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Musik

Mit Chopin zu Weltruhm

Die Pianistin Ewa Kupiec ist eng verbunden mit der Musik ihres Landesmanns Frédéric Chopin. Ihre Engagements führen sie zu den bedeutensten Festivals in Europa. Neben Chopin widmet sie sich der zeitgenössischen Musik.

Die polnische Pianistin Ewa Kupiec bei einer Probe in der Kölner Philharmonie (Foto: dpa)

Die polnische Pianistin Ewa Kupiec bei einer Probe in der Kölner Philharmonie

Zum 200. Geburtstag von Frédéric Chopin ist Ewa Kupiec mit ihren Chopin-Programmen zu Gast in Deutschland. Der Chopin-Spezialistin werden Perfektion, eine grenzenlose Technik und ein enormes Gestaltungsvermögen bescheinigt. DW-World hat Ewa Kupiec getroffen.

DW-WORLD.DE: Welche Rolle spielt die Musik von Frédéric Chopin für Sie persönlich?

Ewa Kupiec: Mich interessiert an Chopin die tragische Figur, die komplexe Natur, der reiche Geist, der über die Materie herrscht. Man sagt, dass Chopin als Mensch sehr schwach gewesen sei und Salonmusik geschrieben habe. Das widerspricht aber der Komplexität seiner Kompositionen, das spricht von einem ganz starken Geist und einer reichen intellektuellen Welt und auch von reichen Emotionen. Das interessiert mich sehr. Auch eine kleine Form wie eine Mazurka ist der Ausgangspunkt für seine Visionen, für seine Improvisationen, für seine Chromatik, für seine reiche Welt auch de Melodik.

Chopin hat die Hälfte seines Lebens in Polen erbracht, die zweite dann in Frankreich. Haben diese Lebensumstände und Persönlichkeiten dort seine Musik geprägt?

Selbstverständlich. Er hatte die Möglichkeit, in Paris zu leben. Das war damals die Weltstadt. Er hatte Kontakte mit Malern, Schriftstellern, anderen Komponisten. Diese Einflüsse spielen natürlich eine Rolle. Das waren Eindrücke, die er natürlich in Polen gar nicht bekommen konnte. Auf der anderen Seite – ob er wirklich ein Franzose war, muss bezweifelt werden. Er liebte die Gesellschaft, aber auf der anderen Seite – das spiegelt sich immer wieder in seiner Musik – war diese Sehnsucht nach der Heimat, nach der polnischen Seele, nach der Melancholie, die die slawische Seele ausmacht, diese Suche nach dem Verlorenen. Also ich glaube, er war eine sehr komplexe Natur.

Welche Werke sind denn in Frankreich entstanden?

Ewa Kupiec (Foto: Hermann-Josef Wöstmann/ dpa)

Ewa Kupiec

Sehr viele. Er hat ja mit 18 Jahren schon Polen verlassen, und alles, was nach den Klavierkonzerten kommt, ist in Frankreich entstanden: die Mazurken, die Nocturnes, die Préludes, die Etuden und die Walzer.

Wie hat Frankreich seinen Stil beeinflusst?

Man darf nicht vergessen, dass Musik eine universelle Sprache ist. Man sollte sich von diesen Nationalitäten befreien, und ich glaube, das ist Chopin gelungen. Also es gibt das Nationale in Frankreich, die Salons und die französischen Damen auf der einen Seite und das Nationale in Polen, die Mazurken, Polonaisen, die Sehnsucht auf der anderen Seite, und dann die universelle Sprache, die das alles verbindet.

Wie populär ist Chopin heute beim Publikum?

Chopin ist der einzige Komponist, der überall Resonanz findet und dessen Werk vollständig aufgeführt wird. Das ist schon eine Ausnahme. Das kann man wahrscheinlich nur mit Beethoven vergleichen. Das bedeutet, dass seine musikalische Sprache hochmodern ist. Woran liegt das? Das liegt daran, dass die Musik ganz moderne Emotionen zeigt wie z.B. manche Romane, die weit in der Vergangenheit geschrieben wurden, die aber doch von einer Situation oder einer Emotion sprechen, die uns sehr nahe ist.

Das Gespräch führte Gudrun Stegen