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Filme

Mit dem Auto um die Welt

Manchmal half nur Schieben. Bei den Dreharbeiten zum Film "Frl. Stinnes fährt um die Welt" wurde die Crew immer wieder von Wetterkapriolen eingeholt. Der Hauptdarsteller machte die meisten Schwierigkeiten: das Auto.

Filmcrew schiebt Auto durch die Wüste (REAL FICTION FILMVERLEIH.)

Alles war minutiös für die Dreharbeiten vorbereitet: das Setting stimmte, Requisiten waren besorgt, die "sibirische" Location war eine Augenweise für die Kamerafrau Sophie Maintigneux, der Hauptdarsteller stand parat und war funktionstüchtig: eine frisch-restaurierte Reiselimousine von Typ "Adler Standard 6", Original-Baujahr 1927.

Plötzlicher Temperatursturz

Kamerafrau Sophie Maintigneux blickt auf Front des Oldtimers (REAL FICTION FILMVERLEIH)

Sophie Maintigneux

Eigentlich konnte für den Dreh der entscheidenden Szenen, in denen Fräulein Stinnes mit ihrer Reise-Expedition im sibirischen Winter feststeckt, nichts schief gehen. Und dann das: über Nacht waren die Temperaturen in der Parklandschaft in der Nähe von Düren bei Aachen in russische Minusgrade abgesunken. Statt "Birken in winterlicher Sumpflandschaft", wie im Drehbuch vorgesehen, fand die FilmCrew eine vollständig zugefrorene Eisfläche vor.

Filmcrew und Auto bei Szene im Matsch (REAL FICTION FILMVERLEIH)

Strapaziöse Dreharbeiten im Matsch und Schlamm: "Frl. Stinnes fährt um die Welt".

Regisseurin Erica von Moeller schildert in ihrem halbdokumentarischen Film die abenteuerliche Reise der Industriellentochter Clairenore Stinnes mit dem Auto rund um die Welt - und das im Jahre 1927. Bei Szenen, wie die im Eis stieß die Regisseurin an ihre Grenzen: "Dieser Drehtag im Eiswasser war der härteste. Wir mussten das Eis aufhacken, weil das Auto ja im Schlamm versinken sollte. Da gibt’s irrsinnige Unterbauten, damit der Wagen nicht total absackt. Dafür sind extra Paletten in das Wasser versenkt worden. Physisch war das schon total hart! Da konnte man nicht kurz weggehen und sagen, jetzt muss ich mich mal eine Weile aufwärmen."

Filmcrew und Auto bei Szene im Wasser und Wald (REAL FICTION FILMVERLEIH)

Arbeiten im Wasser

Tabletten statt Drehpause

Für den Schauspieler Bjarne Henriksen, der in dem Film den schwedischen Kameramann Carl-Axel Söderström spielt, war das eine doppelte Strapaze - genau wie 1927 in der realen Situation beim sibirischen Wintereinbruch. Am Abend vorher hatte er hohes Fieber bekommen und ernsthafte Sorge, den Drehtag absagen zu müssen. Nach einer morgendlichen Ärztetour, zahlreichen Tabletten und einem kräftigen deutschen Frühstück stand er dann doch rechtzeitig zu Drehbeginn in Gummistiefeln am Set. Er wusste, dass es in dieser Situation auf jedes Teammitglied ankam, um die Produktionsplanungen nicht zu gefährden.

Ausflug in sibirische Kälte

Regisseurin Erica von Moeller war heilfroh: "Wir hatten da eine Situation, die man in der Kälte nur einmal drehen konnte, das war ganz klar. Normalerweise haben die Schauspieler so wasserdichte Hosen drunter, damit man das ein paar Mal proben kann. Das hätte man aber gesehen. Er musste also in dieses Eiswasser rein. Und das kann man einem Schauspieler nicht zehnmal zumuten, jetzt umziehen und wieder rein. Aber bei solchen Momenten, wo das komplette Team weiß, wir haben nur einen Take, die werden phantastisch." Zum Glück war der nächste Tag drehfrei und alle konnten sich von ihrem Ausflug in die sibirische Kälte erholen.

Filmcrew im Wald, in der Szene wird mit Wasser gespritzt (REAL FICTION FILMVERLEIH)

Dreh im Wald

Probleme mit dem Oldtimer

Nur der "Adler" hatte es nicht ganz so gut überstanden und sprang erstmal nicht mehr an. "Das Auto ist von allen Darstellern die einzige Diva gewesen, die dann doch ab und zu mal gezickt hat", sagt Produzent Uli Veith im Nachhinein. Für Regie und Aufnahmeleitung blieben die technischen Probleme während der gesamten Dreharbeiten eine nervige Angelegenheit, das kostete schnell die Konzentrationskraft aller Beteiligten: "Die Sorge um den Wagen hat schon sehr viel Zeit in Anspruch genommen - fürs ganze Team", sagt Erica von Moeller. "Man fährt eine Strecke, dreht einen Take und dann müssen alle Zündkerzen neu gereinigt werden. Das kostet dann Zeit. Wir haben oft gedacht, wir erleben hier das Gleiche, wie Clairenore Stinnes das auf ihrer Wahnsinnsreise erlebt hat."

Filmcrew vor Ruine bei Dreharbeiten in Marokko/Wüste (REAL FICTION FILMVERLEIH)

Arbeiten in Nordafrika

...nicht so stabil wie das Original

Für die Produktionsplanung war im Vorfeld schnell klar geworden: der alte "Adler" konnte nicht wie ein normales Filmauto eingesetzt werden. In kürzester Zeit in Norddeutschland zusammengebaut aus drei Oldtimern war er ein empfindliches Gebilde, an dem aber die ganze Filmgeschichte hing. "Wenn man in dem alten Filmmaterial sieht, wo dieses Auto überall hergefahren ist: Steinwüste, steile Geröllabhänge, Schlamm, Eispisten, sogar über den zugefrorenen Baikalsee, da haben wir uns immer gewundert, wie robust dieses Fahrzeug gewesen sein muss. So was konnten wir unserem Nachbau nicht zumuten", sagt der Produzent.

Filmcrew in der Wüste, im Vordergrund der Oldtimer (REAL FICTION FILMVERLEIH)

...in der Wüste

Drehort Marokko

Nach Vorrecherchen und erster Kalkulation änderte die Produktionsfirma "Taglicht Media" deshalb ihre Pläne: Dreharbeiten rund um die Welt an allen Stationen der historischen Reise waren wegen der Transportprobleme mit dem kostbaren Oldtimer nicht realisierbar. Deshalb entschied man sich für Marokko als Haupt-Drehort. Dorthin konnte der Wagen relativ problemlos mit dem LKW transportiert werden.

Das ganze Wetter der Welt

In Nordafrika boten sich für Regisseurin Erica von Moeller auf einmal ungeahnte filmische Möglichkeiten: "Mit Tagesreisen konnte man die Landschaft komplett wechseln. Wir hatten ganz bizarre Momente, wo wir gedreht und morgens gesagt haben, wir sind in Südamerika. Wir haben uns einmal umgedreht und waren dann plötzlich in China." Das Ergebnis, den fertigen Film "Frl. Stinnes fährt um die Welt", kann man sich jetzt bundesweit in den Kinos ansehen.

Autorin: Heike Mund

Redaktion: Jochen Kürten

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