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Kultur

Mit Brot und Bibeln in den Irak

Eine amerikanische Missionsgesellschaft will unter der Leitung von Franklin Graham im Irak humanitäre Hilfe leisten. Kritiker des Predigers warnen davor, dass Graham die Not ausnutzen könnte, um zu missionieren.

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Franklin Graham: "Der Islam ist eine bösartige Religion"

100.000 Euro haben sie für die Irakhilfe zugesagt bei "Geschenke der Hoffnung", der deutschen Niederlassung des amerikanischen Hilfswerks "Samaritan's Purse". Überlebenspakete wurden davon gekauft, Kochzubehör und Hygiene-Sets - das alles wartet jetzt in Jordanien darauf, dass die Helfer in den Spuren der Soldaten die Grenze zum Irak überschreiten können. Ein ganz normaler Hilfseinsatz, so sieht es Projektleiterin Maike Fethke von "Geschenke der Hoffnung": "Für uns steht die Not der Menschen in der ersten Reihe. Das ist das Allerwichtigste, und das sieht unsere amerikanische Partnerorganisation genauso wie die Niederlassung in Australien oder in Irland. Es gibt bei uns auch nicht die offizielle proamerikanische Politik, wie man das vermuten könnte, eben weil unsere internationale Niederlassungen in den USA ist. Das ist nicht der Fall."

Missionarischer Eifer

Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn zumindest organisatorisch ist "Geschenke der Hoffnung" eng mit seiner amerikanischen Mutterorganisation verbunden. "Samaritan's Purse" ist nicht irgendein Hilfswerk. Gegründet wurde es in den 60ern vom Missionar und Journalisten Bob Pierce. 1973 stieß während seiner - von ihm selbst so bezeichneten - wilden Jahre Franklin Graham zu Samaritan's Purse, Sohn des Großevangelisten Billy Graham. Seitdem ist das Hilfswerk weltweit aktiv, mit Katastrophenhilfe, aber vor allem mit missionarischem Eifer.

Maike Fethke verteidigt ihre Arbeit: "Wir werden oft gefragt, ob nur der ein Glas Wasser bekommt, der sich erst irgendwas aus der Bibel anhört. Die Antwort ist einfach: nein. Im Vordergrund steht bei diesen Hilfsmaßnahmen wirklich die Hilfe und nicht das Evangelium. Aber wenn wir gefragt werden, warum wir da hinkommen, dann sagen wir schon, dass wir Christen sind und unsere Aufgabe mit gelebtem 'Christsein' zu tun hat."

"Bösartige Religion"

"Wir missionieren nicht, aber geben Antwort, wenn wir gefragt werden" - vor rund anderthalb Jahren zeigte sich in Afghanistan, wie gefährlich dieses Konzept sein kann. Damals wurden Mitarbeiter der Organisation "Shelter Now" unter dem Vorwurf der Mission von den Taliban inhaftiert. Dietmar Lütz, Beauftragter der evangelischen Freikirchen bei der Bundesregierung, ist skeptisch gegenüber dieser Form der christlichen Hilfeleistung. Die Situation im Irak sei so heikel, dass Religion wahrscheinlich noch mehr Unfrieden bringen könne als Versöhnung: "Wir wissen, dass Versöhnung nach dem 2. Weltkrieg von den ausländischen Christen in ganz starkem Maße ausging. Jetzt ist das anders: Die Truppen, die in den Irak kommen, sind eines anderen Glaubens. Die können sich nicht mit den Irakern zusammen in einem Gotteshaus versammeln und gemeinsam beten, wie es hier in Berlin geschehen ist. Jetzt kommen Christen und machen vieles kaputt und sagen, unsere Religion ist mehr wert als eure. Damit werden sie Schiffbruch erleiden."

Bei Samaritan's Purse gibt man sich kritischen Anfragen gegenüber zugeknöpft. Alle Versuche, mit einem offiziellen Vertreter des Hilfswerkes zu sprechen, verlaufen im Sande. Doch zeigen Äußerungen des Vorsitzenden Franklin Graham wie die viel kritisierte Bezeichnung des Islam als "bösartige Religion": eine Begegnung unter Gleichen ist der christliche Einsatz in islamischen Ländern nicht. Das war seit Beginn des Hilfswerkes so.

Kirchenspaltung?

Solche Hilfsaktionen sind unter den Freikirchen selber umstritten. Der Krieg im Irak ist eine Belastungsprobe vor allem für sie, das zeigt sich an der Diskussion um die geeignete Hilfe nach dem Krieg wie in einem Brennglas. Hatten sich die katholische Kirche und die lutherischen und reformierten Landeskirchen sofort weltweit gegen den amerikanischen Angriff ausgesprochen, so sind die Mitgliedskirchen des baptistischen Weltbundes tief gespalten.

Die Southern Baptists, eine der größten Kirchen der USA, stellten sich hinter die Politik von Präsident Bush, auch Frank und Billy Graham unterstützten dessen Kurs. Die deutschen Baptisten bleiben von dieser Entwicklung nicht unberührt, sagt Dietmar Lütz: "Es ist auch in Deutschland festzustellen, dass die biblischeren, gläubigeren, pietistischeren Bevölkerungskreise sich stärker für den Krieg erwärmen können als die liberaleren." Dass es allerdings zu einer Kirchenspaltung kommen könne, fürchtet Lütz nicht. Solange man sich in generellen Glaubensfragen einig sei, blieben ethische Probleme wie zum Beispiel Hilfseinsätze mit missionarischem Anspruch letztendlich Nebensächlichkeiten.

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