeller Moritzbastei ihre neuesten Werke vorstellen. Gelesen wird auf vier verschiedenen Bühnen, über 1000 Besucher drängeln sich dafür immer wieder durch die Kellergänge der alten Moritzbastei. Seit mittlerweile sechs Jahren ist die "Lange Leipziger Lesenacht" ein Erfolgsgarant und wichtiger Bestandteil von "Leipzig liest".

Autor: Ronny Arnold

Redaktion: Gudrun Stegen