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Wirtschaft

Mit Carstens kandidiert ein IWF-Insider

Der Zentralbankgouverneur und Ex-Finanzminister Agustín Carstens war bereits drei Jahre Vizechef des IWF und gilt unter Experten als der fachlich besser qualifizierte Kandidat für den IWF-Chefposten.

Agustin Carstens (Foto: AP)

Agustin Carstens rechnet sich Chancen aus

In der Kandidatur des 53 Jahre alten Mexikaners spiegelt sich der Anspruch der wirtschaftlich immer bedeutender werdenden Schwellenländer auf den Spitzenposten des Internationalen Währungsfonds wider. Fraglich ist aber, ob er diese Staaten auch geschlossen hinter sich vereinen und zudem noch die Unterstützung der USA gewinnen kann. Seine Kampagne ist deutlich zurückhaltender als die Werbetour Lagardes. In der internationalen Finanzwelt allerdings gilt der Ökonom wegen seiner Kompetenz als Schwergewicht. Ihm ist es zu verdanken, dass Mexiko als eine der stabilsten Volkswirtschaften unter den Schwellenländern gilt, trotz der Gewaltwelle, die das Land seit dem von Präsident Felipe Calderón vor fünf Jahren ausgerufenen "Drogenkrieg" erschüttert.

Führungsqualitäten und mehr gefragt

Rolf J. Langhammer (Foto: dpa)

Fordert neue Rolle des IWF: Rolf Langhammer

"Wer auf dem IWF-Chefsessel Platz nehmen will, der muss über profunde Wirtschaftskenntnisse verfügen", sagt Rolf Langhammer. Der Vizechef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft weist im Gespräch mit DW-WORLD.DE auf die speziellen Qualitäten hin, die ein Kandidat haben müsse: "Er muss sich in makroökonomischen und währungspolitischen Angelegenheiten auskennen. Auf diesen Feldern muss sich der IWF besonders profilieren." Zudem müsse der IWF-Direktor über Führungsqualitäten verfügen und genau wissen, wie die Bretton-Woods-Institutionen ticken", so Langhammer, ein weltweit gefragter Experte in Sachen Welthandel und Entwicklung. Der IWF und seine Schwesterorganisation, die Weltbank, waren in Folge der Konferenz von Bretton Woods (US-Bundesstaat New Hampshire) gegründet worden. Dort war 1944, als das Ende des Zweiten Weltkrieges absehbar war, über die Neuorientierung der Weltwährungsordnung beraten worden.

Kenner des IWF

Christine Lagarde und Agustin Carstens (Foto: dpa)

Lagarde versus Carstens - wer macht das Rennen?

Carstens wirbt für seine Person mit eben diesem Insider-Wissen: "Ich kenne den IWF aus allen Winkeln", sagte der korpulente Mexikaner, der in Chicago studierte, kürzlich. Und seine Biografie belegt das: Er war Exekutiv-Direktor beim Internationalen Währungsfonds und in der Funktion als Stellvertretender Geschäftsführender Direktor für die Beziehungen des IWF zu rund 70 Mitgliedsländern verantwortlich. Ihm ist Washington, der IWF-Hauptsitz, vertraut, und er weiß um die Fallstricke auf dem internationalen Finanzparkett.

"Er muss auch mal Nein sagen können", erwartet Langhammer vom neuen IWF-Direktor. Ihm werde die Aufgabe zufallen, die Krise der Eurozone neu zu bewerten und praktikable Lösungsansätze zu unterbreiten. Bislang habe der IWF die Rettungsschirme der EU und die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank unterstützt. "Aber falls es zum Streit um den zukünftigen Kurs kommt, muss der IWF-Direktor das Stehvermögen haben, um sich Gehör zu verschaffen", fordert der Kieler Wirtschaftswissenschaftler. Carstens Konkurrentin Christine Lagarde stehe in diesem Zusammenhang eher für Kontinuität, für ein europäisches "weiter so".

Experte für Staatsbankrotte

Das Logo des Internationalen Währungsfonds am Hauptquartier in Washington (Foto: DW)

Wer wird hier bald der neue Chef?

Carstens hingegen, der sich nach eigenem Bekunden "rundum mit Staatsbankrotten auskennt", könne möglicherweise einen anderen Weg einschlagen, hofft Langhammer. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die unglückliche Rolle, die der IWF in der Asienkrise Ende der 1990er Jahre gespielt hat. Damals reagierte der Fonds zu spät und knüpfte die erforderlichen Finanzhilfen an schmerzhafte Bedingungen. "Der IWF stand in der Kritik, weil die zur Verfügung gestellten Mittel nicht zu einer wirtschaftlichen Erholung der Länder beigetragen haben, sondern von den Banken vielmehr für die Verbesserung der eigenen Kreditwürdigkeit missbraucht wurden", erinnert sich Rolf Langhammer. Der IfW-Vize wirft dem IWF auch vor, die Weltwirtschaftskrise 2008 nicht rechtzeitig erkannt zu haben und aktuell, angesichts der drohenden Pleite Griechenlands, keine klare Haltung einzunehmen.

Neue Rolle des IWF

Carstens verfüge über das nötige Wissen und die Erfahrung, um die neuen Kompetenzen des IWF umzusetzen, betont Langhammer gegenüber DW-WORLD.DE, wie zum Beispiel die Kontrolle von Kapitalflüssen und die Ausarbeitung von sogenannten "Stützkorsetts" im internationalen Finanzsystem, die verhindern sollen, dass sich die globale wirtschaftliche Kluft weiter vertieft.

Seine Bankerkarriere begann Agustín Carstens 1980 in Mexiko bei der Zentralbank, der Banco de México. Rasch arbeitete er sich empor, verhandelte über Umschuldungen und leitete bald die Währungs- und Devisengeschäfte der Zentralbank. Präsident Felipe Calderón holte den Experten 2006 als Finanzminister in sein Kabinett, das er 2010 nur verließ, um Notenbankchef zu werden. Seine Amtszeit dauert noch bis 2015, doch Mexiko würde seinen obersten Währungshüter wohl gerne nach Washington ziehen lassen.

Autorin: Eva Usi / Mirjam Gehrke
Redaktion: Henrik Böhme

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