1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Welt

Mit dem Fahrrad zu den Paralympics

Tag für Tag kämpft sich Dedan Ireri durch den Verkehr Nairobis - auf einem Bein. Trotz seiner Behinderung ist er Fahrradkurier, einer von wenigen in der kenianischen Millionenmetropole. Sein Ziel: die Paralympics.

Mit einem kurzen Bremsmanöver weicht Dedan Ireri dem entgegenkommenden Minibus aus. Dann tritt er wieder in die Pedale, gibt einem Fußgänger am Straßenrand mit einem lauten "Hey!" zu verstehen, dass jetzt kein guter Moment ist, die Straße zu überqueren. Das nächste Hindernis: eine Zweierreihe aus stehenden Fahrzeugen im Feierabendverkehr. Dedan Ireri fährt einfach mitten durch den Stau.

"Bei dem Verkehr komme ich mit dem Fahrrad besser durch als die anderen", sagt er mit einem Blick über die Schulter. "Die meisten Kuriere benutzen Motorräder, aber auf kurzen Distanzen bin ich mit dem Rad noch schneller."

Betrunken gegen den Bus

Dedan Ireri mit zwei Krücken. (Foto:DW)

Der Traum von Dedan Ireri: Eine Teilnahme an den Paralympics

Dedan Ireri liefert eilige Dokumente im Stadtzentrum von Nairobi. Sein gefedertes Mountainbike ist sein wichtigstes Mittel zum Geldverdienen, sein erstes Standbein. Und das auch im wörtlichen Sinn: Bei einem Unfall im Jahr 1993 hat er ein Bein verloren. "Ich war damals ein Straßenkind", erklärt Ireri. "Ich habe viel Alkohol getrunken und war ziemlich durchgeknallt. Ich habe nicht aufgepasst und wurde von einem Bus überfahren. Im Krankenhaus mussten sie mein rechtes Bein abnehmen."

Ireri begann, Drogen zu nehmen und trank immer mehr. Doch eines Tages sah er etwas im Fernsehen, was sein Leben verändern sollte. "Da war ein Einbeiniger, der Fahrrad fuhr", sagt Ireri und lacht kurz auf. "Das war ein Deutscher namens Tobias Graf. Das wollte ich auch können."

Das erste Mal im Sattel

Ireri hatte noch nie auf einem Fahrradsattel gesessen. Doch nun bezahlte er einen Freund dafür, ihn anzuschieben und seine Balance zu sichern. Drei Wochen später konnte er Rad fahren. "Von da an wurde ich immer schneller und besser", erzählt er und sprintet wie zum Beweis einen kleinen Hügel hoch.

Und das nicht nur im Stadtverkehr von Nairobi. Ireri hat auch sportliche Ambitionen. Bereits mehrfach hat er Radrennen für Menschen mit Behinderungen gewonnen. Die bisherigen Höhepunkte für ihn waren die Teilnahmen an Wettkämpfen in Kolumbien und Kanada.

Ein großer Traum

Auf einer Straße drängen sich Minibusse, Autos und Fußgänger in engen Abständen. Foto: AP

In Nairobi gehört der Stau zum Stadtbild

Szenenwechsel: Dedan Ireri balanciert sein Mountainbike durch die Wüstenlandschaft im Norden Kenias zwischen Moyale und Marsabit, keine Menschenseele weit und breit. Nur Steine, Sand und Steppe. Er hat sich für einige Tage der "Tour d'Afrique" angeschlossen, einer Radexpedition von Kairo nach Kapstadt.

"Das ist gutes Training", sagt Ireri. "Wenn ich richtig fit sein möchte, muss ich auch auf unwegsamem Terrain zurechtkommen." Sein größtes Ziel ist eine Teilnahme an den Paralympischen Spielen. Er müsse nur Sponsoren finden, um die vorgeschriebenen Qualifikationsrennen absolvieren zu können, sagt Ireri und zieht davon auf der holprigen Steinpiste. An der sportlichen Fitness jedenfalls werde sein Traum nicht scheitern, ruft er. Dann verschwindet er in einer Staubwolke.