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Reise

Mit Christo über Wasser wandeln

In der Nähe von Brescia installiert der Künstler Christo schwimmende Brücken zu Inseln im Iseo-See. Das Projekt "The Floating Piers" wird die Sommerattraktion in der Region Lombardei in Norditalien.

Video ansehen 04:26

Christos Projekt "The Floating Piers"

Er verhüllte den Berliner Reichstag, verzauberte Inseln zu Edelsteinen und tauchte zuletzt den New Yorker Central Park in Safrangelb, doch dann wurde es still um den Verpackungskünstler Christo. Nun meldet er sich mit einem spektakulären Projekt zurück: Auf dem italienischen Iseosee will der 80-Jährige drei Kilometer lange Pontons installieren, so dass Besucher übers Wasser wandeln können.

Mit seiner 2009 verstorbenen Frau Jeanne-Claude schuf Christo in mehr als 50 Jahren 22 Monumentalkunstwerke, Dutzende weitere blieben wegen fehlender Genehmigungen in den Schubladen. So auch die schwimmenden Pontons: 1970 für den Rio de la Plata in Argentinien konzipiert, wird das Projekt nun 46 Jahre später in Norditalien in die Tat umgesetzt. Von 18. Juni bis 3. Juli sollen Besucher auf schwimmenden Brücken über den See zu den malerischen Inseln Monte Isola und San Paolo spazieren können.

Die Laufstege aus 200.000 komplett recyclebaren Polyethylen-Würfeln sind mit 200.000 riesigen Schrauben verbunden und mit dahliengelbem, dichtgewebtem Nylon bespannt, das je nach Lichteinfall die Farbe ändert und bei Feuchtigkeit in intensivem Rot leuchten soll.

"Alle unsere Projekte haben mit körperlichen Empfindungen zu tun", erklärt Christo. "Ich mag keine Computer, ich spreche nicht gerne am Telefon. Ich trete durch meine körperlichen Instinkte mit den Dingen in Kontakt, nicht virtuell." Es sei ein unbeschreibliches Gefühl, "wenn man auf sehr kleinen, stoffbespannten Wegen auf sehr fester Oberfläche geht und dann plötzlich anfängt, auf dem Wasser zu laufen".

"The Floating Piers" ist das erste Werk des gebürtigen Bulgaren mit US-Staatsbürgerschaft seit 2005. Damals schuf er mit Jeanne-Claude "The Gates" im New Yorker Central Park, eine Installation aus 7500 safrangelben Stofftoren, die vier Millionen Besucher anzog. "The Floating Piers" scheiterte zunächst nicht nur in Argentinien, sondern auch Ende der 1990er Jahre in Japan. In Italien erhielt das Projekt dank der Begeisterung von Behörden und Einwohnern in nur zwei Jahren grünes Licht.

Hier inszenierten Christo und Jeanne-Claude, beide am 13. Juni 1935 geboren, zwischen 1960 und 1970 schon drei Verhüllungen, unter anderem auf dem Mailänder Domplatz. Internationales Aufsehen erregten 1985 die verpackte Brücke Pont Neuf in Paris und 1995 der verhüllte Reichstag - nach 25 Jahren bürokratischen Kampfes.

Flankiert werden "The Floating Piers" von einer Retrospektive im Museum Santa Giulia im 20 Kilometer entfernten Brescia. "Water Projects" zeigt Skizzen, Modelle, Fotos und Filme von Christo-Kunstwerken an und im Wasser. Zu sehen sind etwa die "Surrounded Islands" aus dem Jahr 1983, als das Paar grüne Inseln in der Biscayne Bay in Florida mit rosafarbenem Stoff umgab und so riesige Edelsteine ins türkisblaue Wasser zauberte.

"The Floating Piers" soll mindestens zehn Millionen Euro kosten, was Christo wie immer durch den Verkauf von Skizzen und Modellen finanzieren will. Daneben warten zwei weitere Werke auf Genehmigung: Über einen Fluss in Colorado will Christo eine zehn Kilometer lange, silberne Stoffbahn spannen. Und in der Wüste bei Abu Dhabi sollen eines Tages 410.000 bunte Ölfässer eine Pyramide bilden.


is/at (AFP)

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