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Wirtschaft

Mit Daueralmosen lässt sich Hunger nicht bekämpfen

Dass es noch immer Hunger auf der Welt gibt, hat politische Ursachen, meint Karl Zawadzky in seinem Kommentar zum Welternährungstag.

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Die Aussichten sind nicht schlecht, dass das Millenniumsziel der Vereinten Nationen erreicht und bis zum Jahr 2015 die Zahl der in absoluter Armut lebenden Menschen halbiert wird. Doch leider wird das die Situation der Armen in vielen Ländern nicht verändern, denn die überaus erfreuliche Entwicklung hat fast ausschließlich mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Bevölkerungsgiganten China und Indien zu tun. Da ist - erst in China, dann auch in Indien - durch mutige Liberalisierungspolitik die private Initiative gestärkt worden und prompt die Wirtschaftstätigkeit auf höhere Touren gekommen. Davon werden in zunehmendem Maße auch arme Bevölkerungskreise begünstigt.

Pro Tag verhungern 100.000 Menschen

In vielen anderen Entwicklungsländern ist das nicht der Fall. Fast die Hälfte der Menschheit muss mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen; ein Fünftel muss sogar von weniger als einem Dollar pro Tag ein elendes Leben fristen. Es sind diese Menschen, die sich abends mit hungrigem Magen schlafen legen, die mangel- oder fehlernährt sind, die den Hungertod erleiden. Pro Tag verhungern rund 100.000 Menschen auf der Erde. Dabei müsste es Fehlernährung und Hunger nicht geben. Die Erde ist fruchtbar genug, um noch deutlich mehr als die heute hier lebenden Menschen zu ernähren.

"Das Problem ist nicht so sehr ein Mangel an Nahrungsmitteln als vielmehr ein Mangel an politischem Willen", hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) festgestellt, die am Welternährungstag am Sonntag (16.10.2005) ihr 60. Jubiläum feiert. Hinzufügen ließe sich: Die absolute Armut ist der wichtigste Grund für die Ernährungskrise in vielen Entwicklungsländern. Überall dort, wo Regierungen eine Politik betreiben, die auf breiter Front zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Einkommen beiträgt, nimmt der Hunger ab. China und Indien sind dafür die besten positiven Beispiele. Simbabwe, das früher Nahrungsmittel exportierte und heute auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen ist, steht beispielhaft für Länder, die durch falsche Politik und Misswirtschaft an den Abgrund geraten sind.

Daueralmosen sind nicht die Lösung

Im akuten Katastrophenfall ist Nahrungsmittelhilfe aus den reichen Ländern unerlässlich, doch Daueralmosen sind nicht die Lösung des Problems. Nötig ist ein umfassender Ansatz mit dem Ziel, die Einkommen der Armen in der Dritten Welt so zu verbessern, dass sie sich Nahrungsmittel kaufen können - also mehr Einkommens- und Eigentumsgerechtigkeit in den armen Ländern. Denn alle Erfahrung zeigt: Weil die Menschen arm sind, weil es an kaufkräftiger Nachfrage mangelt, besteht für die Bauern, die meist gerade genug für sich selbst und ihre Familien produzieren, wenig Anreiz zu einer erhöhten Erzeugung. Wo dagegen kaufkräftige Nachfrage besteht, mangelt es nicht am entsprechenden Angebot.

Die Industrieländer müssen sich öffnen

Die wichtigste Einzelmaßnahme zur Lösung des Hungerproblems besteht darin, mehr Beschäftigungsmöglichkeiten und darüber kaufkräftige Einkommen zu schaffen. Das ist erst einmal Sache der Entwicklungsländer selbst. Sie müssen - wie in China und Indien geschehen - die wirtschaftlichen Weichen so stellen, dass die private Initiative angefacht wird. Sie müssen den Staatseinfluss auf die Wirtschaft zurückdrängen und die Korruption bekämpfen, damit die private Initiative sich entfalten kann.

Doch damit allein ist es nicht getan. Auch die Industriestaaten sind gefordert. Sie müssen ihre Märkte für Produkte der Entwicklungsländer stärker öffnen, vor allem für Agrarerzeugnisse, denn nur mit solchen Produkten sind viele der armen Ländern konkurrenzfähig. Ein Großteil der Entwicklungszusammenarbeit - und vor allem der guten Ratschläge - läuft ins Leere, wenn weiterhin die Konsequenzen ausbleiben.